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Eon offenbart: Energiemix mit unflexibler Atomkraft nicht möglich

Donnerstag 26. März 2009 von birdfish



Ein unangenehmes Eigentor schossen sich nun Eon und das französische Pendant EdF.

Fotograf: Ingwer Hansen
Foto: Ingwer Hansen

Eigentlich sollte es ja eine Drohung der Atomkonzerne sein, als sie der britischen Regierung gegenüber verlautbarten,  sie würden Pläne zum Neubau von Atomkraftwerken aufgeben, wenn im Land ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien stattfinde.

Die Drohung wurde jedoch zum Eigentor. Denn die Energiekonzerne haben damit nun freimütig bestätigt, was Atomkraftgegner vor allem in Deutschland immer wieder erklärt hatten: Ein engagierter Ausbau der erneuerbaren Energien lässt keinen Spielraum mehr für unflexible Atomkraftwerke, die für eine möglichst konstante Stromerzeugung ausgelegt sind.

Quelle: taz

EdF und Eon wollten erwirken, dass die erneuerbaren Energien so weit herunter gefahren werden, dass die Atomkraftwerke noch wirtschaftlich genug sein können. Das lässt allerdings eindeutige Rückschlüsse auf die Situation in Deutschland zu.

Hierzu meint der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Ulrich Kelber:

Die Analyse von EDF und EON ist richtig. Ein hoher Anteil Atomenergie verträgt sich nicht mit einem hohen Anteil Erneuerbarer Energien. Atomkraftwerke können und wollen ihre Leistung nicht drosseln, falls die Stromnachfrage nicht das Angebot aus Atommeilern und Erneuerbaren Energien deckt. Das ist bereits heute mehrere Stunden täglich der Fall. Diese Erkenntnis ist in Fachkreisen auch weit verbreitet. Das kollidiert aber mit der öffentlichen Behauptung von EON, Atomenergie sei eine ‘Brückentechnologie’ ins Zeitalter der Erneuerbaren Energien. Damit wird immer deutlicher: Atomenergie ist eine ‘Hemmschuhtechnologie’, die einer klimaverträglichen Energieerzeugung und mehr Wettbewerb auf den Energiemärkten im Wege steht.

EON muss jetzt auch in Deutschland endlich mit offenen Karten spielen. Wenn EON in Großbritannien eine Ausweitung des Atomenergieanteils bei der Stromproduktion von derzeit 20 Prozent bei einem Anteil von Erneuerbaren Energien von geplant 35 Prozent nicht für möglich hält, dann hat dies massive Auswirkungen auch auf den deutschen Strom-Mix. In Deutschland sollen schon im Jahr 2020 mindestens 35 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien stammen. Gleichzeitig verlangt EON von der Bundesregierung, durch eine Verlängerung der Laufzeit den Anteil der Atomenergie auf einem Wert zwischen 25 Prozent und 30 Prozent zu halten, also auf einem höheren Niveau als in Großbritannien. Es gäbe dann in Zeiten schwacher Nachfrage also keinen Platz für den gesamten Strom aus Erneuerbaren Energien im deutschen Stromnetz.

Damit wird immer offensichtlicher, was ein Bündnis aus Atomwirtschaft und CDU/CSU/FDP vorhat: Mit der Blockade des Atomausstiegs sollen die Monopole am Strommarkt verlängert und der Ausbau der Erneuerbaren Energien behindert werden. Dies gefährdet die Klimaschutzziele Deutschlands, behindert die Schaffung von Arbeitsplätzen im Bereich der Erneuerbaren Energien und zementiert die überteuerten Strompreise der Energiekonzerne.

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