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G20 Strategiepapier zur grünen Konjunkturpolitik vorgelegt

Donnerstag 26. März 2009 von birdfish



Maßnahmen der G20 zur Konjunkturbelebung können zugleich einen Schub für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz auslösen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Strategiepapier, das heute in Berlin vorgestellt wurde.

Dr. Edenhofer
Dr. Ottmar Edenhofer
(c) Marco Urban / PIK

Die Studie wurde vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und dem Grantham Research Institute an der London School of Economics (GRI LSE) unter der Leitung von Ottmar Edenhofer (PIK) und Lord Nicholas Stern (GRI LSE) im Auftrag des Auswärtigen Amtes erstellt. Eine „grüne“ Konjunkturbelebung könne sofortige und langfristige wirtschaftliche Vorteile erbringen, das Risiko für gefährlichen Klimawandel mindern und Quellen globaler Instabilität wie Energieunsicherheit und die Konkurrenz um natürliche Ressourcen verringern, heißt es in dem Papier. Das Dokument enthält Empfehlungen für sieben strategische Bereiche, durch die G20 Staaten die Wirtschaftskrise bekämpfen und auf nachhaltiges kohlenstoffarmes Wachstum umsteuern könnten.
Die Belebung der Wirtschaft und die Förderung von Klimaschutzmaßnahmen stünden in keinem Widerspruch zueinander, so die Autoren des Berichts. Im Gegenteil könnten intelligente Investitionsprogramme und Anreizpakete zur Förderung „grüner“ Maßnahmen kurzfristig die Nachfrage steigern und private Investitionen anregen, und damit zur schnellen Erholung der Weltwirtschaft beitragen. Gleichzeitig würde ein kohlenstoffarmes Wirtschaftswachstum angestoßen, das mittel- und langfristig zu positiven Wirtschafterträgen führen könne. Zentral dafür sei, das tiefgreifende Marktversagen bei der Energienutzung sowie bei Forschung und Entwicklung schnellstmöglich zu korrigieren, heißt es in dem Papier.

Die erste Phase könnte drei Maßnahmen enthalten, die direkt darauf abzielen, kurzfristig Nachfrage und Beschäftigung zu steigern:

1) Energieeffizienz erhöhen: Die G20 Staaten sollten Programme unterstützen, die Kredite an Hausbesitzer und kleine und mittelständische Unternehmen gewähren. Sie sollten Informationskampagnen über Energieeffizienz stärken und konsequentere Energieeffizienz-Standards bei Geräten durchsetzen. Im Transportsektor könne Energie effizienter genutzt werden, wenn strengere Verbrauchsstandards eingeführt, die Fahrzeugbesteuerung reformiert, der Umstieg von der Straße auf die Schiene unterstützt, die Stadtplanung verbessert und die Elektrifizierung von Verkehrsmitteln unterstützt würden.

2) Physische Infrastruktur weiterentwickeln: G20 Mitglieder sollten in die Weiterentwicklung von Elektrizitätsnetzen, öffentlichen Verkehrsmittel, integrierten Gütertransportsysteme und Kohlendioxid-Leitungen für CCS-Projekte investieren. Für grenzüberschreitende Pipelines und Elektrizitätsnetze sollten Möglichkeiten für Kofinanzierungen und Technologietransfers intensiv ausgelotet werden. Neue Infrastrukturen sollten “klimasicher” sein, da ein erheblicher Rest-Klimawandel auch bei sofortigen Klimaschutzmaßnahmen nicht mehr zu vermeiden ist. Zusätzliche Investitionen in Infrastrukturen, die die Volkswirtschaften auf Jahrzehnte auf einen hoch kohlenstoffintensiven Pfad festlegen, sollten wegen der absehbaren damit verbundenen Verluste vermieden werden.

3) Märkte für “saubere” Technologien (clean energy technologies) fördern: In Anbetracht der momentanen prekären Refinanzierungslage privater Investoren, sollten G20 Mitglieder die Finanzierung von clean technology Projekten erleichtern. Zudem sollten Handelsbarrieren abgebaut werden, die Umwelt-Technologien und Dienstleistungen betreffen.

Die zweite Phase sollte auf mittelfristig wirksame Maßnahmen zielen. Durch Anreize würden Investitionen und Nachfrage des privaten Sektors gesteigert, sodass zukunftsträchtige, stark wachsende Märkte entwickelt werden könnten. Das wirtschaftliche Vertrauen würde unmittelbar gestärkt, was die Basis für zukünftiges Produktivitätswachstum bilden würde.

Die 7 Maßnahmen und alle wichtigen Informationen entnehmen Sie der Pressemitteilung des PIK.

Hier lesen Sie die das komplette Papier (eng.).

Erste positive Resonanz von Umweltminister, Außenminister und Presse zu dem Strategiepapier lesen Sie u.a. hier:

Auswärtiges Amt

Wirtschaftswoche

taz

Der Tagesspiegel

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