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Wilkins-Schelf-Bruch: Besorgnis über stetig fortschreitende Eisschmelze

Montag 6. April 2009 von birdfish



Das Eis bricht: Ein ehemals 15 Kilometer breiter Steg des antarktischen Wilkins-Schelfeises, der die beiden Inseln Charcot und Latady verband und stabilisierend auf das Schelfeis wirkte, befindet sich seit Donnerstag, 2. April 2009, im Aufbruch.

Wilkins-Schelf bricht (c) ESA

Die Eisbrücke war bereits nach dem letzten spektakulären Aufbruch-Ereignis im Sommer 2008 an ihrer schmalsten Stelle auf 900 Meter Breite geschrumpft. Forscher der Universitäten Münster und Bonn rechnen mit der vollständigen Zerstörung des Stegs und einem weiteren Eisverlust des Wilkins-Schelfeises in der aktuellen Aufbruchphase. Dr. Angelika Humbert vom Institut für Geophysik der Universität Münster und ihr Kollege Dr. Matthias Braun von der Universität Bonn verfolgen die Entwicklung des Wilkins-Schelfeises anhand von Satellitenaufnahmen seit Jahren, darunter drei Aufbruchphasen im Jahr 2008. Das Forscherteam hat herausgefunden, dass sich durch vergangene Aufbruchereignisse Schädigungszonen entwickelt haben.

“In den letzten Monaten konnten wir durch hoch aufgelöste Aufnahmen des deutschen TerraSAR-X-Satelliten beobachten, dass der Steg sich verbog.

Dr. Angelika Humbert (c) Dr. Angelika Humbert

Ein Beitrag dazu war das sogenannte Fließen des Eises, also die Verformung des Eises unter seinem eigenen Gewicht. Die Form der Eisbrücke und die angrenzende Eismelange bot zudem eine ideale Angriffsfläche für Sturm. Beides führt nun letztendlich zum Zerbrechen des Stegs”, erklärt Humbert.

Wie sieht die Zukunft aus? “Wir erwarten in der derzeitigen Phase des Aufbruchs einen Eisverlust von etwa 800 Quadratkilometern. Da sich jedoch bereits Risse weiter südlich als zunächst angenommen gebildet haben, müssen wir damit rechnen, dass sich der Schwund im schlimmsten Fall auf 3700 Quadratkilometer erhöhen kann”, sagt Humbert voraus. Das Zerbrechen des Stegs bedeutet für das Schelfeis den Verlust einer stabilisierenden Verbindung. Humbert erklärt: “Ein Schelfeis ähnelt einer eingespannten Membran. Wird eine Verbindung der Membran gelöst, muss sich eine neue Gleichgewichtslage bilden. Dies geschieht auch beim Schelfeis und ist mit Massenverlust verbunden.” Die nach dem derzeitigen Aufbruch verbleibende Eisfläche, mindestens 8000 Quadratkilometer, ist jedoch momentan frei von sichtbaren Schädigungszonen, so die Wissenschaftler.

Humbert erklärt: “Wir haben derzeit keinen Hinweis darauf, dass es zu einem kompletten Zusammenbruch des Wilkins-Schelfeises kommen wird.”

Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster


Greenpeace zeigt sich besorgt

Greenpeace äußert sich besorgt angesichts des aktuellen Vorfalls und macht darauf aufmerksam, dass das Wilkins-Schelfeis exemplarisch für die Gefährdung der Schelfeisgebiete in der Antarktis steht (siehe Kippelemente).

In der Antarktisregion sei in den vergangenen 50 Jahren ein Temperaturanstieg von 2,5 Grad Celsius gemessen worden. Der Meeresspiegel steigt durch das Auseinanderbrechen des Schelfeises zwar nicht direkt an. Das Schelfeis hat jedoch die wichtige Funktion, das Eis der Festlandgletscher zu stützen und zurückzustauen. Zerbricht das Schelfeis, erhöht sich die Fließgeschwindigkeit der Gletscher, die ständig in Richtung Meer fließen. Es rutscht mehr Inlandeis vom Festland ins Meer. Dies verstärkt den Meeresspiegelanstieg. So Greenpeace ergänzend.

“Das Auseinanderbrechen des Wilkins-Schelfeises muss ein Warnschuss für die Politiker sein, die jetzt in Bonn über Klimaschutz diskutieren”, so Greenpeace-Sprecher Dr. Christian Bussau, der die Regierungschefs zum Handeln aufforderte.

Die komplette Greenpeace-Meldung lesen Sie hier.


Material zum Wilkins-Schelf

Informationen (engl.) und Kartenmaterial der ESA.

Linkliste zu Infos und Bildmaterial zum Thema – zusammen gestellt von der Uni Bonn.

Interessantes Interview (engl.) zum Wilkins-Schelf vom Mai 2008 mit Angelika Humbert (Uni Münster).

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