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Wichtigster CO2-Speicher Wald durch Klimawandel bedroht

Montag 20. April 2009 von birdfish



Eine jetzt vorgestellte Studie zeigt, dass die bedeutende Rolle der Wälder als massiver Speicher von Treibhausgasen aufgrund der schädlichen Auswirkungen des Klimawandels und des damit verbundenen möglichen Waldverlustes vollständig verloren gehen könnte.

Wald
(c) Günter Havlena / Pixelio

Die Studie wird bei der nächsten Sitzung des Waldforums der Vereinten Nationen (UNFF) vorgestellt, welche vom 20. April bis zum 1. Mai 2009 am Sitz der UNO in New York stattfinden wird.

Die Studie mit dem Titel „Anpassung der Wälder und der Menschen an den Klimawandel – Eine globale Bewertung“ (Originaltitel: „Adaptation of Forests and People to Climate Change – A Global Assessment”) wurde vom internationalen Verband forstlicher Forschungsanstalten (IUFRO) mit Sitz in Wien im Rahmen der globalen Waldpartnerschaft (CPF) koordiniert, einer Allianz von 14 internationalen Organisationen mit substanziellen Waldprogrammen.

Bei dem von 35 führenden Wissenschaftlern im Bereich Forstwirtschaft verfassten Bericht handelt es sich um die erste weltweite Studie zur Anpassungsfähigkeit der Wälder an den Klimawandel. Ihr soll bei den Verhandlungen des UN Waldforums in dieser Woche eine Schlüsselrolle zukommen. Die Studie fasst den Stand der Wissenschaft zu den derzeitigen und zukünftigen Auswirkungen des Klimawandels auf Wälder und Menschen zusammen und zeigt Möglichkeiten zur Anpassung auf.

„Für gewöhnlich wird angenommen, dass die Wälder die Folgen des Klimawandels abschwächen. Tatsächlich aber könnten die schädlichen Auswirkungen des Klimawandels in den nächsten Jahrzehnten dazu führen, dass die Wälder große Kohlenstoffmengen freisetzen. Dies würde die globale Erderwärmung weiter beschleunigen, anstatt sie zu verlangsamen“, sagt der Vorsitzende der Autorengruppe und ehemalige IUFRO Präsident Professor Risto Seppälä vom finnischen Waldforschungsinstitut (Metla). Die Wissenschaftler hoffen, dass der Studie auch bei den internationalen Verhandlungen im Rahmen der Klimakonvention eine wichtige Rolle zukommen wird. Diese Verhandlungen, die im Dezember in Kopenhagen fortgesetzt werden, haben sich bisher vor allem auf Kohlenstoffemissionen aus Entwaldung konzentriert. Die nun vorgestellte Analyse zeigt, dass sich die Verhandlungen auch mit den möglicherweise gravierenden Folgen der fortschreitenden Erderwärmung für die Wälder selbst befassen müssen.

Obwohl die Entwaldung für etwa 20 Prozent aller Treibhausgase verantwortlich zeichnet, speichern Wälder in Summe derzeit noch deutlich mehr Kohlenstoff als sie emittieren. Die Bäume und Böden nehmen mehr als ein Viertel der globalen Kohlenstoffemissionen auf und speichern diese. Nach Meinung der Wissenschaftler droht diese wichtige Kohlenstoffregulierungsfunktion der Wälder vollständig verloren zu gehen, wenn sich die Temperatur im Vergleich zum vorindustriellen Niveau um 2,5 Grad oder mehr erhöht. Von einer derartigen Erhöhung muss ausgegangen werden, wenn die derzeitigen Emissionen nicht substanziell reduziert werden.

Die Studie hält fest, dass steigende Temperaturen in Kombination mit dem klimabedingt häufigeren Dürreperioden, Waldkrankheiten und anderen schädlichen Auswirkungen zu einer erheblichen Schädigung der Wälder führen könnten. Dies könnte zu einem gefährlichen Teufelskreislauf führen, bei dem die schädlichen Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald zu einem erheblichen Anstieg der globalen Kohlenstoffemissionen führen, welche wiederum den Treibhauseffekt weiter verstärken.

Die Warnung der Wissenschaftler, dass die Wälder in Zukunft mehr Kohlenstoff freisetzen könnten als sie speichern, stützt sich auf eine umfassende Analyse der Auswirkungen des Klimawandel auf spezifische Waldökosysteme in unterschiedlichen Klimaszenarien. Die Studie bedient sich dabei jener Szenarien, die von dem mit dem Nobelpreis ausgezeichneten UN Weltklimarat (IPCC) entwickelt wurden. Die Autoren der Studie, von denen einige auch Mitglieder des UN Weltklimarats sind, weisen darauf hin, dass die Auswirkungen auf verschiedene Ökosysteme im Lauf der Zeit variieren. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Rolle der Wälder als Nettokohlenstoffspeicher selbst unter verhältnismäßig konservativen Szenarien verloren gehen können, also selbst dann, wenn es gelingt, die Emissionen teilweise zu reduzieren und die Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre zu stabilisieren. Der Verlust der Wälder als Nettokohlenstoffspeicher wird umso wahrscheinlicher, wenn es zu keiner Verringerung der Emission kommt. Im Moment steigen diese ja weiter deutlich an.

„Die politischen Entscheidungsträger sollten sich viel mehr als bisher die Frage stellen, wie man den Wäldern und damit auch den Menschen helfen kann, sich auf diese
Problemstellungen vorzubereiten“, sagt Professor Seppälä. „So könnte zum Beispiel die verstärkte Umsetzung von wohlbekannten Maßnahmen der nachhaltigen Waldbewirtschaftung einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die schädlichen Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald zu vermeiden.“

Internationaler Verband forstlicher Forschungsanstalten (IUFRO)

Globale Waldpartnerschaft (CPF)

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