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NABU: Stromnetze sollen für Erneuerbare Energien fit gemacht werden

Freitag 1. Mai 2009 von birdfish



Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromversorgung in Deutschland steigt stetig und schnell.

Windenergie(c) Ingwer Hansen

Allein bis zum Jahr 2020 – also in gerade mal einem Jahrzehnt – soll sich ihr Beitrag auf über 30 Prozent des Stromverbrauchs verdoppeln, erwartet die Bundesregierung.
Die Branche der Erneuerbaren Energien rechnet sogar mit bis zu 47 Prozent Erneuerbarem Strom im Jahre 2020. Der größte Anteil davon wird weiterhin aus der Windenergie stammen.

Waschmaschine startet, wenn Wind weht

Egal wie rasant der Ausbau der Erneuerbaren Energien letztlich verläuft, in jedem Fall muss das bestehende Stromnetz an die Entwicklung angepasst werden. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen wird der meiste Strom aus Erneuerbaren Energie an den windstärksten Standorten im norddeutschen Küstenraum produziert. Benötigt wird der Strom aber vor allem in den Verbrauchszentren im Westen und Süden Deutschlands. Zusätzliche Stromtransport-Kapazitäten von Nord nach Süd und West sind also erforderlich. Zum anderen wird die Energie dann umgewandelt, wenn der Wind weht (bzw. die Sonne scheint) und nicht unbedingt dann, wenn der größte Bedarf entsteht. Um eine bedarfsgerechte Energiebereitstellung sicher zu stellen, müssen die verschiedenen Energiequellen besser untereinander und mit zusätzlichen Energiespeichern vernetzt werden. Zudem sollte die Energienachfrage durch intelligente Netze und Stromzähler sowie variable Tarife und Steuerungstechniken soweit wie möglich auf die Zeiten mit hohem Energieangebot ausgerichtet werden, z.B. indem die Waschmaschine dann gestartet wird, wenn der Wind besonders stark weht. Zwar werden darüber hinaus auch der wachsende europäische Stromhandel und der geplante Neubau zahlreicher Kohlekraftwerke in Norddeutschland als Argumente für einen Netzausbau angeführt. Doch man kann es drehen und wenden, wie man will: Der unzureichende Zustand der Stromnetze ist der Flaschenhals für den – klimapolitisch dringend benötigten – weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien. Zu ihrer effizienten und langfristigen Netzintegration sind daher dringend Umbau- und Ausbaumaßnahmen der Netzinfrastruktur erforderlich.

Bei den Detailfragen des Netzausbaus sind sich auch Experten uneins

Doch vor allem der Neubau von Höchst- und Hochspannungstrassen ist langwierig und konfliktbeladen. Planungs- und Genehmigungsverfahren dauern hier oft bis zu zehn Jahre. Schließlich sind die Erfordernisse des Natur-, Landschafts- und Umweltschutzes ebenso zu beachten wie die Interessen der betroffenen Bevölkerung. Dabei sind zahlreiche Fragen auch unter Experten umstritten: Welche Neubaumaßnahmen können durch alternative Instrumente zur Netzintegration, -optimierung und -verstärkung vermieden werden? Ist eine Erdverkabelung anstelle der unbeliebten Freileitungen auf der Höchstspannungsebene ökonomisch machbar und ökologisch vorteilhaft? Zudem wird derzeit die Rechtslage auf Bundesebene neu verhandelt: Der Bundestag debattiert seit Monaten über das von der Bundesregierung verabschiedete Energieleitungsausbaugesetz, das den Neubau einzelner Höchstspannungstrassen beschleunigen soll und dabei auch einzelne Erdverkabelungen vorsieht.

NABU-Grundsätze sollen offene Fragen klären

Angesichts der zahlreichen offenen Fragen und der Bedeutung für Mensch und Natur hat der NABU Grundsätze zu „Netzausbau und -anpassung für die Integration Erneuerbarer Energiequellen“ entwickelt. Ziel soll dabei sein, diejenigen für die effiziente und langfristige Integration der Erneuerbaren Energien notwendigen Umbau- und Ausbaumaßnahmen der Netzinfrastruktur so zu fördern, dass die Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Natur minimiert werden. Der NABU will sich damit verstärkt in die Debatte mit Politik, Netzbetreibern, Energie- und Bauunternehmen sowie Planungs- und Genehmigungsbehörden einbringen.

NABU-Grundsätze „Netzausbau und -anpassung für die Integration Erneuerbarer Energiequellen“ (PDF)

Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Beschleunigung des Ausbaus der Höchstspannungsnetze (EnLAG) (PDF)

Studie „Energiewirtschaftliche Planung für die Netzintegration von Windenergie in Deutschland an Land und Offshore bis zum Jahr 2020“ (dena-Netzstudie I)

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