Trinkwasser aus der Wüste gewinnen – sogar ohne Elektrizität Luftfeuchtigkeit nutzen
Dienstag 9. Juni 2009 von birdfish
Kein Pflänzchen weit und breit – dafür ist es in der Wüste zu trocken. Doch in der Luft ist Wasser enthalten.

So könnten Anlagen aussehen, die in großen Mengen Trinkwasser aus Luftfeuchtigkeit gewinnen – (c) Logos Innovationen
Forscher haben nun einen Weg gefunden, aus der Luftfeuchtigkeit Trinkwasser zu gewinnen. Das System basiert nur auf regenerativer Energie und ist daher autark.Risse ziehen sich durch den ausgedörrten Wüstenboden – die karge Landschaft ist geprägt von Wassermangel. Doch selbst dort, wo es an Seen, Flüssen und Grundwasser mangelt, sind in der Luft erhebliche Wassermengen gespeichert: In der Negev-Wüste in Israel beispielsweise beträgt die relative Luftfeuchtigkeit im Jahresmittel 64 Prozent – in jedem Kubikmeter Luft befinden sich 11,5 Milliliter Wasser.
Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart haben gemeinsam mit ihren Kollegen von der Firma Logos Innovationen einen Weg gefunden, diese Luftfeuchtigkeit autark und dezentral in trinkbares Wasser umzuwandeln. »Der Prozess, den wir entwickelt haben, basiert ausschließlich auf regenerativen Energiequellen wie einfachen thermischen Sonnenkollektoren und Photovoltaikzellen, was diese Methode vollständig energieautark macht. Sie funktioniert also auch in Gegenden, in denen es keine elektrische Infrastruktur gibt«, sagt Siegfried Egner, Abteilungsleiter am IGB. Das Prinzip: Hygroskopische Salzsole – also Salzlösung, die Feuchtigkeit aufsaugt – rinnt an einer turmförmigen Anlage hinunter und nimmt Wasser aus der Luft auf. Anschließend wird sie in einen Behälter gepumpt, der in einigen Metern Höhe steht und in dem Vakuum herrscht. Energie aus Sonnenkollektoren erwärmt die Sole, die durch das aufgenommene Wasser verdünnt ist. Der Siedepunkt liegt aufgrund des Vakuums niedriger als bei normalem Luftdruck. Diesen Effekt kennt man aus den Bergen: Da der Luftdruck auf dem Gipfel geringer ist als im Tal, kocht Wasser bereits bei Temperaturen deutlich unter 100 Grad Celsius. Das verdampfte, salzfreie Wasser kondensiert über eine Destillationsbrücke und läuft über ein vollständig gefülltes Rohr kontrolliert nach unten ab, wobei die Schwerkraft dieser Wassersäule kontinuierlich das Vakuum erzeugt – eine Vakuumpumpe ist nicht nötig. Die wieder konzentrierte Salzsole fließt erneut an der Turmoberfläche hinunter, um Luftfeuchtigkeit aufzunehmen.
»Das Konzept eignet sich für verschiedene Größenordnungen: Es sind sowohl Einzelpersonenanlagen denkbar als auch Anlagen, die ganze Hotels mit Wasser versorgen«, sagt Egner. Für beide Komponenten, die Aufnahme der Luftfeuchtigkeit und die Vakuumverdampfung, gibt es Prototypen. In Laborversuchen haben die Forscher das Zusammenspiel der beiden Komponenten bereits getestet. In einem weiteren Schritt wollen die Forscher eine Demonstrationsanlage entwickeln.
Schlagworte:
Boden, Energie, Entwicklung, Entwicklungsländer, Erneuerbare Energien, Flüsse, Forschung, Gesundheit, Neue Technologien, Süßwasser, Solarenergie, Trinkwasser, Wasser, Wasserknappheit, WassermanagementVerwandte Artikel
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Dienstag 4. August 2009 um 16:58
Der Wert von 64% rel feuchte als Jahresmittel für die Negev ist um den Faktor 2 bis 3 zu hoch un damit falsch.
In vielen Gebieten Deutschlands liegt der Jahresmittelwert unter 70% und wir haben keine Wüste.
MfG
Dr. Harald Meier-Fritsch
Dienstag 4. August 2009 um 19:03
Hallo Herr Dr. Meier-Fritsch,
Die Angabe der 64% stammt vom Fraunhofer Institut. Ich habe aber eben auch nochmal nachgesehen, ob es sich um einen Fehler handelt.
Wenn ich in das heutige Yahoo-Wetter für Beersheeba (größte Stadt der Umgebung dort) schaue, so sagt mir Yahoo, dass dort heute eine Luftfeuchtigkeit von 66% angesagt ist.
Zu den Klimaverhältnissen erfährt man auch noch mehr auf der Wikipedia-Seite zu Israel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Israel
Donnerstag 6. Oktober 2011 um 11:34
Dieses Verfahren wird in ähnlicher Form seit vielen Jahren bereits für Krisengebiete eingesetzt. Es ist also nicht wirklich eine neue Entwicklung. Als Salzlösung wird LICL genutzt.
Johannes Hepp