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Kompetenzzentrum für Klimaschutz und Klimaanpassung in Kassel eröffnet

Samstag 13. Juni 2009 von birdfish



In Kassel wurde jetzt das erste universitäre Kompetenzzentrum für Klimaschutz und Klimaanpassung in Deutschland  eröffnet.

Clima - Uni Kassel

Entsprechend ihrer hohen Umweltkompetenz betreibt die Universität Kassel seit vielen Jahren Forschung zum Schutz des Klimas und zur Anpassung an Folgen des Klimawandels. So werden derzeit über 70 Forschungsprojekte der Universität Kassel mit Klimaschwerpunkt oder Klimabezug und bewilligten Drittmitteln von rund 18,5 Mio. sowie acht weitere Projekte an den An-Instituten ISET (Institut für Solare Energieversorgungstechnik), ZUB (Zentrum für Umweltbewusstes Bauen) sowie in Kooperation mit dem UFZ (Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbH) bearbeitet.

Mit dem “Competence Centre for Climate Change Mitigation and Adaptation” (CliMA) wurden diese Klimakompetenzen zu einem universitären Schwerpunkt gebündelt. “Mit CliMA konzentrieren wir die Exzellenz der Universität Kassel in Sachen Klimaforschung”, so Prof. Dr. Alexander Roßnagel, Vizepräsident der Universität Kassel, anlässlich der Eröffnungsveranstaltung. Und weiter: “Wir haben uns als Universität mit der Gründung des CliMA hervorragend aufgestellt und wollen uns mit Umsetzungspartnern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gemeinsam den Herausforderungen des Klimawandels stellen”. Besonders wichtig sei die Verknüpfung von Forschungs- und Umsetzungskompetenzen zu einem interdisziplinären Governance-Ansatz. Konzeptionell verfolge das CliMA den Anspruch, in vielfältigen Aufgabenfeldern des Klimaschutzes und der Klimaanpassung Lösungen von der Grundlagenforschung bis hin zur Anwendung zu erarbeiten. “Dabei werden in interdisziplinären Projektteams naturwissenschaftlich-technische Forschungs- und Lösungsansätze mit gesellschaftswissenschaftlichen Untersuchungen verbunden“, wie Roßnagel weiter ausführt.

Derzeit arbeiten über 30 Professorinnen und Professoren im CliMA gemeinsam daran, Klimaschutzlösungen und Klimaanpassungsstrategien zu entwickeln, erforderliche gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu untersuchen und eine optimierte Wissensvermittlung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu gewährleisten. Es wurden folgende vier interdisziplinäre Arbeitsbereiche gebildet: Klimaschutzlösungen, Klimaanpassungsstrategien, Gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Vermittlung.

Arbeitsgruppe Klimaschutzlösungen

Bei der Arbeitsgruppe Klimaschutzlösungen steht die umfassende Verminderung der Treibhausgasemissionen im Mittelpunkt, daher werden hier Forschungen zur dezentralen Energiebereitstellung, -versorgung und -verteilung und klimaverträglichen Energienutzung betrieben. Die CliMA-Experten in dieser Arbeitsgruppe haben ihren fachlichen Hintergrund in den Bereichen Wind, Wasser, Bioenergie, Solarthermie, Systemtechnik und Logistik. Sprecher dieser Forschergruppe ist Prof. Dr. Klaus Vajen.

In dieser Arbeitgruppe werden beispielsweise die Projekte “Prograss”, “Entwicklungsperspektiven für nachhaltige 100%-Erneuerbare-Energie Regionen in Deutschland” sowie “Sintropher – Klimaschonende Verkehrsentwicklung durch vernetzte regionale Konzepte (Regiotram-System)” bearbeitet.

Das von der Europäischen Union mit 1,6 Mio. € geförderte Forschungs- und Umsetzungsprojekt “Prograss” beschäftigt sich mit dem Erhalt von NATURA-Grünland-Habitaten durch eine dezentrale energetische Verwertung. Das Forschungsprojekt “Entwicklungsperspektiven für nachhaltige 100%-Erneuerbare-Energie Regionen in Deutschland” wird vom Bundesumweltministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) mit rund 360.000 € gefördert und untersucht Erfolgsfaktoren und Hemmnisse in Regionen und Kommunen, die sich das Ziel gesetzt haben, ihre Energieversorgung zu 100 % aus Erneuerbaren Energien zu beziehen. “Sintropher” mit einer Fördersumme von 371.000€ für die Kasseler Forscher aus dem EU-Programm INTERREG IV B wird in der Arbeitsgruppe von Experten aus den Bereichen Planen, Bauen und Verkehr behandelt.

Arbeitsbereich Klimaanpassungsstrategien

Bei der Anpassung an die nicht mehr aufzuhaltenden Folgen des Klimawandels geht es darum, die Empfindlichkeit gesellschaftlicher, ökonomischer und natürlicher Systeme zu reduzieren bzw. deren Anpassungsfähigkeit zu verbessern und zu bewahren. Im CliMA sind 13 Professuren mit fachlichem Hintergrund aus den Bereichen Ressourcen (Wasser- und Landwirtschaft), Tourismus, Regionalentwicklung, Produktion und Planen und Bauen beteiligt. Die Arbeitsgruppe wird geleitet von Prof. Dr. Michael Wachendorf.

Das größte Projekt im CliMA-Arbeitsbereich Klimaanpassungsstrategien ist das Verbundprojekt “KLIMZUG-Nordhessen” (Klimaanpassungsnetzwerk für die Modellregion Nordhessen). Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft mit insgesamt 10 Mio. € (davon 6 Mio. € für universitäre Forschungen) sollen bis 2013 innovative und nachhaltige Produkte, Dienstleistungen und Strukturen zur Klimaanpassung entwickelt, erprobt und umgesetzt werden. Dabei findet in den 18 Forschungs- und neun Umsetzungsprojekten eine enge Kooperation von Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und gesellschaftlichen Gruppen statt. Das KLIMZUG-Projekt verfolgt ebenso wie CliMA einen Governance-Ansatz.

Zwei weitere Projekte werden im Forschungsverbund “Klimawandel und Produktion von gesunden Nutzpflanzen – Prozesse und Anpassungsstrategien bis 2030″ im Rahmen der Ausschreibung “KLIFF” (Klimafolgenforschung – Szenarien für die Klimaanpassung) des MWK Niedersachsen von 2008 bis 2013 mit rund 400.000 € unterstützt und mit der Fakultät für Agrarwissenschaften der Universität Göttingen durchgeführt. Die Teilprojekte von Prof. Jörgensen und Prof. Finckh von der Universität Kassel beschäftigen sich damit, Auswirkungen des Klimawandels auf Boden, Humus und Zwischenfrüchte am Beispiel ökologischer Fruchtfolgen zu erfassen und zu bewerten.

Für Städte in Mitteleuropa stellt extreme Hitze ein zentrales Problem der Zukunft dar. Vorhandene erhöhte Temperaturen werden durch die Eigenschaften der jeweiligen Städte verstärkt und führen oft zu erheblichen Beeinträchtigungen für Stadtbewohner. Daraus resultiert Handlungsbedarf, diese Stresssituation mit Methoden der Stadtplanung abzubauen. Das Kasseler Fachgebiet Umweltmeteorologie entwickelt in dem vom BMBF geförderten Projekt KLIMES im Rahmen der KLIMAZWEI-Initiative planerische Strategien und städtebauliche Konzepte, um Auswirkungen von klimatischen Extremen auf Wohlbefinden und Gesundheit von Menschen in Städten zu reduzieren.

Arbeitsgruppe Gesellschaftliche Rahmenbedingungen

Klima- und Energieforschung muss, wenn sie ihre Wirkung entfalten soll, in der Gesellschaft ankommen. Im CliMA arbeiten neun Fachgebiete an der Erforschung des gesellschaftlichen, insbesondere energiewirtschaftlichen Wandels. Dabei werden betriebs- und volkswirtschaftliche, politische, gesellschaftliche (Systemtheorie, Szenarien), rechtliche, aber auch psychologische Aspekte abgedeckt. Diese Arbeitsgruppe wird geleitet von Prof. Dr. Alexander Roßnagel.

“Die Emissionshandelssysteme in Japan und Deutschland – Chancen der Verzahnung aus rechtlicher Sicht” heißt ein Forschungsprojekt unter Leitung von Prof. Roßnagel und wird gefördert durch das Hessische Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Hier wird der Frage nachgegangen, wie das 2005 eingeführten EU-Emissionshandelssystems, das den Handel mit vom Staat zugeteilten Verschmutzungsrechten auf Unternehmensebene ermöglicht, auch auf andere relevante Handelspartner außerhalb Europas übertragen werden könnte. Das käme Klimaschutz und Handel Hessens zugute. Die Emissionshandelssysteme haben zudem wesentliche Bedeutung für die Verwirklichung der Ziele des so genannten Kyoto-Protokolls, dessen Nachfolgeabkommen für die Zeit nach 2012 Ende dieses Jahres in Kopenhagen verabschiedet werden soll.

Arbeitsgruppe Vermittlung

Um die Ergebnisse der Forschung zu Klimaschutz und Klimaanpassungsstrategien in die praktische Umsetzung zu bringen, ist der Transfer in die Praxis eine wichtige Aufgabe. Dies geschieht unter Einbeziehung, Vernetzung, Begleitung und Unterstützung aller relevanten Akteure. So müssen etwa Bildungskonzepte entworfen, erprobt und evaluiert werden. Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe Vermittlung besteht derzeit aus drei Professuren aus den Bereichen Erziehungswissenschaften, Pädagogik und Didaktik. Sprecher ist Prof. Dr. Axel-Olaf Burow. Der Transfer findet u.a. in der Bildungsakademie des Verbundprojekts KLIMZUG-Nordhessen und dem UniKasselTransfer statt.

Der Vermittlung von Expertenwissen widmet sich ein von der EU im Rahmen des “Early Stage Network” mit knapp 2 Mio. Euro ausgestatteten europaweiten Doktorandenkollegs zum Thema Solarthermie an der Universität Kassel. Unter dem Namen SOLNET arbeiten hier zu dem wichtigen Zukunftsthema Solarthermie unter Leitung der Kasseler Universität insgesamt neun europäische Hochschulen in Schweden, Dänemark, der Tschechischen Republik, Österreich, Spanien und Italien zusammen. Es bietet Platz für 10 Promovenden aus ganz Europa und wird von den zwei Kasseler Professoren, Dr. Klaus Vajen und Dr. Ulrike Jordan aus dem Fachbereich Maschinenbau koordiniert. Das SOLNET-Konsortium bietet das erste internationale Doktoranden-Kursprogramm für Solarthermie-Forschung an, führt die Kompetenzen der europäischen Experten auf diesem Gebiet zusammen und macht sie für die Nachwuchswissenschaftler/innen verfügbar. Die Promovenden, die für jeweils drei Jahre Stipendien erhalten, werden an ihren Heimatuniversitäten arbeiten, sich über das Internet verbinden, halbjährlich an wechselnden Orten an Kursen zur Solarthermie teilnehmen und jährliche Plenarsitzungen abhalten.

Wissensvermittlung vor Ort war im Rahmen des von der Stadt Baunatal geförderten Projektes “Baunatal 2030″ erfahrbar: Von Bürgerinnen und Bürgern wurden innovative Ideen und Vorschläge zur Weiterentwicklung Baunatals zusammengetragen. Unter dem Motto “Identifikation der hier Lebenden mit ihrer Stadt” und “Attraktivität für Wohnort-Suchende” werden sie Projekte initiieren, in die Bürgerinnen und Bürger ganz direkt eingebunden sind. So werden Radwege, Spielplätze und Wohnumgebungen in Bürgerbeteiligungen und Bürgerinformationen besprochen und gemeinsam auf den Weg gebracht. Die Entwicklung des neuen Leitbildes der Stadt enthält ökologische Ausrichtungen, der partizipative Prozess wird von Prof. Burow u.a. mit Methoden der Zukunftswerkstatt unterstützt.

CliMa-Website an der Universität Kassel

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