KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Umweltverbände beklagen ergebnisloses Taktieren bei Bonner Klimaverhandlungen

Samstag 13. Juni 2009 von birdfish



Das Ergebnis der gestern zu Ende gegangenen Runde der UN-Klimaverhandlungen in Bonn werden von Umweltverbänden als große Enttäuschung bewertet.

Verfehlte Energiepolitik
(c) Adam_Oswell / WWF-Canon

Die Delegierten gehen ohne substantielle Resultate auseinander. Besonders negativ hat sich das Fehlen eines klimapolitischen Vorreiters ausgewirkt. Keine der anwesenden Delegationen war bereit voranzugehen und mit mutigen Vorschlägen den Klimaschutz voran zu treiben.

„Man hat sich in Bonn darauf geeinigt, dass man sich im Grunde in allen Punkten uneinig ist“, so Regine Günther, Leiterin Klimapolitik beim WWF Deutschland. „Zwei Wochen wurde taktiert und versucht, sich eine möglichst gute Verhandlungsposition für die folgenden Konferenzen zu verschaffen. Dies können wir uns nicht mehr leisten.“

So sieht es auch Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid, der die Verhandlungen beobachtete.
“Die Bonner Klimaverhandlungen haben sich im Kreis gedreht. Die führenden Industrienationen haben um jede Tonne Kohlendioxid geschachert, während die Entwicklungsländer auf Gelder für den Klimaschutz warten. Die von Japan und den USA angekündigten Reduktionsziele sind ungenügend. Europa ist wie gelähmt und ruht sich auf seinen bisher getroffenen Beschlüssen aus”, urteilte Smids.

Wenn der ungebremste Klimawandel noch abgewendet werden soll, muss der Anstieg der globalen Temperatur unter 2 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten bleiben. Das ist nur zu erreichen, wenn die Industriestaaten sich dazu verpflichten, ihre Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Die Industriestaaten konnten sich jedoch lediglich auf den Vorschlag einigen, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 um acht bis 15 Prozent zu vermindern. Das ist ein katastrophal mickriges Ergebnis.

Jeder Staat habe sein Eigeninteresse nach vorne gestellt und Sonderregelungen gefordert – und damit eine wichtige Chance vertan, kritisierte Smid: “Von Tag zu Tag schwindet so die Chance, einen gefährlichen Klimawandel zu verhindern und die Temperaturerhöhung auf deutlich unter 2 Grad Celcius zu begrenzen”, kritisiert Smid.

Nun ist es an der Zeit für die Staats- und Regierungschefs, den Klimaschutz selbst in die Hand zu nehmen: “Für Bundeskanzlerin Angela Merkel bietet sich dafür in vier Wochen auf dem G8-Gipfel in Italien die Chance. Merkel darf nicht schweigend zusehen. Sie muss endlich die Initiative ergreifen. Nur so lassen sich die festgefahrenen Verhandlungen zum Schutz des Klimas wieder in Bewegung bringen.”

Wie ein wirklich effektives Klimaabkommen aussehen kann, haben Klimaexperten führender Nichtregierungsorganisationen den Politikern in Bonn bereits vorgestellt: Der Vorschlag für ein neues Kopenhagen-Abkommen stellt den Schutz des Klimas und damit den Schutz des Planeten und seiner Bewohner ins Zentrum. Und zeigt zugleich, wie die Interessenkonflikte zwischen den wohlhabenden und den armen Nationen gelöst werden können.

Schlagworte:
, , , , , , , , , , ,

Verwandte Artikel

Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 13. Juni 2009. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Kommentar schreiben