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UNESCO: Wattenmeer nun Weltnaturerbe – WWF: “Niemand braucht Öl aus dem Watt”

Sonntag 28. Juni 2009 von birdfish



Das Welterbekomitee der UNESCO hat jetzt entschieden, das deutsch-niederländische Wattenmeer in die Liste der Welterbestätten einzuschreiben.

Kegelrobbe im Wattenmeer
Kegelrobbe im Wattenmeer – (c) Hans-Ulrich Rösner / WWF

“Heute ist ein großer Tag für den Naturschutz in Deutschland”, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel anlässlich der Verkündung. “Das Wattenmeer steht nun auf einer Stufe mit dem Grand Canyon in den USA, dem Great Barrier Reef vor der Küste Australiens oder der Serengeti in Tansania. Das ist ein riesiger Erfolg vor allem für die vielen Beteiligten vor Ort, die jahrelang auf diese Anerkennung hingearbeitet haben. Und das ist eine Verpflichtung auch für die Bundesregierung, dem Schutz des Wattemeers auch in Zukunft hohe Priorität einzuräumen.

“Das Wattenmeer ist eines der größten Feuchtgebiete der Welt, in dem jährlich zehn bis zwölf Millionen Zugvögeln Station machen – und zugleich ein außergewöhnlich dynamischer Naturraum. Nirgendwo auf der Welt hat sich unter dem Einfluss der Gezeiten eine vielfältigere Landschaft entwickelt, die sich noch heute immer wieder verändert. Rund 10.000 Arten haben hier ihren Lebensraum. Die Aufnahme in die Welterbeliste ist auch eine Anerkennung für das hohe Schutzniveau, dass Deutschland, die Niederlande und Dänemark seit Jahren gemeinsam gewährleisten“, betonte Gabriel.

Im Januar 2008 haben Deutschland und die Niederlande im Rahmen der trilateralen Wattenmeerkooperation bei der UNESCO den Antrag gestellt, das deutsch-niederländische Wattenmeer als Weltnaturerbe anzuerkennen. Das angemeldete Gebiet umfasst die Flächen der beiden Wattenmeer-Nationalparks in Schleswig-Holstein und Niedersachsen sowie eines Schutzgebiets in den Niederlanden mit einer Fläche von zusammen fast 10.000 Quadratkilometern.

Weltnaturerbe Wattenmeer
Weltnaturerbe Wattenmeer – (c) Hans-Ulrich Rösner / WWF

Der WWF sieht ebenso mit der Anerkennung auch eine Verantwortung zur dauerhaften Erhaltung verbunden. „Der WWF erwartet von Politik und Industrie, allen voran der Ölindustrie, dass sie die Anerkennung als Weltnaturerbe respektiert und auf jeden Bergbau im Wattenmeer verzichtet“, sagt Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF-Wattenmeerprojekts. „Niemand braucht ausgerechnet Öl aus dem geschützten Watt.“ Die Industrie müsse aufhören, sich immer neue Ausnahmen für missbräuchliche Nutzungen im Nationalpark zu erstreiten und auf jede Ausweitung der Ölförderung verzichten.

Eine weitere Gefahr für das Weltnaturerbe Wattenmeer stellt nach WWF-Angaben der durch den Klimawandel verursachte Anstieg des Meeresspiegels dar. Dieser könne in der flachen Landschaft der Nordseeküste besonders schwere Auswirkungen für Mensch und Natur haben. Wattflächen und Salzwiesen drohen dauerhaft überflutet zu werden, auch Inseln könnten dann in Gefahr geraten. In begrenztem Umfang ist nach WWF-Einschätzung eine Anpassung jedoch noch möglich. So könne etwa durch Ablagerung von Schlick und Sand das Watt mit dem Meeresspiegel mitwachsen. „Die immer höher werdenden Investitionen für den Küstenschutz müssen auch so eingesetzt werden, dass die natürliche Anpassung an den Meeresspiegelanstieg gefördert wird. Das ist unsere einzige Möglichkeit die einmalige Küstenlandschaft an der Nordsee auch langfristig zu erhalten“, sagt Hans-Ulrich Rösner.

Für die Umweltschützer ist es außerdem ein besonderer Wermutstropfen, dass nur der größte Teil des deutschen sowie das niederländische Wattenmeer den Titel Weltnaturerbe erhalten haben. Der WWF hofft, dass Dänemark und das Bundesland Hamburg nun so bald wie möglich einen entsprechenden Antrag bei der UNESCO stellen und sich mit ihren Wattgebieten anschließen. Ziel sollte sein, dass der gesamte Watt-Raum zu einem gemeinsamen Weltnaturerbe wird. Dies helfe nicht nur bei der Bewahrung des einmaligen Ökosystems, sondern nütze auch den Anwohnern, schließlich profitiert vor allem der Tourismus von einer intakten Natur und von der Auszeichnung als Weltnaturerbe.

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