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“Wer Merkel wählt, wählt Atomkraft” – zahlreiche Aktionen von Umweltaktivisten

Montag 29. Juni 2009 von birdfish



Gegen Laufzeitverlängerungen und den Neubau von Atomkraftwerken protestierten gleich mehrere Umweltverbände anlässlich der Verabschiedung des CDU/CSU-Wahlprogramms.

Protest gegen AKW-Laufzeitverlängerungen
Protest gegen die Laufzeitverlängerungen von Atomkraftwerken – (c) BUND

“Keine Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke, Frau Merkel!” So protestierte der BUND vor dem Programm-Kongress der konservaticen Parteien mit einer zwei Meter hohen “Atom-Ausstiegsuhr”. Die Uhr zeigt jene sieben Atomkraftwerke, die entsprechend einer Vereinbarung zwischen Energiekonzernen und Bundesregierung in der laufenden und in der nächsten Legislaturperiode vom Netz genommen werden sollten.

“Die Ausstiegsuhr tickt, sieben Atomkraftwerke stehen an zum Abschalten. Sollten aber CDU/CSU und die FDP nach der Bundestagswahl in ihrer Wunschkoalition längere Laufzeiten für die alten Atommeiler durchsetzen, werden sich die Gefahren für heutige und kommende Generationen noch weiter vergrößern”, sagte der BUND-Energieexperte Thorben Becker.

Die Risiken der Atomkraft symbolisierten die Umweltschützer mit einer Alarmsirene, die von Passanten ausgeschaltet werden konnte. “Endzeit für Atomkraftwerke. Keine längeren Laufzeiten, Frau Merkel!” und “AKWs abschalten!” war auf Transparenten und Schildern zu lesen. Der Umweltverband kritisierte auch die Energieversorger, weil sie den Atomausstieg durch längere AKW-Stillstandszeiten verzögern würden. Das schleswig-holsteinische AKW Brunsbüttel, die Reaktoren Biblis A und B in Hessen und das AKW Neckarwestheim in Baden-Württemberg sollten ursprünglich bereits 2008 bzw. spätestens 2009 stillgelegt werden. In Bayern ist 2011 das Abschalten von Isar 1 vorgesehen. 2012 sollen in Baden-Württemberg Philippsburg 1 und in Niedersachsen das AKW Unterweser folgen.

“Niemand kann die gehäuft auftretenden Kinderleukämien im Umkreis fast aller Atomanlagen erklären. Allein schon deshalb sind die Ankündigungen von CDU/CSU und FDP, nach einem eventuellen Wahlsieg die Laufzeiten der Atommeiler zu verlängern, vollkommen inakzeptabel”, sagte Becker. Die Atomenergie bleibe eine Technologie unbeherrschbarer Risiken. Die ungeklärte Entsorgung des Strahlenabfalls und die mögliche Weiterverbreitung nuklearer Materialien vergrößerten die Gefahren zusätzlich. Hinzu komme, dass die meisten deutschen Atomkraftwerke nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert seien.

Die kommende Bundestagswahl sei auch eine Richtungsentscheidung in der Energie- und Atompolitik. Becker: “Atommeiler sind unflexible und schwer regelbare Großkraftwerke, die nicht in ein zukunftsfähiges Stromversorgungssystem passen. Die Physikerin und Bundeskanzlerin Angela Merkel muss es wissen: Bleiben die Atomkraftwerke länger am Netz, dann bremsen sie den Ausbau der erneuerbaren Energien. Entweder es kommen längere Laufzeiten für veraltete Atomreaktoren oder Deutschland beginnt mit der Erneuerung seines Energiesystems.

Greenpeace demonstrierte mit zahlreichen Aktivisten vor der CDU-Parteizentrale ebenfalls gegen das kaschierte Atomprogramm der konservativen Parteien. Sie zogen gestern Nachmittag ein sieben Meter hohes Trojanisches Pferd vor das Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. Dieses steht für das frisch verabschiedete Wahlprogramm der CDU/CSU. Der Bauch des Pferdes war mit Atommüllfässern gefüllt. In ihrem Wahlprogramm verspricht die Union den Wählern, keine neuen Atomkraftwerke zuzulassen. Gleichzeitig werben zahlreiche Spitzenpolitiker der CDU/CSU offen für den Ausbau der Kernenergie in Deutschland.

Zitat Bundeskanzlerin Merkel vom 15.06.2009:
“Wenn ich sehe, wie viele Kernkraftwerke weltweit gebaut werden, wäre es jammerschade, wenn Deutschland aussteigen würde.”

Zitat Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) vom 16.06.2009:
“Es müssen die Rahmenbedingungen für den Neubau von Kraftwerken verbessert werden, damit Kraftwerke in Deutschland gebaut werden: Egal ob für Wind oder Wasser, für Biomasse oder Sonne, für Kohle mit CCS oder für Kernenergie der neuen Generation.”

Zitat CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla vom 23.06.2008:
“Kernkraft ist für die CDU Ökoenergie.”

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