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G8-Erfolg: 2 Grad-Grenze festgezurrt – Kritikpunkt: noch keine konkreteren Fakten

Mittwoch 8. Juli 2009 von birdfish



Der G8-Gipfel ist tatsächlich zu einem ersten klimapolitischen Erfolg geworden.

G8-Gipfel Italien - Logo

Dieses Ergebnis hätte kaum jemand zu Hoffen gewagt – wenngleich führende Klimawissenschaftler eindringlicher denn je davor gewarnt hatten, das unsägliche Klima-Mikado fortzusetzen.
So hatte Professor Hans Joachim Schellnhuber, Direktor der Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung vor gefährlichen Prozessen im Erdklima gewarnt für den Fall, dass der G8-Gipfel keine Lösung bringen sollte. Recht plastisch hatte er geäußert:
“Die Natur hat uns nur einen begrenzten “Kohlenstoffkredit” eingeräumt – die globale Insolvenz rückt also mit jedem verlorenen Jahr näher. Mit der Atmosphäre kann man aber keine Stundungsverhandlungen führen.”

Nun haben sich die Staats- und Regierungschefs der acht größten Wirtschaftsmächte der Welt also  darauf geeinigt, dass die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzt werden soll. Das hätte für die Industriestaaten zur Folge, dass diese den Ausstoß ihrer Treibhausgase bis 2050 um 80 Prozent oder mehr verringern müssten.
Das ist viel mehr als vor kurzem noch möglich schien – und löst eine ganze Reihe weiterer Fragen aus im Zusammenhang mit der Erreichung dieses gemeinsamen Ziels.

Hier setzte auch der WWF an, der sich nach Bekanntwerden der Ergebnisse als erste Umweltorganisation zum bisherigen Verlauf des G8-Gipfels äußerte. Er würdigte die positiven Schritte in die richtige Richtung, ist aber der Meinung, dass ein echter Durchbruch noch nicht erreicht ist, da die Erklärung fehlt, was denn nun konkret aus der Erkenntnis der 2 Grad-Grenze folgt.

Hier sind konkrete Zahlen gefordert, die besagen, wie der CO2-Ausstoß bis 2020 gesenkt werden kann. Allein die Aussage, was bis zum Jahr 2050 geschehen solle, reiche nicht aus.

Unklar ist leider noch, wie sich die wichtigen großen Schwellenländer – insbesondere China und Indien verhalten werden, die ungern von ihrem wirtschaftlichen Wachstumserfolg an die Klimapolitik abgeben wollen. China hat bisher mit dem Finger auf die Industrienation, insbesondere auf die USA gezeigt. Diese bewegen sich nun aber ja erstmals in der Klimafrage. Vor dem G8-Gipfel soll es positive Signale aus China und Indien gegeben haben, die 2-Grad-marke ebenfalls anzuerkennen. Dies bestätigte Bundesumweltminister Gabriel.

Man darf in diesem Zusammenhang gespannt sein auf die Gespräche, die die G8 am morgigen  Donnerstag mit den größten Schwellenländern führen werden.

Pressereaktionen vom heutigen Ergebnis:

“G-8-Staaten einigen sich auf Klimaziel”, SPIEGEL Online

“Durchbruch beim G8-Gipfel in Italien”, RP-Online

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2 Kommentare über “G8-Erfolg: 2 Grad-Grenze festgezurrt – Kritikpunkt: noch keine konkreteren Fakten”

  1. roland adam schrieb:

    Selten habe ich mich so verarscht gefühlt …

  2. birdfish schrieb:

    Der Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber hat die Einigung des G-8-Gipfels zur Erderwärmung als „entscheidenden Schritt“ zur Begrenzung des Ausstoßes von Treibhausgasen bezeichnet. Im Inforadio des RBB sagte der Direktor des Instituts für Klimafolgenforschung am Donnerstag, die EU müsse demnach bis 2020 ihren CO2-Ausstoss um 40 Prozent reduzieren.

    Die USA, die während der Präsidentschaft von George W.B. Bush „ein ganzes Jahrzehnt beim Klimaschutz verloren“ hätten, müssten ihre Emissionen bis dahin um zehn Prozent senken. Mehr sei vorerst nicht zu erwarten. In den Jahren bis 2030 müssten die USA bei den Treibhausgasen allerdings eine „Vollbremsung“ hinlegen, sagte Schellnhuber.

    Quelle: Focus Online vom 9.7.09

    http://tinyurl.com/mlmv3e

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