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G8-Gipfel will Klimaabkommen erarbeiten – viele kritische Mahnungen im Vorfeld

Mittwoch 8. Juli 2009 von birdfish



Heute beginnt der G8-Gipfel in L’Aquila, Italien. Gemeinsam soll ein Abkommen zu Energieknappheit, Wasser, Klimaveränderung und Nahrungsmittelsicherheit verabschiedet werden.

G8-Gipfel Italien - Logo

Im Vorfeld sind bereits viele Hoffnungen und Mahnungen an die Gipfel-Teilnehmenden heran getragen worden. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel ist der Meinung: “Der G8-Gipfel muss sich klar dazu bekennen, dass die globale Erderwärmung zwei Grad Celsius nicht überschreiten darf”.
Gabriel ergänzte: “Es ist notwendig, in Kopenhagen ein Abkommen zu erzielen, das auch wirksam ist. Dafür müssen die Emission der Treibhausgase im Vergleich zu 1990 weltweit, also in Industrie- und Entwicklungsländern, bis 2050 um mehr als 50 Prozent vermindert werden”. Um dieses Ziel zu erreichen, sei es nötig, dass die Industrieländer sich dazu bereit erklären, ihren Ausstoß an Klimagasen bis zum Jahr 2050 drastisch um 80 bis 95 Prozent zu verringern. Aber auch die Schwellen- und Entwicklungsländer wie China, Indien und Brasilien müssen gegenüber ihren bisherigen Wachstumspfaden ihre Treibhausgas-Emissionen um 15 bis 30 Prozent vermindern, so Gabriel. “Die Weltgemeinschaft muss aufhören, Mikado zu spielen. Die Entwicklung in Deutschland zeigt doch: Es ist keineswegs so, dass derjenige verliert, der sich zuerst bewegt.

Auch Germanwatch meint, dass die Staats- und Regierungschefs nun zeigen müssen, dass der politische Wille für mehr Klimaschutz vorhanden ist.

Im Entwurf des G8-Kommuniques wird das langfristige Ziel der Einhaltung des Zwei-Grad-Limits erstmals akzeptiert und bereits ein 80-prozentiges Reduktionsziel für 2050 angepeilt. Für die mittelfristigen Reduktionsziele bis 2020 und die Frage, wann der Höhepunkt der globalen Emissionen erreicht sein muss, treten die Gespräche jedoch noch auf der Stelle. Auch zeichnen sich noch keine Mehrheiten für den Vorschlag ab, den schnell wachsenden internationalen Flug- und Schiffverkehr mit einer Klimaschutzabgabe zu belegen. Dies wäre als Klimaschutz- und als Finanzierungsinstrument wichtig. Das Ergebnis von Kopenhagen wird maßgeblich davon abhängen, ob die Industrieländer genug Geld für Klima-, Wald-, Regenwaldschutz und Anpassung bereitstellen. Doch auch beim G8-Gipfel werden sie wohl nur erklären, dass sie ihren “fairen Anteil” dazu beitragen wollen.

Als Teil der Vertrauensbildung für den Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember ist es besonders wichtig, dass die Industrieländer jetzt zumindest alte Zusagen aus dem UN-Prozess erfüllen: Sie müssten alleine für die dringendsten Prioritäten der Anpassung an den Klimawandel in den ärmsten Entwicklungsländern etwa zwei Milliarden US-Dollar zusagen. Die Rede ist derzeit aber nur von 400 Millionen US-Dollar für den Klimaschutz, davon lediglich ein Teil für Anpassung. “Dies ist zu wenig um zu zeigen, dass die Industrieländer bereit sind, künftig in eine ganz andere Größenordnung der Finanzierung von Anpassung und Klimaschutz einzusteigen”, erklärt Sven Harmeling, Referent für Klima und Entwicklung bei Germanwatch.

Starke Klimaschutzziele für 2020 und finanzielle und technische Unterstützung für die Schwellenländer sind aber notwendig. “Nur dann kann man glaubhaft von den Schwellen- und Entwicklungsländern die notwendigen Zusagen für eigene Klimaschutzleistungen erwarten“, so Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch.

Eisberg als G8 Mahnung
16 Meter hoch ist der Eisberg, den Greenpeace-Aktivisten als Symbol für den fortschreitenden Klimawandel auf der Seine zu Wasser gelassen haben. – (c) Pierre Gleizes / Greenpeace

Greenpeace unterstrich seine Forderungen gestern mit einer Visualisierung, die sich insbesondere an den französischen Staatschef Sarkozy richtete.
Im Herzen von Paris, wenige Schritte vom Eiffelturm entfernt, ließen sie einen Pappmaché-Eisberg  auf der Seine treiben, um die G8-Teilnehmenden zu Führungsstärke in Sachen Klimaschutz zu mahnen. In der weltweiten Klima-Schieberei müssten laut Greenpeace die Hauptverursacher der Misere den ersten Schritt tun. Das sei ein Gebot der Gerechtigkeit und Fairness. “Die Entwicklungsländer warten bislang vergeblich auf ein klares Signal der Industriestaaten”, sagt Karine Gavand, Klimaexpertin von Greenpeace Frankreich, “ein Signal, dass sie ihren CO2-Ausstoß wirklich reduzieren und die ärmeren und verwundbarsten Länder unterstützen wollen.”
Gavand fordert den französischen Ministerpräsidenten Nicolas Sarkozy auf, seinen wohltönenden Worten endlich Taten folgen zu lassen.

Auch der WWF stellt sich hinter die Forderungen der genannten Organisationen und betont darüber hinaus die Dringlichkeit, den Technologietransfer voran zu treiben und die Schwellen- und Entwicklungsländer mit Ressourcen für Technologien wie Solarenergie, Energieeffizienz und Unwetter-Frühwarnsystemen zu unterstützen.

Greenpeace Deutschland, die das Thema Wüstenstrom bereits in der Vergangenheit intensiv nach vorne gebracht haben, legten Kanzlerin Merkel nahe, dieses auf die G8-Agenda zu setzen.
Angesichts des dramatischen Tempos der Klimaveränderung müsse es Ziel der Politik sein, “die globale Debatte um den weltweiten Klimaschutz mit neuen Ideen zu beleben”.

Das Wüstenstrom-Konzept ist eine der klügsten Antworten auf die globale Wirtschafts- und Klimakrise. Dies greift Greenpeace im Brief an Merkel nochmals auf.

Auch Professor Hans Joachim Schellnhuber unterstützt den Gedanken, das Wüstenstrom-Projekt Desertec zum Inhalt des G8-Gipfels zu machen. In einem lesenswerten Interview mit der Frankfurter Rundschau am gestrigen Dienstag warnt der weltweit renommierte Klimaforscher und Direktor der Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung vor gefährlichen Prozessen im Erdklima für den Fall, dass der G8-Gipfel keine Lösung bringen sollte.

Schellnhuber weist darauf hin, dass das Ende der Fahnenstange längst erreicht ist und ohne drastischere Senkung des  CO2-Ausstoßes die Katastrophen ökologisch wie ökonomisch vorprogrammiert sind.

“Die Natur hat uns nur einen begrenzten “Kohlenstoffkredit” eingeräumt – die globale Insolvenz rückt also mit jedem verlorenen Jahr näher. Mit der Atmosphäre kann man aber keine Stundungsverhandlungen führen.”

(Weitere Interview-Themen u.a.: Emissionshandel, USA-Klimapolitik und die Rolle der Schwellenländer)

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