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Endlich: Nike verzichtet auf Regenwaldleder

Montag 27. Juli 2009 von birdfish



Verbrannte Erde und Rinderfarmen prägen das Bild, wo einst der Regenwald stand.

Rinder auf frischer Regenwald-Brandrodung
Rinder auf frischer Regenwald-Brandrodung – (c) Daniel Beltra / Greenpeace

Grün wohin das Auge sieht, himmelhohe Bäume, exotische Pflanzen und mehr als 1.000 verschiedene Vogelarten, die mit einem aufregenden Gesangs-Potpourri neben dem Auge auch das Ohr verwöhnen. So sollte sich der Amazonas präsentieren. Stattdessen wird der Regenwald für kurzfristige Profite geopfert.

Von der Vernichtung des brasilianischen Regenwalds profitieren vor allem Fleisch- und Lederproduzenten. Der Sportschuhhersteller Nike hat nun die Notbremse gezogen. Er gab nun bekannt, auf Leder aus Urwaldzerstörung zu verzichten.

Anfang Juni hatte Greenpeace mit einer Studie belegt, wie die Rinderzucht den Amazonasregenwald buchstäblich auffrisst. Von diesem Wahnsinn profitieren Fleisch- und Lederproduzenten sowie deren Abnehmer. Konkret sind das große bekannte Marken wie Nike, Adidas, Reebok, Clarks, Geox oder Timberland. Bei Nike ist damit jetzt Schluss.

Mit der Änderung seiner Einkaufspolitik reagiert der Konzern auf die Ergebnisse des Greenpeace-Reports Slaughtering The Amazon. Zukünftig wird der Konzern nicht mehr von Lederproduzenten beliefert, die in Urwaldzerstörung, illegale Besetzung von Indigenenland und Sklavenhandlung verwickelt sind.

Gefahr für Mensch und Tier

Die Produktion von brasilianischen Rindern zieht weite Kreise. Im Amazonasgebiet leben über 20 Millionen Menschen. 200.000 davon sind Indigene, die 180 verschiedenen ethnischen Gruppen angehören. Für sie ist der Regenwald Zuhause, Supermarkt und Apotheke in einem. Er versorgt sie mit Nahrung, Werkzeug, Medizin und allem, was sie zum Leben benötigen. Mit dem Regenwald schwinden auch die Überlebenschancen dieser Menschen.

Daneben ist die Artenvielfalt in Gefahr. Das Amazonasbecken beherbergt den größten tropischen Regenwald der Erde und ist eines der artenreichsten Ökosysteme. Studien zufolge leben dort mehr als 5.000 Tier- und 40.000 Pflanzenarten. Doch das scheint nicht alles zu sein: Forscher gehen davon aus, dass es noch viele weitere Arten zu entdecken gibt – sofern die Rodung gestoppt wird.

Unmengen Rinder, unmenschliche Bedingungen

Seit 2003 darf sich Brasilien mit dem Titel des weltweit größten Rindfleisch-Exporteurs schmücken. Eine zweifelhafte Auszeichnung, werden die Auswirkungen bedacht. 40 Prozent aller brasilianischen Rinder grasen im Amazonasgebiet. Hier ist es besonders einfach, sich das Land billig und illegal anzueignen – deshalb ist dieses Gebiet für Rinderfarmer besonders interessant.

Auch lässt sich nicht damit argumentieren, dass die Menschen froh seien, einen Job zu haben. Der Ertrag der Rindfleisch- und lederproduktion fällt einigen Wenigen zu. Die Arbeiter werden oftmals nicht bezahlt. Es gibt hier den höchsten Anteil an Sklavenarbeitern in ganz Brasilien. Allein im Jahr 2008 wurden über 3.000 Sklaven auf Rinderfarmen befreit, 99 Prozent davon in Amazonien.

Das Klima leidet mit

Zugleich ist die Urwaldzerstörung für rund 75 Prozent der brasilianischen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Bis Juli 2008 wurden mit 74 Millionen Hektar bereits knapp 20 Prozent des Regenwaldes komplett vernichtet. Eine Fläche, die doppelt so groß wie ist Deutschland. Nach Schätzungen von Wissenschaftlern speichern die Wälder des Amazonasgebietes 80 bis 120 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Die Zerstörung des Waldes würde dem circa 400-fachen CO2-Jahresausstoß von Deutschland entsprechen.

Dies alles ist nicht so weit weg wie es scheint. Unsere Kleidung wird meist in China, Italien und Vietnam produziert. Eben dort, wohin das Leder aus der Zerstörung des Amazonasregenwaldes exportiert wird. Dort, wo große Schuhfirmen auch für den europäischen Markt produzieren. Wie bis vor kurzem noch Nike. Der Konzern sollte anderen ein Beispiel sein, findet Greenpeace-Waldexperte Oliver Salge.

“Nike macht das einzig Vernünftige und lehnt die Zerstörung des Amazonas schlicht ab. Andere Schuhhersteller wie Adidas, Clarks und Geox sollten sich daran ein Beispiel nehmen und für den Konsumenten nachvollziehbar sicherstellen, dass ihre Schuhe nicht die weitere Zerstörung des Amazonas fördern. Es wird endlich Zeit für eine Politik der Null-Entwaldung.”

Die Greenpeace-Studie über den Zusammenhang von Fleisch- und Lederproduktion und der Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes (PDF, 5 MB)

Auch Sie können in dieser Sache aktiv werden. Loggen Sie sich bei GreenAction ein und unterstützen Sie die Kampagne ‘Stoppt den Rinderwahn! Rettet Amazonien!’

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