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Klimawandel verschärft Lage in Afrika – massive Flüchtlingswelle nach Europa droht

Montag 3. August 2009 von birdfish



Das renommierte Millennium Institute aus Arlington (USA) beschreibt in seinem neuen Bericht, der am 1. August 2009 vorgestellt wurde, die zehn größten Herausforderungen für die Weltgemeinschaft.

Nahrungsmittelknappheit in Mali
Die Region Gao in Mali ist ständig in der Gefahr der Nahrungsmittelknappheit. – (c) Oxfam

An erster Stelle nennt der Bericht den Klimawandel und hierbei insbesondere die Folgen für Afrika. Vor Jahren warnte bereits der Weltklimarat (IPCC) vor den dramatischen Konsequenzen für den afrikanischen Kontinent, falls die Erwärmung wie erwartet zunimmt.

Aus dem Bundesumweltministerium nimmt Staatssekretär Michael Müller Stellung:
“Afrika ist das Armenhaus der Erde. In zahlreichen Ländern liegt die Lebenserwartung der Männer bei nur 40 Jahren oder darunter. Die Kindersterblichkeit ist die höchste auf der Welt. Die Geburtenrate liegt doppelt so hoch wie der Weltdurchschnitt. Afrika ist der einzige Kontinent, auf dem (mit Ausnahme der fünf nördlichen Länder) die Sozial- und Gesundheitsdaten auch in den letzten Jahren nach unten wiesen, obwohl die Wachstumsraten 5,5 Prozent pro Jahr erreichten. Die Verteilung ist extrem einseitig.

Der vergessene Kontinent ist der Verlierer des 20. Jahrhunderts. Ende der sechziger Jahre litten dort rund 60 Millionen Menschen an Hunger und Unterernährung. Heute sind es bereits 230 Millionen Afrikanerinnen und Afrikaner. Insgesamt werden in Afrika 380 Millionen Arme gezählt. Statistisch hatten sie 2005 nur 50 Cent pro Jahr zur Verfügung. Die Wirtschaftskrise trifft vor allem Schwarzafrika besonders hart. Dort bündeln sich wie in einem Brennglas die Folgen der Ungleichheit und des Klimawandels.

Ein durchschnittlicher Anstieg um zwei Grad Celsius gegenüber 1990 wird noch in diesem Jahrhundert in weiten Bereichen Afrikas erwartet. Er ist verbunden mit einer Halbierung der Ernteerträge. Afrika droht eine unvorstellbare Katastrophe und der Welt in der Folge eine gewaltige Flüchtlingswelle. BR>

Die Wüstenbildung nimmt rasant weiter zu, die grüne Welle, also die Ausbreitung des Regens vom Äquator, zieht sich seit den sechziger Jahren Jahr für Jahr stärker nach Süden zurück. Zugleich wird in Zentralafrika der Urwald im großen Umfang abgeholzt. Naturschätze und Rohstoffe vieler Länder sind Objekt der Begierde großer Staaten, insbesondere Edelmetalle und mineralische Ressourcen. Afrika ist von einem neuen, von einem ökologischen Kolonialismus bedroht.

Deshalb ist es gut, dass die G 8 in Heiligendamm 2007 den Blick stärker auf Afrika gerichtet hat. Doch es muss weit mehr geschehen. Im italienischen L’Aquila wurden die Zusagen erneuert. Zahlreiche Gespräche mit afrikanischen Wissenschaftlern, Mitarbeitern des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) sowie Politikern beiderlei Geschlechts geben jedoch ein ernüchterndes Bild ab.

Dürre entzieht Lebensgrundlage
Seit Jahren fällt kaum Regen in Afar, Äthiopien. Das einst fruchtbare Land hat sich in eine karge Wüste verwandelt – die Menschen finden weder Weideflächen noch ausreichend Wasser für ihre Viehherden. Viele haben in der Dürre alles Vieh verloren. Lebensmittel werden knapp – und wegen der hohen Preise unerschwinglich. – (c) Nick Danziger / Oxfam

Natürlich müssen sich auch die Afrikanerinnen und Afrikaner selbst weitaus mehr um den Schutz der Natur, um mehr Gerechtigkeit und um eine selbst tragende wirtschaftliche Entwicklung bemühen. Afrika muss mit Korruption und Unterdrückung aufräumen. Internationale Firmen dürfen sich nicht länger wie Kraken aufführen.
Aber dafür brauchen die Menschen dort auch die Freiheit, einen eigenständigen Weg gehen zu können.

Tatsache ist, dass die Afrikaner die Hauptbetroffenen des vom Menschen verursachten Klimawandels sind, obwohl sie selbst nur wenig dazu beigetragen haben. Heute ist Afrika der Testfall für globale Verantwortung.
Klimaschutz ist kein Selbstzweck. Er ist die Voraussetzung, dass die Menschheit nicht ins Unglück stürzt. Vor allem die Europäerinnen und Europäer werden massiv betroffen sein, wenn es, wie absehbar, zu massiven Flüchtlingsbewegungen kommt. Die Frontex, die europäische Polizei zur Verhinderung einer großen Flüchtlingswelle, kann dagegen nichts ausrichten. Zumal sie die Probleme nicht an den Wurzeln anpackt. Auch deshalb muss die Klimakonferenz in Kopenhagen ein Erfolg werden. Es gilt, künftige Klimakriege zu vermeiden.”

Website des Millennium Institute aus Arlington über die zehn größten Herausforderungen der Welt (engl.)

Der Oxfam-Bericht „The Right to Survive“ (= ab 2015 jährlich 375 Mio. Hilfsbedürftige wg. Klimawandels) (engl., PDF)

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2 Kommentare über “Klimawandel verschärft Lage in Afrika – massive Flüchtlingswelle nach Europa droht”

  1. Heinz Pütter schrieb:

    Selbst wenn wir die Schwelle zum umkehrbaren Klimawandel schon überschritten haben, werden Ausmaß und Tempo der Veränderungen noch immer davon beeinflusst, was wir in nächster Zukunft tun. Vielleicht aber auch davon, was die Erde tut. Denn ihre Regelkreise und Mechanismen, von denen erst ein winziger Teil erforscht ist, lassen vermuten, dass hinter allem eine überragende Intelligenz steckt. Eine ordnende Kraft, die weit über den Rahmen des menschlichen Ermessens und Berechnens hinausgeht!
    Quellentext: P.M. 3/2008 Fragen&Antworten

    Wir sind uns vieles nicht mehr bewusst! Ist die Erde intelligenter als wir?
    Sie hat 30 schwere Katastrophen überlebt. Warum?
    Die Erde ist ein lebender Organismus, der sich selbst heilen kann.

    Die Erde wird sich am Ende selbst heilen!!!

    Das Milliarden von Menschen die Naturereignisse die dann auf uns zukommen nicht überleben werden ist uns immer noch nicht bewusst.

    Weltweit sind jetzt schon 434 Millionen Menschen von Wasserknappheit bedroht. Landflucht, Umweltzerstörung und Klimawandel könnten auch das Hungerproblem verschlimmern. Schon jetzt haben mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit nicht genügend zu essen.

    Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Erde und ihren Menschen und Ökosystemen muss als viel mehr als nur als Klimamanagement verstanden werden. Auch wird sich die Einsicht durchsetzen, dass Erdmanagement zwar naturwissenschaftliches Wissen zur Entscheidungsfindung nötig hat. In einer multikulturellen Welt aber ist kultur- und sozialwissenschaftliches Wissen genauso vonnöten – vielleicht sogar letztlich entscheidend, um eine nachhaltige und friedliche gesellschaftliche Entwicklungen zu ermöglichen.

  2. Heinz Pütter schrieb:

    Die Vereinten Nationen schlagen Alarm: Die Dürre in Somalia und anderen ostafrikanischen Ländern sei die “schlimmste Katastrophe” weltweit. “Noch nie habe ich in einem Flüchtlingscamp so verzweifelte Menschen gesehen”, sagt der UNHCR-Chef. Zwölf Millionen Menschen brauchen dringend Hilfe.
    Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,773657,00.html

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