KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Nachlese zu den Bonner Vorverhandlungen: Angst vor einem Misserfolg in Kopenhagen

Dienstag 18. August 2009 von birdfish



Die erste Einschätzung zum Ausgang der Bonner Vorverhandlungen lag uns Ende vergangener Woche von Germanwatch vor.

Zuviel CO2 durch Kohlekraftwerke
Der CO2-Ausstoß muss noch deutlicher gesenkt werden. Kohlekraftwerk Neurath – (c) Rolf van Melis / Pixelio

Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch äußerte die Befürchtung, dass der Stand der Klimaverhandlungen nicht einmal das allgemein gesetzte Minimalziel: die Verwirklichung der 2-Grad-Marke erlauben würde.

Andere Organisationen sahen das ähnlich. So konstatierte Antje von Broock, BUND-Expertin für Internationale Klimapolitik:  “Die Klimaverhandlungen kommen nicht in Fahrt, obwohl die Zeit drängt. Die Industriestaaten haben immer noch keine angemessenen CO2-Reduktionsziele auf den Tisch gelegt. Nach dem jetzigen Verhandlungsstand kommen gerade mal 13 bis 20 Prozent CO2-Reduktion bis 2020 zusammen. 40 Prozent sind jedoch für den weltweiten Klimaschutz notwendig. Deutschland muss sich innerhalb der EU dafür einsetzten, das erklärte EU-Ziel von 30 auf 40 Prozent CO2-Reduktion zu erhöhen. Damit würde der Druck auf die anderen Industriestaaten steigen, nachzuziehen.

Auf Grund der monatelangen Hinhaltetaktik der Industriestaaten bei Emissionsminderungs- und Finanzzusagen kam es in Bonn beinahe zum völligen Stillstand. Dass die Entwicklungsländer überhaupt noch bereit sind weiterzuverhandeln, ist Ausdruck ihrer großen Notlage. Der Klimawandel trifft die ärmsten Länder am härtesten. Sie sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Doch statt Angebote zu machen, fordern die Industriestaaten Maßnahmenpläne und Umsetzungszusagen für CO2-Reduktionen. Die Entwicklungsländer sind in keiner Bringschuld. Ihnen muss ein fairer Ausgleich dafür gezahlt werden, was die Industrienationen durch ihren energieintensiven Lebensstil verursacht haben.”

Auch der WWF moniert die Trägheit der Entscheiderinnen und Entscheider am Verhandlungstisch. “Die Delegierten haben kleine Schritte nach vorne gemacht, aber wenn es in der Geschwindigkeit weiter geht, wird in Kopenhagen kein ambitioniertes Klimaabkommen erreicht”, erklärt Kathrin Gutmann, Klimaexpertin des WWF in Bonn. “Es wurde lange über Formalitäten und Prozessabläufe diskutiert, anstatt die Initiative zu ergreifen.

Greenpeace ist konsterniert darüber, dass es in den Gesprächen selbst jetzt noch ein Fortkommen gibt, wo doch der Weltklimarat in seinem jüngsten Sachstandsbericht berechnet hat, dass zum Abwenden der schlimmsten Folgen des Klimawandels die Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur unbedingt auf zwei Grad beschränkt werden müsse.

Yvo de Boer, der Generalsekretär der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), bringt die Ergebnisse der UN-Klimagespräche in Bonn in einer 3-minütigen Rede auf den Punkt. Er macht auf den Ernst der Lage aufmerksam und äußert offen seine Befürchtungen darüber, dass der UN-Klimagipfel in Kopenhagen scheitern könnte für den Fall, dass die Gespräche in der zur Zeit praktizierten Geschwindigkeit fortgesetzt würde. De Boer macht klar, dass es schon eines tragfähigen Verhandlungsergebnises in Kopenhagen bedarf, wenn man verhindern will, dass der Klimawandel außer Kontrolle gerät.

Hier sein drei minütiger Wortbeitrag:

Nun hofft die Welt auf die Verhandlungen im September in Bangkok und im November in Barcelona. Dann muss es endlich werden. Sonst kann man die Chancen für ein erfolgreiches Klimaabkommen in Kopenhagen abschreiben.

Klimabündnis der am stärksten Betroffenen

Die Inselstaaten sowie die ärmsten Länder der Welt schlossen sich am Rande der Verhandlungen zu einem Bündnis zusammen. Für sie sind 0,7 Grad Erwärmung bereits bittere Realität, die Auswirkungen zeigt.  Zwei Grad ist für diese Staaten ein nicht hinnehmbares Ziel. Gemeinsam kämpfen sie für die Herabsetzung der weltweiten Vereinbarung um 0,5 Grad auf insg. maximal 1,5 Grad.

Interview mit WDR-Umwelt-Experte Detlef Reepen – “Klimakonferenz in Bonn ein Desaster”

Deutsche Welle: “Von der Klimakonferenz enttäuscht” – die Entwicklungsländer.

Schlagworte:
, , , , , , , , , , , , , ,

Verwandte Artikel

Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 18. August 2009. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Ein Kommentar über “Nachlese zu den Bonner Vorverhandlungen: Angst vor einem Misserfolg in Kopenhagen”

  1. birdfish schrieb:

    “China nennt erstmals konkrete Klimaschutzziele”
    in: Spiegel online, 18.08.09

    “China hat sich bisher geweigert, verbindlichen Vorgaben zur Reduzierung des Treibhausgasausstoßes zuzustimmen. Doch nun hat ein staatliches Expertengremium erstmals konkrete Klimaziele genannt. Demnach sollen die CO2-Emissionen in dem Land ihr Maximum im Jahr 2030 erreichen. [...]”

    http://tinyurl.com/klimaziel-china

Kommentar schreiben