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Nationaler Entwicklungsplan Elektromobilität wurde vom Bundeskabinett beschlossen

Donnerstag 20. August 2009 von birdfish



Der “Nationale Entwicklungsplan Elektromobilität” wurde gestern vom Bundeskabinett auf den Weg gebracht.

Elektromobilität
Förderung der Elektromobilität muss gut überlegt sein – (c) Jürgen Matijevic / WWF

Um den Wandel zur Elektromobilität zu unterstützen, investiert die Bundesregierung im Zeitraum von 2005 bis 2013 mehr als 700 Millionen Euro. Darin enthalten sind 500 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II. Das Forschungsministerium will allein in die Batterieforschung 170 Millionen Euro stecken.

Forschungsministerin Schavan sieht vor der breiten Einführung von Elektrofahrzeugen in den Markt noch wesentliche technologische Hürden. Es reiche nicht, in einem herkömmlichen Fahrzeug den Tank durch eine Batterie und den Verbrennungsmotor durch einen Elektromotor zu ersetzen. Schavan: “Wir müssen das Auto neu denken! Wir brauchen völlig neue Fahrzeugkonzepte mit einer alternativen Tank-Infrastruktur. Und wir brauchen marktfähige Batterien. Forschung und Entwicklung werden hier noch stärker zusammen arbeiten, um Deutschland elektromobil zu machen.”

Der WWF begrüßt den Entwicklungsplan Elektromobilität, fordert jedoch Nachbesserungen bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen. Wenn Elektrofahrzeuge einen ambitionierten Beitrag zum Klimaschutz leisten sollen, muss ihre Markteinführung an den Ausbau der Erneuerbaren Energien über die jetzigen Ziele hinaus gebunden werden. Im derzeitigen Entwicklungsplan fehlt eine derartige Festlegung jedoch. Hier muss die nächste Bundesregierung nacharbeiten und sich zum zusätzlichen Ausbau Erneuerbarer Energien verbindlich bekennen.

Der WWF kritisiert auch, dass der Entwicklungsplan keine wirksamen Anreize für den Kauf von Elektrofahrzeugen setzt und ein Markteinführungsprogramm erst 2011 überhaupt prüfen will. „Deutschland soll zum Leitmarkt für Elektromobilität werden, aber die Bundesregierung möchte keine Kaufanreize für diesen Leitmarkt setzen. Damit fahren wir anderen Ländern hinterher, die statt auf die Abwrackprämie auf die Förderung effizienter und elektrischer Fahrzeuge gesetzt haben“, erklärt Viviane Raddatz, Verkehrsexpertin des WWF.

„Elektrofahrzeuge können unter den richtigen Rahmenbedingungen fast CO2-frei fahren, wenn in den Batterien sauberer Strom aus zusätzlichen Erneuerbaren Energiequellen steckt“, so Viviane Raddatz. Strom aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken ließe Elektrofahrzeuge nicht besser dastehen als Benzin- und Dieselfahrzeuge. Die realen CO2-Emissionen der Elektrofahrzeuge hängen im Wesentlichen von den politischen Rahmenbedingungen ab und davon welche Art von Kraftwerk den zusätzlich benötigten Strom produziert. So dürfe beispielsweise die Höchstgrenze im Emissionshandel durch die Einführung von Elektromobilität nicht angehoben werden.

Der WWF sieht in der Elektromobilität einen potentiell wichtigen Baustein eines CO2-freien Verkehrssystems,  insbesondere in Perspektive auf 2050. Der Klimaschutzbeitrag der von der Bundesregierung angestrebten Flotte von 1 Million  Elektroautos bis 2020 sei dabei nur ein erster Schritt: die Einsparung betrüge ungefähr 1% der Pkw-Emissionen. „Wenn Elektromobilität auf lange Sicht ein Eckpfeiler einer erfolgreichen Klimaschutzstrategie werden soll, müssen auch die Rahmenbedingungen für die übrigen Verkehrsträger stimmen“, so Viviane Raddatz. Für den WWF bedeutet dies vor allem stärkere Effizienzanstrengungen auch bei konventionellen Fahrzeugen sowie die sukzessive Umstellung aller elektrisch betriebenen Verkehrsmittel auf Erneuerbare Energien.

Die Website zum Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität

Hier nimmt Bundesumweltminister Gabriel zu den Kritikpunkten der Förderung im ARD-Morgenmagazin Stellung (Video)

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Ein Kommentar über “Nationaler Entwicklungsplan Elektromobilität wurde vom Bundeskabinett beschlossen”

  1. Hamburg Goes Green schrieb:

    Bereits in den nächsten Jahrzehnten wird die politische und wirtschaftliche Stabilität der Weltgemeinschaft gefährdet sein. Selbst wenn die Nachfrage nach Öl auf dem gegenwärtigen Niveau bleibt, wird die Welt die Liefermenge von vier mal Saudi-Arabien zur Aufrechterhaltung der Produktion und die Liefermenge von sechs mal Saudi Arabien benötigen, um die erwartete Nachfrage bis 2030 zu befriedigen. Für die Weltgemeinschaft sind zwei Probleme von existenzieller Bedeutung: Eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung und das bei niedrigem CO2-Ausstoß. Sinkende Energieressourcen und der Klimawandel sind zwei Seiten derselben Medaille, daher ist das Ziel von Hamburg Goes Green die bezahlbare Mobilität auf elektrischer Basis und die preiswerte Versorgung mit erneuerbaren Energien.

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