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Klimaschutz: Atomkraft ist keine Alternative – Das Öko-Institut beleuchtet die Argumente

Freitag 4. September 2009 von birdfish



Kernkraft als Klimaretter? Das Öko-Institut positioniert sich in der aktuellen Debatte: In der Broschüre „Streitpunkt Kernenergie“ werden die Argumente im Streit um die Rückkehr zur Atomenergie beleuchtet.

Französisches Atomkraftwerk
Alternativen zur Atomkraft sind weltweit ohne Klimazieleinbußen möglich – (c) Gabi Schoenemann / Pixelio

Die Publikation – finanziert von der Stiftung Zukunftserbe – richtet sich an Fachexperten, Politiker, Journalisten und andere Interessierte.

Angesichts von Klimawandel und Ressourcenknappheit gibt es weltweit eine  neue Diskussion um die Zukunft der Kernenergie: Kann Atomkraft fossile  Energieträger ersetzen und  CO2-Emissionen einsparen? Stehen wir vor einer  Renaissance der Kernenergie? Frankreich und Finnland bauen neue  Kernkraftwerke (KKW), die USA und Großbritannien planen welche. Auch in  Deutschland verschärft sich vor der Bundestagswahl die Debatte: Atomlobby  und CDU fordern verlängerte Laufzeiten für KKWs. Nur so ließen sich  Klimaschutzziele und Versorgungssicherheit langfristig gewährleisten. Die  Wissenschaftler des Öko-Instituts kommen zu einem anderen Ergebnis „Wir  haben unsere wichtigsten Studien zusammengefasst und mit neuen Fakten und  Zahlen untermauert“, sagt Dr. Christoph Pistner, einer der Autoren. „Die  Broschüre belegt wissenschaftlich fundiert, dass die Atomenergie vor  ungelösten Problemen steht. Die vermeintlich neuen Argumente der  Kernenergiebefürworter erweisen sich als leere Versprechen.“

Atomkraft: Kein Klimaretter

Das Resümee der Publikation: Atomenergie kann nur einen geringen Beitrag zum  Klimaschutz leisten. Weltweit wird mit Kernenergie rund 15 Prozent des  Strombedarfs produziert, insgesamt rund sechs Prozent des globalen  Primärenergie-Verbrauchs. „Nur wenn die bestehenden 436 Atommeiler auf 1000  bis 1500 neue Anlagen ausgebaut würden, könnte Kernenergie überhaupt eine  wichtige Rolle beim Klimaschutz spielen“, betont der Kernenergie-Experte aus  dem Öko-Institut Dr. Christoph Pistner. Doch die Uranreserven sind begrenzt:  Bei einer Verdopplung der Nuklearkapazitäten in den nächsten 40 Jahren wären  die Uranvorräte bald erschöpft. Zudem stehen den Ausbauszenarien erhebliche  ökologische, sicherheitspolitische und wirtschaftliche Bedenken entgegen.

Risikofaktor Kernenergie

Philippsburg, Brunsbüttel, Forsmark, Bärsebeck – auch nach dem Super-Gau in  Tschernobyl wurden immer wieder gefährliche Störfälle und Sicherheitsmängel  gemeldet. Die Broschüre zeigt, dass auch heute noch die Sicherheit der  Kernkraftwerke nicht garantiert werden kann. Der Schwachpunkt von KKWs liegt  in ihrer hohen Komplexität. Menschliche Fehler bei der Bedienung lassen sich  nicht ausschließen. Auch fehlt weltweit eine gesellschaftlich akzeptierte  Lösung zur Entsorgung des Atommülls. Weitere Sicherheitsbedenken kommen  hinzu: Atomanlagen sind potenzielle Terror-Anschlagsziele, ein Ausbau der  zivilen Kernenergie könnte die Verbreitung von kernwaffenfähiger Technik und  Material erhöhen und damit internationale Spannungen verstärken.

Kernkraft ist nicht klimaneutral

Anders als manche Experten behaupten, ist Kernenergie keine CO2-freie  Technologie. Wer den gesamten Lebenszyklus von KKWs betrachtet – vom  Uranabbau über die Anreicherung bis hin zur Endlagerung – stellt fest, dass  auch bei der Produktion von Atomstrom CO2 freigesetzt wird. Fazit der  Broschüre: Mit Strom aus regenerativen Energiequellen lässt sich genauso  viel oder mehr CO2 einsparen wie mit Atomstrom.

Kernkraft lohnt sich nicht

Die Atomlobby behauptet: Ohne Rückkehr zur Kernenergie seien die Klimaziele  nicht wirtschaftlich zu erreichen. Die Wissenschaftler des Öko-Instituts  machen eine andere Rechnung auf: Neue Kernkraftwerke erfordern hohe  Anfangsinvestitionen. Die Amortisationszeiträume sind sehr lange und es ist  oft unsicher, ob sich die Investitionen überhaupt auszahlen. Ob  Kernkraftwerke heute auch ohne Staatshilfen rentabel sind, ist fragwürdig.  Das zeigt das Beispiel Südafrika: Dort wurden wegen der hohen Kosten und der  unkalkulierbaren Risiken Neubauvorhaben gestoppt.

Auf die richtigen Alternativen setzen!

Die Wissenschaftler des Öko-Instituts halten verlängerte KKW-Laufzeiten für  die falsche Lösung. Angesichts der Tatsache, dass in Deutschland der  Primärenergieverbrauch zu 80 Prozent durch fossile Energieträger gedeckt  wird, fordern sie stattdessen verstärkte Energiesparmaßnahmen und einen  raschen Ausbau regenerativer Energien. Auch weltweit ließen sich aus ihrer  Sicht die Klimaschutzziele selbst dann erreichen, wenn alle Staaten auf die  Kernenergie verzichten. „Wir haben bessere Alternativen als die Kernenergie  um unsere ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen, vorausgesetzt der politische  Wille dafür ist vorhanden“, fasst Dr. Pistner die Ergebnisse zusammen.

Hier finden Sie das komplette Papier “Streitpunkt Kernenergie – Eine neue Debatte über alte Probleme” als PDF

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Ein Kommentar über “Klimaschutz: Atomkraft ist keine Alternative – Das Öko-Institut beleuchtet die Argumente”

  1. Musiker-Board schrieb:

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