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Massenhafte Monokultur von Zuckerrohr für Ethanol zerstört Savanne und Regenwälder

Dienstag 15. September 2009 von birdfish



Der Ölkonzern BP, der in Deutschland mit den drei Marken BP, Aral und Castrol vertreten ist, beabsichtigt vier Milliarden Euro in Brasilien investieren, um aus Zuckerrohr Ethanol zu produzieren.

Zuckerrohr
Streitpunkt Zuckerrohr – (c) Robert Brenner

Die erste Ethanolfabrik wurde bereits im vergangenen Jahr in Betrieb genommen, eine zweite befindet sich in Planung. Mit Ethanol lässt sich zurzeit viel Geld verdienen. Es wird Autokraftstoffen beigemischt, um als vermeintlicher „Bio-Sprit“ die Klimabilanz zu schönen. Die dafür benötigten riesigen Zuckerrohrmonokulturen zerstören in Brasilien die Savannen des Cerrado und die Regenwälder.

Mit den Chancen und Risiken der Ethanolherstellung in Brasilien hat sich in der Vergangenheit auch Germanwatch beschäftigt und kam zu dem Schluss, dass gerade auch der Aspekt, ob ein Einstieg in die Ethanolerzeugung mit Gewinn auch die Situation der armen Menschen in diesem Land verbessert und nicht nur große Unternehmen diesen Gewinn einfahren, besonders fraglich sei. “Das Beispiel Brasilien zeigt deutlich, dass es sowohl Verbesserungen der Schwachpunkte im Bezug auf ökologische und soziale Nachhaltigkeit gibt, viele Kritikpunkte in bestimmten Regionen des Landes aber auch aufrechterhalten werden können. Besonders der immense Flächenverbrauch für Ethanol aus Zuckerrohr ist einer der Problempunkte, für den sich noch keine angemessene Lösung findet. Die Konkurrenz zum Nahrungsmittelanbau in Ländern, die zu wenig Nahrungsmittel für ihre Bevölkerung haben, ist nicht zu befürworten.” so heißt es bei Germanwatch.

Die Folgen des Agrosprits sind in Brasilien besonders deutlich sichtbar: Das Land versteht sich laut Präsident Lula da Silva als „grünes Saudi Arabien des Südens“. Hier sollen Unternehmen ideale Bedingungen finden, um in riesige Monokulturen und Industrieanlagen für Pflanzenenergie vom Acker zu investieren. Leidtragende sind die Regenwälder, kostbaren Wasserressourcen, Böden und die Einwohner, deren Lebensgrundlagen entzogen werden. Und das alles unter dem Deckmäntelchen des Klimaschutzes durch „Bio-Sprit“.

Im Bundesstaat Goiás südwestlich der Hauptstadt Brasilia steht Tropical Bioenergia, BPs brasilianische Neuerwerbung. Der mitten im Herzen der Cerrado-Savanne im Bundesstaat Goiás ansässige Industriekomplex nahm im September vergangenen Jahres den Betrieb auf. Nun schießen dort die Zuckerrohrplantagen wie Pilze aus dem Boden – vor allem auf Kosten der Nahrungsmittelproduktion. Während die Front der Rinderzüchter und Sojafarmer weiter nach Norden in die Cerrado-Savanne und Regenwaldgebiete getrieben wurde, dehnt sich die grüne Zuckerrohrwüste in Goiás bereits auf 458.000 Hektar aus. Etwa 60.000 Hektar davon gehen auf das Konto von BPs Ethanolraffinerie. Ein Ende des Verdrängungsprozesses ist nicht in Sicht.

Die Lobbyarbeit von BP ist in vollem Gange: In den USA macht sich der Konzern dafür stark, die bisher geltenden Importzölle für brasilianisches Ethanol aufzuheben. Auch in Europa soll Ethanol leichter eingeführt werden. Der Verband der brasilianischen Zuckerrohrindustrie UNICA rennt seit Jahren die Türen von EU-Kommission und EU-Parlament ein, um der vermeintlich süßen Energie den Weg auf den Kontinent zu ebnen. Ihr Werben hat Erfolg: Im Mai 2008 hatte Bundeskanzlerin Merkel feierlich in Brasilien das deutsch-brasilianische Energieabkommen unterzeichnet. Wider besseren Wissens erliegen deutsche Politiker dem populistischen Reiz des Agrosprits.

Gas geben mit Sprit vom Acker – dafür rührt BP kräftig die Werbetrommel und preist sich als Klimaschützer. In Deutschland, wo BP 2.400 Aral-Tankstellen und die Marke Castrol betreibt, wird Ethanol dem verkauften Benzin für Autos beigemischt. Das schönt die heimische Klimabilanz, doch für Ethanol gehen die brasilianische Cerrado-Savanne und Regenwälder in Flammen auf, getreu des Jubiläumsmottos von BP: 100 Jahre Betrieb an den letzten Fronten.

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Ein Kommentar über “Massenhafte Monokultur von Zuckerrohr für Ethanol zerstört Savanne und Regenwälder”

  1. www.reset.to schrieb:

    Der klima-media Beitrag wurde von RESET verlinkt

    [...] Massenhafte Monokultur von Zuckerrohr für Ethanol zerstört Savanne und Regenwälder – von: xamboli   ( Alle Beiträge )Veröffentlicht: 16. September 2009 – 12:57
    Quelle: http://klima-media.de Der Ölkonzern BP, der in Deutschland mit den drei Marken BP, Aral und Castrol vertreten ist, [...]

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