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Geheimplan: CDU will neue Atomkraftwerke – Atomstudie schon in Auftrag gegeben

Donnerstag 17. September 2009 von birdfish



Geahnt hat man es schon lange, dass eine konservative Mehrheit munter weiter Atomkraftwerke bauen würde.

Atomkraft
(c) S. Hofschlaeger / Pixelio

Hat doch nicht zuletzt Bundeskanzlerin Merkel am 15.06.2009 geäußert: “Wenn ich sehe, wie viele Kernkraftwerke weltweit gebaut werden, wäre es jammerschade, wenn Deutschland aussteigen würde.”
Jetzt, vor der Wahl, war davon nicht mehr die Rede. Doch nun ist ein Papier aufgetaucht, das belegt, dass die CDU sehr wohl nicht nur die Verlängerung der Laufzeiten in Erwägung zieht sondern sogar den Neubau von Atomkraftwerken.

Bundesumweltminister Gabriel dazu: “Offensichtlich spielt die Atomkraft in den Planungen der Union insgeheim eine größere Rolle als bisher immer behauptet. Während Frau Merkel offiziell von der Atomkraft als ‘Brückentechnologie’ für den Übergang zu den Erneuerbaren Energien spricht, lässt sie zu, dass ihre Forschungsministerin und Stellvertreterin im Parteivorsitz Gutachten in Auftrag gibt, die schon mal den Neubau von Atomreaktoren untersuchen. Das ist im übrigen genau das, was der hessische Ministerpräsident seit langem fordert.”

Der CDU-Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Günther Oettinger, machte übrigens aus der Planung noch weniger ein Geheimnis. So sagte er am 16.06.2009 frei heraus: “Es müssen die Rahmenbedingungen für den Neubau von Kraftwerken verbessert werden, damit Kraftwerke in Deutschland gebaut werden: Egal ob für Wind oder Wasser, für Biomasse oder Sonne, für Kohle mit CCS oder für Kernenergie der neuen Generation.”

SPD und Grüne sind über die neue Studie mehr als empört. Gabriel fordert: “Die Bundeskanzlerin muss Klarheit schaffen, und die Bundesregierung muss ehrlich bleiben. Entweder die Regierung meint ernst, was sie jetzt zum Ausbau der Offshore-Windenergie beschlossen hat. Dann muss auch für die nötigen Investitionen ins Netz gesorgt werden und dafür, dass der Strom von der Küste zu den Verbrauchern transportiert wird. Oder es werden Laufzeiten für bestehende Atomkraftwerke verlängert und sogar neue Reaktoren gebaut. Das wäre das Aus für den Ausbau der Windenergie vor der Küste und die Schaffung von mehr als 30.000 Arbeitsplätzen in der Küstenregion. Mehr Atomkraft ergibt mehr Atomkraft, aber nicht mehr Windkraft.”

Jürgen Trittin, Grüner Spitzenkandidat, ist entsetzt, wie die Bundeskanzlerin agiert hat. Er sagte: “Jetzt ist es raus: Frau Merkel hat die Öffentlichkeit hinters Licht geführt. Sie hat gesagt, dass sie die Atomkraft nur als Brückentechnologie nutzen wolle. Dafür wollte sie die Laufzeiten um Jahre verlängern und damit die Atommüllmengen vergrößern. Das würde Milliarden in die Kassen der großen Energiekonzerne spülen.”

Die Reaktion von Trittin sehen Sie im folgenden Film:

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2 Kommentare über “Geheimplan: CDU will neue Atomkraftwerke – Atomstudie schon in Auftrag gegeben”

  1. birdfish schrieb:

    “Ein Neubau von AKW in Deutschland gilt selbst bei den Energiekonzernen wegen des zu erwartenden Widerstands als kaum durchsetzbar.”

    So im Artikel der Nachrichtenagentur Reuters

  2. birdfish schrieb:

    Unter dem Titel “Schavans naive Geheimnistuerei” beleuchtet SPIEGEL online die Studie, die Geheimhaltung durch die Forschungsministerin und die Überlegung, ob die Studie nur ein vervollständigender Vergleich möglicher Energieformen ist oder zum Skandal taugt.

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