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UN-Klimagipfel beginnt heute in New York – wichtige Impulse für Kopenhagen erwartet

Dienstag 22. September 2009 von birdfish



Bundesumweltminister Sigmar Gabriel ist nach New York gereist, wo heute der Klimagipfel der Vereinten Nationen beginnt.

Klimafolgen schon heute Realität
Dürre in Mali: schon heute müssen Menschen mit den Folgen des Klimawandels leben – (c) Oxfam

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat die Staats- und Regierungschefs zu diesem Treffen eingeladen, um die ins Stocken geratenen Klimaverhandlungen voranzubringen. Gabriel vertritt hier die Bundeskanzlerin.

“Die internationalen Klimaverhandlungen brauchen dringend einen politischen Impuls, um voranzukommen”, sagte Gabriel vor seiner Abreise. “Die Angebote der Industrie- und Entwicklungsländer vor der internationalen Klimakonferenz in Kopenhagen reichen bisher noch nicht aus, um die schlimmsten Klimafolgen zu vermeiden und Klimasicherheit zu gewährleisten. Ich erwarte, dass der Gipfel in New York diesen politischen Impuls geben wird.”

Die Staats- und Regierungschefs sollten in New York klarstellen, dass sie persönlich für den erfolgreichen Abschluss der Klimaverhandlungen in Kopenhagen einstehen, so Gabriel weiter. Die Industrieländer müssten sich zu einer konsequenten Minderung der Treibhausgase verpflichten. “Es geht darum, dass wir jetzt umsteuern. Deshalb brauchen wir ambitionierte Mittelfristziele der Industrieländer. Insbesondere die USA und Russland sollten ihre Angebote nachbessern.”

Andererseits müssten die Entwicklungsländer, insbesondere die großen Schwellenländer, erklären, welche Beiträge zur Minderung der Treibhausgase bis 2020 sie aus eigener Kraft leisten können. Gleichzeitig sollten sie erklären, welche weitergehenden Minderungsmaßnahmen sie ergreifen würden, wenn deren Finanzierung sichergestellt wird.

Gabriel: “Klar ist: Wird nicht schnell und energisch genug umgesteuert, wird es zu gravierenden Veränderungen des Weltklimas kommen. Statt einer Spirale der Verantwortungslosigkeit müssen wir eine Kaskade der Verantwortung organisieren. Um ein Abkommen zu erlangen, das fair und akzeptabel ist und die drastischsten Folgen des Klimawandels verhindert, müssen alle – Industrie- und Entwicklungsländer – ihre Angebote zu Minderung und Finanzierung nachbessern und handfest machen.”

Auch Oxfam hat dem Umweltminister ins Heft geschrieben, sich verstärkt für die Unterstützung der besonders betroffenen Entwicklungsländer einzusetzen.

“Sigmar Gabriel sollte auf dem UN-Gipfel ein Ende der Blockade durch die Industrieländer beim weltweiten Klimaschutz einfordern”, so Jan Kowalzig, Klima-Experte bei Oxfam Deutschland. “Der Gipfel ist eine der letzten Gelegenheiten, ausreichend politischen Willen in die festgefahrenen Klima-Verhandlungen zu bringen, damit auf der Weltklimakonferenz in Kopenhagen im Dezember ein umfassendes weltweites Klima-Abkommen verabschiedet werden kann.”, sagt Kowalzig. Scheitere Kopenhagen, so Oxfam, hätte das dramatische Konsequenzen vor allem für die Entwicklungsländer, wo schon heute der Klimawandel zu Ernteausfällen infolge von Trockenheit und Überschwemmungen führt sowie Armut und Hunger zunehmen.

Oxfam befürchtet, dass der New Yorker Gipfel zu geringe Fortschritte bringen könnte. “Hinter schönen Reden verstecken die Industrieländer die grundsätzliche Weigerung, ihren fairen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz zu leisten. Außerdem drücken sich die reichen Länder bisher um ihre Verantwortung, die armen Länder bei der klimafreundlichen Entwicklung und bei der Anpassung an die unvermeidlichen Folgen der globalen Erwärmung ausreichend zu unterstützen”, so Kowalzig.

Die Verhandlungen für das neue Klima-Abkommen sind in mehreren wesentlichen Punkten festgefahren, berichtet Kowalzig: “Die Industrieländer wollen bis 2020 ihre Emissionen um durchschnittlich höchstens 16 Prozent absenken – mehr als 40 Prozent wären aber nötig.” Zudem habe die Bundesregierung erst letzte Woche in Brüssel versucht zu verhindern, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs den Finanzierungsbedarf der armen Länder beim Klimaschutz zumindest anerkennen.

“Wir befürchten, dass die Europäische Union einen Teil ihrer Verantwortung auf die Entwicklungsländer abwälzen will.”, so Kowalzig.

Zudem wollten die meisten Industrieländer – darunter auch Deutschland – die finanzielle Unterstützung für die Abfederung der Klimaschäden in den armen Ländern aus den Zusagen zur Öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit abzweigen. “Die ohnehin knappen Budgets der Entwicklungshilfe einfach umzuschichten ist nicht akzeptabel. Dann fehlen die Gelder in anderen Bereichen wie Grundbildung oder Gesundheitsfürsorge – dabei ist der Klimawandel eine zusätzliche Belastung, die die Industrieländer verursacht haben. Es braucht zusätzliches Geld.”, empört sich Kowalzig.

Nach Schätzungen von Oxfam müssten die Entwicklungsländer für den Klimaschutz finanzielle Mittel erhalten, die bis 2020 auf mindestens 100 Milliarden US-Dollar jährlich anwachsen. Für die Anpassung an den Klimawandel benötigten die armen Länder zusätzlich mindestens 50 Milliarden US-Dollar jährlich.

Der Oxfam-Bericht „The Right to Survive“ (= ab 2015 jährlich 375 Mio. Hilfsbedürftige wg. Klimawandels) (engl., PDF)

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3 Kommentare über “UN-Klimagipfel beginnt heute in New York – wichtige Impulse für Kopenhagen erwartet”

  1. birdfish schrieb:

    Klimagipfel: Inselstaaten fordern stärkere CO2-Reduzierung

    NEW YORK: Die vom Klimawandel besonders betroffenen Inselstaaten haben einen deutlich stärkeren Abbau der Treibhausgase gefordert. Die von den Industrieländern bislang zugesagte CO2-Reduzierung laufe auf einen weltweiten Temperaturanstieg von 3 Grad hinaus, erklärte die Allianz der Inselstaaten (AOSIS) bei einem Gipfeltreffen in New York. Nötig sei jedoch eine Begrenzung auf höchstens 1,5 Grad. Die 42 Staaten der Allianz beklagen schon jetzt verheerende Folgen der Klimaerwärmung wie Erosionen, Überschwemmungen und Wirbelstürme. Die Konferenz der AOSIS fand zum Auftakt des UN-Klimagipfels statt, zu dem an diesem Dienstag mehr als hundert Staats- und Regierungschefs in New York erwartet werden.

    Quelle: Deutsche Welle

  2. birdfish schrieb:

    “Warum ich für diesen Dienstag einen UN-Sondergipfel zum Klimawandel einberufen habe”

    Statement von Ban Ki Moon, Generalsekretär der Vereinten Nationen

    Erschienen im gestrigen TAGESSPIEGEL unter dem Titel: Ein Wandel liegt in der Luft

  3. birdfish schrieb:

    Japan will Emissionshandel einführen

    TOKIO: Die neue japanische Regierung will nach einem Zeitungsbericht spätestens Anfang 2012 den Handel mit Emissionszertifikaten einführen. Regierungschef Yukio Hatoyama wolle die Emission von Treibhausgasen bis 2020 um 25 Prozent unter das Niveau von 1990 reduzieren, hieß es in einem Bericht der Wirtschaftszeitung “Nikkei”. Wie auch in der EU sollen laut der Zeitung Firmen in Japan Emissionsquoten zugeteilt bekommen, die sie bei Nichtgebrauch verkaufen können. — Die neue Regierung hält das im Vergleich zur Vorgängerregierung ehrgeizigere Ziel einer Emissionsreduzierung um 25 Prozent für nötig, damit Japan bei den Klima-Verhandlungen in Kopenhagen im Dezember eine größere Verhandlungsrolle spielen und Schwellenländer wie China und Indien zu Klimazielen bewegen kann.

    Quelle: Deutsche Welle

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