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Kohlekraftwerk Kingsnorth steht vor dem Aus – ein riesiger Erfolg für den Klimaschutz

Freitag 9. Oktober 2009 von birdfish



Was für ein Tag für den Umweltschutz! Kingsnorth – das britische Symbol für Klimazerstörung, Schauplatz großangelegter Greenpeace-Aktionen – wankt.

Aktivistin in Kingsnorth
Greenpeace-Kletterin am Schornstein des Kohlekraftwerks Kingsnorth in Kent. – (c) Will Rose / Greenpeace

In Kingsnorth sollte das erste neue Kohlekraftwerk Großbritanniens seit 30 Jahren entstehen. Jetzt macht der deutsche Energieriese E.ON einen Rückzieher: Der Neubau werde verschoben.

John Sauven, der britische Greenpeace-Chef, bezeichnete die neue Enwicklung als “extrem gute Nachricht für das Klima”. Die Chancen für den Neubau seien dadurch signifikant gesunken. “Der Kohle schwimmen die Felle weg. Sogar E.ON gibt zu, dass Neubauten sich derzeit nicht rechnen.” Der Konzern hatte bekanntgegeben, dass durch die Wirtschaftskrise der Strombedarf gesunken sei. Bis etwa 2016 würden keine neuen Kraftwerke gebraucht.

Am Kraftwerksstandort Kingsnorth in Kent waren zwei neue Kohlekraftwerksblöcke mit einer Gesamtleistung von 1.600 Megawatt geplant. CO2-Ausstoß nach Fertigstellung: gut acht Millionen Tonnen – Jahr für Jahr. Das Projekt hat nicht nur innerhalb Großbritanniens zu heftigen Kontroversen geführt. Auch von weltweit angesehenen Klimawissenschaftlern wie Professor James Hansen, Direktor des Goddard-Instituts der NASA, bekam die Regierung Gegenwind.

Greenpeace protestierte im Oktober 2007 mit einer spektakulären Aktion gegen das Projekt. Sechs der Aktivisten erstiegen einen rund 200 Meter hohen Schornstein und hinterließen dort eine Protestinschrift für Premier Gordon Brown – zwar unvollendet, aber deutlich genug und weithin lesbar. Der Kraftwerksbetreiber zeigte sie wegen Sachbeschädigung an.

Rund ein Jahr später entschied das Gericht auf Freispruch für die Kingsnorth Six – ein Urteil, das so spektakulär war wie der Protest selber. Das Gericht befand, die Aktion sei gerechtfertigt gewesen. Sie habe einem höheren Gut gedient.

Sehen Sie hier den Trailer zu dem britischen Film “A time comes”:

Hier finden Sie den kompletten 20minütigen Film.

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2 Kommentare über “Kohlekraftwerk Kingsnorth steht vor dem Aus – ein riesiger Erfolg für den Klimaschutz”

  1. birdfish schrieb:

    Droht in NRW weiteren Kraftwerken der Baustopp?

    Von dem weitgehenden Baustopp im Kohlekraftwerk Datteln könnten nach Einschätzung von Experten auch andere Anlagen betroffen sein – sofern gegen diese Projekte geklagt würde. Wie berichtet, verstößt das in Datteln geplante Kraftwerk nach Auffassung des Oberverwaltungsgerichts gegen die Vorgaben der Landesplanung – die nun rasch geändert werden sollen. Zur Zeit sind noch acht Kraftwerke im Bau oder im Genehmigungsverfahren, so das Steag-Kraftwerk Walsum, das Trianel-Kraftwerk in Krefeld und das BoA-Kraftwerk Neurath.

    Quelle: Rheinische Post

  2. birdfish schrieb:

    Eon-Chef Wulf Bernotat wollte den Kohlendioxid-Ausstoß im Ruhrgebiet um 80 Prozent senken. “Low Carbon Ruhr” heißt das Projekt, mit dem Bernotat sich als Moderator des Initiativkreises Ruhr einen Namen machen wollte. Doch Chefs anderer Ruhrkonzerne haben entsetzt seine hochfliegenden Pläne gestoppt.
    Eine Studie ermittelte, dass der Kohlendioxid-Ausstoß des Reviers bis 2050 um 80 bis 90 Prozent gesenkt werden könnte… wenn das umstrittene Eon-Kraftwerk in Datteln gar nicht erst gebaut würde.
    Die Industrielobby zeigte sich entsetzt. Eine CO2-Senkung um 80 Prozent sei ein Anschlag auf die Industrie-Region, hieß es.

    Quelle: Rheinische Post vom 10.10.09

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