KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Deutsche Wald-Inventur für globalen Klima-Bericht zeigt hohe CO2-Speicherleistung

Dienstag 13. Oktober 2009 von birdfish



Die Studie zur Bundeswaldinventur bezüglich klimatischer Relevanz liegt nun vor.

Bäume werden vermessen
Für die Inventurstudie des vTI wurden deutschlandweit rund 78.000 Bäume vermessen – (c) vTI / WOI

In Frankfurt haben das Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) und das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher und dem Deutschen Forstwirtschaftsrat die Ergebnisse der aktuellen Inventurstudie der deutschen Wälder vorgestellt.

Die Planung und Leitung oblag ebenso wie die Durchführung der Feldaufnahmen dem vTI-Institut für Waldökologie und Waldinventuren. Die Inventurstudie wurde initiiert, um eine Aussage über die Speicherung von CO2 in deutschen Wäldern als Klimaschutzmaßnahme im Rahmen des Kyoto-Protokolls zu treffen. Diese Speicherleistung muss dem Klima-Sekretariat der Vereinten Nationen (UN) für die erste Verpflichtungsperiode von 2008 bis 2012 berichtet werden. Die Aufnahmen erfolgten auf einem Teil der Stichprobenpunkte der Bundeswaldinventur, die letztmals 2002 durchgeführt wurde.

Die Auswertung ergab eine Speicherung von 120 Tonnen Kohlenstoff je Hektar. Zusätzlich waren im Totholz 3,25 Tonnen je Hektar gebunden. Bilanziert man die Kohlenstoffspeicherleistung der Deutschen Wälder für den Zeitraum 2002 bis 2008, dann beträgt die Gesamtsenkenwirkung 4,7 Mio. Tonnen Kohlenstoff pro Jahr. Das heißt, die Wälder nahmen diese Menge an Kohlenstoff jedes Jahr auf und speicherten sie als Biomasse.

Neben den Erkenntnissen zur Kohlenstoffspeicherung haben die Daten auch vielfältige Informationen zur Entwicklung der großräumigen Waldverhältnisse geliefert, die wichtige Entscheidungshilfen für die Politik sowie für die Forst- und Holzwirtschaft sind.

CO2-Speicher deutscher Wald
Die Wälder in Deutschland speichern im Schnitt 120 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar – (c) Michael Welling

Für die jetzige Inventurstudie wurden 6.711 Probepunkte (sog. Trakt-Ecken) aufgenommen. Als Datenbasis für die Auswertungen wurden dabei 48.070 Probebäume mit einem Durchmesser über 7 cm, 29.818 Bäume unter 7 cm und 25.407 Stück Totholz erfasst. Die Inventurstudie war trotz kurzer Vorbereitungszeit möglich, weil das Stichprobennetz, das Aufnahmedesign sowie Datenbanken und Software der Bundeswaldinventur genutzt werden konnten.

Die nun abgeschlossenen Arbeiten haben wichtige Erkenntnisse zur Rolle der Wälder im Klimaschutz und über deren Leistunsfähigkeit zur nachhaltigen Bereitstellung von Rohholz erbracht. Daneben konnten wertvolle Erfahrungen für die nächste Bundeswaldinventur gesammelt werden, die in der dritten Auflage im Jahre 2012 Daten für das Endjahr der Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls liefern wird.

Reaktion des NABU auf die Veröffenlichung der Inventurstudie

Der Wald in Deutschland hat kräftig zugelegt. Das versprechen die Ergebnisse der Waldinventurstudie 2008. Im Vergleich zu 2002 hat demnach sowohl der Holzvorrat pro Hektar, als auch die Waldfläche insgesamt zugenommen. Das wirkt sich auch positiv auf die Klima-Bilanz aus: Rund zwei Prozent der energiebedingten Treibhausgasemissionen der Bundesrepublik werden auf diese Weise jedes Jahr vom Wald getilgt.

Von naturnahen Wäldern ist Deutschland aber immer noch weit entfernt. Auch wenn der Laubbaumanteil leicht gestiegen ist, so dominieren nach wie vor die Nadelbäume.

NABU-Waldexperte Johannes Enssle warnt deshalb vor all zu großer Euphorie: „Sicherlich haben die Bemühungen der letzten 15 Jahre dazu beigetragen, dass sich das Waldbild langsam verändert, vielerorts haben wir es aber immer noch mit naturfernen Kiefern- oder Fichtenforsten zu tun, die Wälder sind im Durchschnitt zu jung, viele Pflanzen und Tiere des Waldes sind nach wie vor bedroht.“

Positive Entwicklungen scheint es auch beim sogenannten Totholz gegeben zu haben. Die Inventur spricht von einem Anstieg um 20 Prozent „Die Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen“, warnt Enssle. Viele gefährdete Tiere, Pflanzen und Pilze sind auf starkes Totholz als Lebensgrundlage angewiesen. Die Inventur beziehe auch den mengenmäßig großen Anteil der kleinen und dürren Ästchen mit ein. „Zum Jubel besteht kein Anlass, denn die Situation für die bedrohten Arten hat sich kaum verbessert“, so Enssle weiter.

Schlagworte:
, , , , , ,

Verwandte Artikel

Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 13. Oktober 2009. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Kommentar schreiben