KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Der “ewig” gefrorene Boden Sibiriens taut – nicht ohne globale Klimawandel-Folgen

Montag 19. Oktober 2009 von birdfish



Ganze Wälder kippen; fester Boden wird zu tiefem Sumpf; Asphalt birst, Häuser reißen ein; Öl- und Gaspipelines brechen.

Folgen des Permafrost Tauens
Der Boden unter den Eisenbahnschienen bei Chara ist weggesackt. – (c) Will Rose / Greenpeace

Folgen des Klimawandels in Sibirien. Der Permafrost, der ewig gefrorene Boden, taut und wird instabil. Das Tauwetter im hohen Norden geht auch uns an: Es hat massive Folgen für das globale Klima.

Derzeit ist eine Greenpeace-Expedition auf dem Weg nach Sibirien, um die Situation vor Ort zu untersuchen und zu dokumentieren. Es ist bereits die dritte. Im Sommer 2009 bereisten zwei Greenpeace-Teams die Halbinsel Jamal in der Karasee. Was sie dort vorfanden, war alarmierend: Das schmelzende Eis hinterlässt Hohlräume, der Boden bricht ein. Gebietsweise füllen sich die Krater, in anderen Gegenden dagegen verschwinden ganze Seen oder sackt das Grundwasser weg. Ganze Landschaften kollabieren.

Was in Sibiriens Tundra geschieht, ist verhängnisvoll für die Menschen, die dort leben. Auf Jamal betrifft es vor allem das Volk der Nenzen. Sie sind Nomaden und wandern täglich kilometerweit mit ihren Rentierherden. Im Laufe des Jahres durchwandern sie die Halbinsel. Schon seit längerem ist diese traditionelle Lebensweise durch die Erdgasförderung auf Jamal bedroht. Jetzt kommt durch das Tauen der Böden eine weitere massive Bedrohung hinzu.

Doch das Tauen der Böden hat Folgen weit über die Permafrostregionen hinaus. Der Permafrost gilt als ein zentrales Kipp-Element für das Klima. Das heißt, kippt das Klima hier, so hat dies Auswirkungen auf das gesamte Weltklima. Die ungeheuren Mengen an Treibhausgasen, die hier lauern, können den Klimawandel ungeheuer beschleunigen.

Permafrostböden sind Kohlenstoffsenken. Schätzungen zufolge könnten dort 1.600 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert sein. Taut der Boden, so wird das organische Material der oberen Bodenschicht von Mikroorganismen zersetzt. Steht dabei Sauerstoff zur Verfügung, entsteht Kohlendioxid (CO2). Herrscht Sauerstoffmangel, weil Wasser auf der Oberfläche steht, entsteht durch Fäulnisprozesse Methan (CH4). Methan ist 25-mal gefährlicher für das Klima als Kohlendioxid.

Methanhydratbrocken
Methanhydratbrocken – (c) Wikipedia

Neben dem schon jetzt vermehrt freigesetzten Methan lauert eine weitere Gefahr: Methanhydrate – große Kristalle mit eingelagerten Methanmolekülen. Sie lagern in großen Mengen eingeschlossen im vereisten Boden, aber auch in Meeressedimenten. Methanhydrate bilden sich bei hohem Druck und niedrigen Temperaturen. Sie sind brennbar und zersetzen sich an der Luft.

Fast ein Viertel der globalen Landfläche sind Permafrostböden. Der größte Teil liegt in der nördlichen Hemisphäre: rund 23 Millionen Quadratkilometer. 60 Prozent Russlands und große Teile Kanadas, Alaskas und Westchinas sind durchgehend gefroren – oder waren es bisher. Der Frost kann von wenigen Metern bis zu hunderten tief in die Erde reichen. In Ostsibirien sind es 1800 Meter.

Schlagworte:
, , , , , , , , , , , , , ,

Verwandte Artikel

Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 19. Oktober 2009. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Kommentar schreiben