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Klimageschichte und -prognosen für das Rheinland mit Bohrung an Bonner Vulkan

Donnerstag 22. Oktober 2009 von birdfish



Am Bonner Rodderberg soll gebohrt werden.

Am Rodderberg wird gebohrt
Luftbild des Rodderbergs, im Hintergrund der Rhein – (c) Uni Bonn, Geogr. Institut

Das Steinmann-Institut der Universität Bonn hat zusammen mit dem Geologischen Dienst NRW, Krefeld, und dem Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik, Hannover, Forschungsmittel für eine ungefähr 150 m tiefe Bohrung im Explosionstrichter des Rodderberg-Vulkans für das Jahr 2011 zugesprochen bekommen. Am kommenden Wochenende wird geplant und besprochen, wie das Projekt umgesetzt werden soll und die Rahmenbedingungen gesetzt. Und bis zum Bohrbeginn 2011 sind für die Bohrungsplanung einige wichtige Randbedingungen zu berücksichtigen: Naturschutz, Eigentümer- und Pächterinteressen, Erholungs- und Informationsbedürfnisse im beliebten Bonner Naherholungsgebiet.

Der Rodderberg am Stadtrand von Bonn hat es in sich: Er besteht aus vulkanischem Gestein und erhebt sich über ein kreisrundes Tal. Für Geologen ist dieses Tal, es hat 800 m Durchmesser, ein wieder zugeschütteter Vulkankrater, vieldiskutiert seit den frühen Tagen der Gewissenschaften. Der Krater wurde schon von Charles Lyell (1834) in seinem berühmten Werk “Principles of Geology” in einem Atemzug mit dem Vesuv erwähnt. Dennoch, bis heute blieb Vieles rätselhaft. Wann, wie und wieso brach der Vulkan aus, wie tief ist der Krater, was sagt uns seine mächtige Lössfüllung? Einige Messungen deuten auf ein Vulkan-Alter um 300.000 Jahre hin, mehrere Ausbruchsphasen sind bewiesen. Früheren Bohrungen ist es nicht gelungen, den “Boden” der Kraterfüllung zu erreichen, der möglicherweise erst bei über 100 m Tiefe liegt. Also ein wirklich tiefes Loch, das mit der Zeit von Sedimenten aufgefüllt wurde, die heute ein wertvolles Archiv der Klima- und Umweltbedingungen bilden.

Löss, Klimageschichte und Vulkanismus des Rheinlandes heißen die Hauptziele der Geowissenschaftler.

  1. Löss ist ein weltweit verbreitetes, oberflächennah und patchwork-artig auftretendes Sediment. Hierüber möchte man gern mehr erfahren. Vertiefte Kenntnisse über Löss sind besonders für Bewertungen zur Grundwasserneubildung und -qualität wertvoll. Weite Teile Europas tragen eine Lössbedeckung und sollen von den erwarteten Ergebnissen profitieren.
  2. Die Erschließung und Datierung eines umfangreichen Klima- und Stratigraphie-Archivs ist geplant. Hiermit kann die jüngere Klimageschichte interpretiert werden. Die erwarteten Daten sind aber auch als Bausteine für die Einschätzung von Klimaprognosen wichtig.
  3. Und schließlich möchte man mehr über den Vulkankomplex Rodderberg selbst erfahren – seine geologische Position, Ausbruchs- und Verfüllungsgeschichte, sein Bezug zum Eifelvulkanismus und seine Bedeutung zur Rekonstruktion der jungen Hebungsgeschichte des Rheinischen Schiefergebirges.

Die Bohrung soll 2011 begonnen werden, die Bohrarbeiten werden von einem fahrbaren Bohrgerät (LKW) aus durchgeführt und dauern ca. 3 bis 5 Wochen. Es wird eine PVC-Verrohrung (Durchschnitt von 12,5 cm) ins Bohrloch eingebaut, damit über eine längere Zeitspanne wissenschaftliche Experimente, Messungen und Langzeitbeobachtungen durchgeführt werden können. Oberirdisch wird nach Abschluss der Bohrarbeit nur ein Kanaldeckel zu sehen sein. Nach etwa 5 Jahren wird die Bohrung vollständig zurückgebaut. Das Bohrloch wird verfüllt. Alle Maßnahmen im Zusammenhang mit dieser Forschungsbohrung erfolgen rücksichtsvoll und in frühzeitiger und enger Absprache mit Naturschutzbehörden und Interessenträgern. Die interessierte Öffentlichkeit wird kontinuierlich über Arbeitsfortschritte und Zwischenergebnisse unterrichtet.So wird es von den Wissenschaftlern geplant.

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