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UN-Klimaverhandlungen in Barcelona sind angelaufen – werden Chancen verpasst?

Dienstag 3. November 2009 von birdfish



Gestern hat in Barcelona die voraussichtlich letzte Verhandlungsrunde vor der UN-Klimaschutzkonferenz im Dezember in Kopenhagen begonnen.

Greenpeace-Aktion auf der Sagrada Familia Barcelona
Greenpeace-Aktion auf der Sagrada Familia in Barcelona – (c) Pedro Armestre / Greenpeace

Hier hofft man, dass dann noch ein Kyoto-Anschlussabkommen unterzeichnet werden kann. Nachdem Norwegen und Schweden angekündigt haben, ihre CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) von anderen Industriestaaten ebenfalls ambitionierte Reduktionsziele. Die USA bieten nach dem derzeitigen Stand der Verhandlungen gerade mal ein bis sieben Prozent Reduktionen an, Japan 15 Prozent. Nötig wären laut IPCC- Bericht mindestens 25 bis 40 Prozent CO2-Reduktion in den Industriestaaten bis 2020.

“Die Weltgemeinschaft muss sich in Kopenhagen dringend auf ein faires Klimaabkommen einigen, mit dem die globale Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius eingedämmt werden kann. Unter der Verweigerungshaltung der Industriestaaten, konkrete Klimaziele vorzulegen, leiden vor allem die Menschen in den ärmsten Ländern der Welt. Sie bekommen die Folgen des Klimawandels wie Wetterextreme, Dürren und Überschwemmungen besonders zu spüren”, sagt Antje von Broock, BUND-Expertin für Internationale Umweltpolitik.

Bei der Finanzierung von Klimaschutz und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel in den Entwicklungsländern gibt es von Seiten der Industriestaaten ebenfalls keine konkreten Zusagen. Auf dem gerade stattgefundenen EU-Gipfel bekräftigten die Regierungschefs lediglich, dass sie bereit seien ihren “fairen Anteil” zu tragen. Welche Summen die Entwicklungsländer aus den EU-Staaten erwarten können, blieb offen. Von Broock: “Die EU bleibt den Entwicklungsländern feste Zusagen schuldig und verpasst damit eine Chance, den Verhandlungen neuen Schwung zu verleihen.”

Greenpeace äußerte seine mahnende Botschaft auch noch einmal in plakativer Form. So erklommen gestern Greenpeace-Kletterer haben die berühmte Gaudí-Kathedrale von Barcelona.
Sie hängten ein langes Banner an einem Baukran der Sagrada Família auf. In Barcelona finden diese Woche die letzten Vorverhandlungen für den UN-Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen statt. Die Aktivisten fordern die Regierungschefs der Welt zu einem Weckruf für das Klima auf.

“Noch ist ein guter Deal für das Klima möglich”, sagt Damon Moglen von Greenpeace USA. “Was fehlt, ist lediglich der politische Wille, vor allem in den USA, die unter Präsident Obama weit hinter den Rest der Welt zurückgefallen sind.”

Greenpeace hat das hängende US-Gesetzgebungsverfahren analysiert. Dabei hat sich gezeigt, dass die Gesetzentwürfe mit Schlupflöchern und Geschenken für die Öl- und Kohleindustrie verwässert wurden. Damit ist Obamas Führungsanspruch bei der Lösung der Klimakrise hinfällig.

Die Entwicklungs- und Schwellenländer dagegen sind in Bewegung geraten. Brasilien, China, Indien, Indonesien, Mexiko, Südafrika und Südkorea wollen nachprüfbare Pläne vorlegen, die auch drastische Einschnitte im CO2-Ausstoß beinhalten. “Die Entwicklungsländer tun im Augenblick sehr viel mehr für eine Lösung des Problems als die Industriestaaten”, sagt Ailun Yang von Greenpeace China. “Die Industrieländer verbringen mehr Zeit damit, die Chance auf einen guten Abschluss zu verspielen als ihn zu fördern.”

Hunderte Millionen Leben stünden auf dem Spiel, unzählige Tier- und Pflanzenarten seien bedroht, so Ailun Yang. “Zu wissen, wer das verschuldet hat, ist kein Trost für die kommenden Generationen.”

Film-Dokumentation der Greenpeace-Aktion auf der Sagrada Familia in Barcelona (span.)

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