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Menschen in Entwicklungsländern zahlen Preis für Klima-Sünden der Industrieländer

Mittwoch 18. November 2009 von birdfish



NRO-Bündnis ruft zu entschlossener und global gerechter Klimapolitik auf.

Dürre entzieht Lebensgrundlage
Seit Jahren fällt kaum Regen in Afar, Äthiopien. Das einst fruchtbare Land hat sich in eine karge Wüste verwandelt – die Menschen finden weder Weideflächen noch ausreichend Wasser für ihre Viehherden. Viele haben in der Dürre alles Vieh verloren. Lebensmittel werden knapp – und wegen der hohen Preise unerschwinglich. – (c) Nick Danziger / Oxfam

Je sichtbarer die Auswirkungen des Klimawandels in den armen Ländern zu Tage treten – zunehmende Dürren, Überschwemmungen, Trinkwassermangel, Ernteausfälle und Unwetterkatastrophen – desto klarer wird, dass ambitionierte Klimapolitik eine Frage der globalen Gerechtigkeit ist.

18 Tage vor Kopenhagen fordern die Organisationen Brot für die Welt, Evangelischer Entwicklungsdienst, Germanwatch, Heinrich-Böll-Stiftung, Misereor, Oxfam Deutschland und Welthungerhilfe die Bundesregierung auf, sich in Kopenhagen für ein wirklich ambitioniertes und rechtlich verbindliches Klima-Abkommen einzusetzen. “Deutschland und die anderen Industrieländer müssen als Hauptverursacher des Klimawandels die Menschen in den armen Ländern bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels und bei einer klimafreundlichen Entwicklung angemessen unterstützen. Ein Scheitern von Kopenhagen wäre fatal – für die Menschen in Entwicklungsländern”, erklärten die Organisationen auf einer Pressekonferenz zur gemeinsamen Fachkonferenz “Countdown to Copenhagen” in Berlin. Insbesondere die ärmsten Entwicklungsländer würden ausbaden, was maßgeblich die Industrieländer verursacht haben. Zwar steigen die Emissionen derzeit vor allem in den Schwellenländern, jedoch sind drei Viertel des  seit der Industrialisierung ausgestoßenen Kohlendioxids auf die reichen Länder zurück zu führen.

Negusu A. Woldemedhin, Direktor des Ethiopian Forum for Environment: “Die Kosten der Untätigkeit für den Klimaschutz sind für die Menschen in den Entwicklungsländern extrem hoch. Bauern und Viehhalter in ganz Afrika bezahlen den Klimawandel teuer, mit zunehmenden Nöten und Todesfällen. Das Sozialgefüge löst sich auf.
Die USA reagieren weder rechtzeitig noch verantwortungsvoll auf die globale Klimakrise. Die EU handelt zwar, aber nicht entschlossen genug und nicht im nötigen Ausmaß. Die Länder, die historisch in der Verantwortung stehen, müssen eine führende Rolle einnehmen statt abzuwarten. Einige reiche Länder können es sich vielleicht erlauben einen Klimavertrag zu verzögern, weil wir Menschen in den armen Länder es sind, die die Kosten tragen müssen. Die Industrieländer sollten verantwortungsvoll und unverzüglich reagieren, um den Kohlenstoff-Krieg, der die Schwachen und Unschuldigen umbringt, zu beenden: Wo sind eure Demokratie und Moral geblieben?”

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung: “Kopenhagen bietet eine Chance für einen ambitionierten, gerechten und rechtlich bindenden neuen und globalen Klimavertrag, die nicht verstreichen darf. Was bislang an Zielen zur Reduktion von Emissionen auf dem Tisch liegt, ist weit davon entfernt, das 2-Grad-Ziel zu schaffen. Bei der Klimafinanzierung sieht es noch düsterer aus. Die Industrieländer blockieren einen fairen Deal. Die EU muss endlich ihren fairen Anteil auf den Tisch legen. Kopenhagen ist kein Selbstläufer. Nur mit Vorreitern könnte noch ein Durchbruch gelingen. Kanzlerin Merkel und die politischen Entscheidungsträger aller Parteien sind gefragt, die Jahrhundertaufgabe Klimaschutz ernst zu nehmen und für Mehrheiten für eine klimagerechte Politik zu kämpfen.”

Christoph Bals, politischer Geschäftsführer von Germanwatch: “Kopenhagen muss einen Schub an Dynamik erzeugen. Denn die letztlich entscheidende Gerechtigkeitsfrage ist nicht, wer wie viel Klimaschutz schultern muss, sondern wer eine faire Chance hat, an der vor uns liegenden technologischen Revolution teilzuhaben.”

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2 Kommentare über “Menschen in Entwicklungsländern zahlen Preis für Klima-Sünden der Industrieländer”

  1. birdfish schrieb:

    Pressemeldung des BUND vom 17.11.09:

    Kopenhagen darf nicht scheitern. Druck erhöhen – jetzt erst recht mobilisieren

    Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert die Bundesregierung auf, innerhalb der Kopenhagener EU-Delegation und in der Gruppe der Industriestaaten auf einer Festlegung konkreter CO2-Minderungsziele zu bestehen. Deutschland müsse auch vorangehen, wenn es um die Zusage ausreichender Finanzmittel zur Unterstützung ärmerer Staaten beim Technologietransfer und bei der Anpassung an den Klimawandel gehe.

    “Unverbindliche Absichtserklärungen für mehr Klimaschutz reichen nicht aus”, sagte die BUND-Expertin für internationale Politik, Antje von Broock: “Dringend notwendig sind ambitionierte Vereinbarungen zur Senkung der Treibhausgase, die völkerrechtlich verbindlich sind und an die sich die Unterzeichnerstaaten zu halten haben. Nur dann bekommen wir einen wirksamen Kyoto-Nachfolgevertrag für die Zeit nach 2012, mit dem die globale Erwärmung auf unter zwei Grad Celsius begrenzt werden kann. Alles andere wäre für die Ärmsten der Armen eine Katastrophe. Zugleich würde die Welt große Chancen zur Modernisierung der Wirtschaft verschenken, die mehr Klimaschutz mit sich bringen würden.”

    Gemeinsam mit seinem internationalen Netzwerk Friends of the Earth hat der BUND eine Petition gestartet, um weltweit von den Staats- und Regierungschefs ein wirkungsvolles und gerechtes Kyoto-Nachfolgeabkommen einzufordern. Der BUND veröffentlicht die Petition in Zeitungsanzeigen und wird sie in Kopenhagen an die deutsche Delegation überreichen.

  2. birdfish schrieb:

    Gipfel in Kopenhagen – Obama will eigene Klimaziele präsentieren

    Die US-Regierung reagiert auf internationalen Druck. Bereits in den nächsten Tagen will Obama offenbar ein konkretes Ziel für die CO2-Reduzierung vorlegen. Amerikas Präsident könnte auch am Klimagipfel teilnehmen: Er erwägt nun doch, nach Kopenhagen zu fliegen. [...]

    Quelle: Spiegel Online vom 24.11.09

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