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Verzweifelter Kampf gegen Klimasünder in Indonesien – Vernichtung letzter Urwälder

Freitag 27. November 2009 von birdfish



Fünf Greenpeace-Aktivisten haben 26 Stunden lang auf einem Verladekran der Firma APP im indonesischen Urwald ausgeharrt.

Aktivisten auf dem Verladekran
Greenpeace-Aktivisten auf einem Verladekran der Sinar Mas-Firma APP in der indonesischen Provinz Riau. (c) Greenpeace

Sie wurden schließlich gestern Morgen von der Polizei heruntergeholt. Weitere sieben Aktivisten befanden sich gestern noch in Polizeigewahrsam. Der Geschäftsführer des südostasiatischen Greenpeace-Büros, Von Hernandez, kündigte an, der Protest gehe weiter, “bis die Regierungschefs der Welt aus ihrer Trägheit erwachen und sich in Kopenhagen auf ein faires, ehrgeiziges und rechtsverbindliches Klimaabkommen verständigen”. Dazu gehöre auch ein Fonds zum Schutz der Wälder.

25. November 2009: Greenpeace-Aktivisten haben im indonesischen Urwald eine der weltweit größten Zellstofffabriken geschlossen. Sie erkletterten Verladekräne auf dem Firmengelände des Unternehmens APP und legten so den Export lahm. APP ist eine Tochter des Megakonzerns Sinar Mas. Die Aktivisten protestierten damit gegen einen der größten Urwaldzerstörer in Indonesien.

Das Gelände der Zellstoffmühle ist riesig – so riesig, dass die Fabrik ihr eigenes Kraftwerk für die Energieversorgung betreibt. Verwüstung, wohin das Auge blickt. Es ist kaum zu glauben, dass hier einst intakter Urwald stand. Fabriken wie diese sind wesentliche Treiber des Klimawandels.

Das Holz, das APP verarbeitet, stammt aus den Torf-Urwäldern der Halbinsel Kampar. In diesen alten Torfmoorwäldern sind gigantische Mengen Kohlenstoff gebunden. Durch die Zerstörung des Urwalds werden diese in Form von CO2 freigesetzt und heizen den Klimawandel weiter an.

Konzerne wie Sinar Mas/APP oder das Konkurrenzunternehmen April gehören damit zu den großen unmittelbaren Klimazerstörern. Oft erfolgt die Entwaldung illegal. Nach indonesischem Recht sind Torfschichten, die weiter als drei Meter in die Tiefe reichen, geschützt. Auf Kampar ist das häufig der Fall. Doch die Behörden schauen weg, decken die Konzerne gar. Dieses Verhalten steht in krassem Widerspruch zum erklärten Ziel der Regierung, den CO2-Ausstoß des Landes zu senken. Indonesien ist allein durch die rasante Entwaldung der drittgrößte CO2-Emittent der Welt.

Shailandra Yashwant, Kampagnendirektor von Greenpeace in Südostasien, fordert die Politik auf zu handeln. Die führenden Politiker der Welt dürften nicht damit durchkommen, ein strenges Abkommen in Kopenhagen zu sabotieren, fordert er. “Unsere Regierungschefs müssen mit einer fairen, ehrgeizigen und rechtlich verbindlichen Vereinbarung zurückkommen. Weniger ist nicht akzeptabel. Dazu gehören auch Fonds, um die Entwaldung in Indonesien und anderswo zu stoppen.”

Greenpeace unterhält seit Oktober 2009 auf der Halbinsel Kampar ein Klimacamp. Es wurde auf dem Grund und Boden der Gemeinde von Teluk Meranti errichtet. Die Einwohner unterstützen die Aktivisten. Diese errichteten Dämme in den künstlich gezogenen Gräben, die den Torfboden trockenlegen sollen. Auf einer Konzession des Konzerns April ketteten sie sich an den Baggern fest. Die Behörden wiesen inzwischen etliche ausländischen Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten nach stundenlangen Verhören aus.

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Ein Kommentar über “Verzweifelter Kampf gegen Klimasünder in Indonesien – Vernichtung letzter Urwälder”

  1. birdfish schrieb:

    Wiederaufbau verlorener und geschädigter Wälder ist eine globale Aufgabe

    Nach einer jetzt in London veröffentlichten Studie des World Resource Institute verlieren weltweit etwa 1 Milliarde Hektar Wald in dramatischer Weise zunehmend ihre ökologische Leistungsfähigkeit. Auf Einladung des britischen Umweltministers Hilary Benn und des Ministers für Energie und Klimawandel, Ed Miliband, trafen sich in London hochrangige Vertreter, um die damit verbundenen Herausforderungen anzugehen. Deutschland war durch die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Ursula Heinen-Esser, vertreten.

    Allein durch Abholzung betragen die weltweiten Waldverluste rund 13 Millionen Hektar und tragen damit etwa 18 Prozent zu den globalen Treibhausgasemissionen bei. Verschärft wird dies durch eine fortschreitende ökologische und ökonomische Entwertung der verbleibenden Wälder durch nicht nachhaltige Nutzung der Waldressourcen. Damit verbunden ist gleichzeitig der unwiederbringliche Verlust der biologischen Vielfalt. Diese ist für die Wälder aber der Grundbaustein auch für eine erfolgreiche Anpassung an den Klimawandel. Die Parlamentarische Staatssekretärin Heinen-Esser betonte: “Aus globaler Sicht ist es von zentraler Bedeutung, den Trend der zunehmenden Entwaldung und der Waldentwertung gleichermaßen zu stoppen”. Und weiter: “Der Wiederaufbau der Wälder besitzt ein großes Potenzial für den Erhalt der biologischen Vielfalt, das Speichern von Kohlenstoff und der wirtschaftlichen Entwicklung lokaler Gemeinschaften. Damit kann mittelfristig auch ein Beitrag zur Minderung der Armut geleistet werden.”

    In der jüngst veröffentlichten TEEB-Studie (TEEB: The Economics of Ecosystems and Biodiversity) wurde darauf hingewiesen, dass Investitionen in Ökosysteme sich auch volkswirtschaftlich rechnen. So kosteten z. B. das Anpflanzen und der Schutz von fast 12.000 Hektar Mangroven in Vietnam 1,1 Millionen US-Dollar, gleichzeitig wurden damit aber 7,3 Millionen US-Dollar an Instandhaltungskosten für Deiche eingespart.

    Das Bundesumweltministerium wird diesen Ansatz in die unterschiedlichen internationalen Prozesse wie der Klimarahmenkonvention und der Konvention über die biologische Vielfalt einbringen.

    TEEB-Studie – Quelle: Bundesumweltministerium

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