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Anpassung des Wintersporttourismus in deutschen Mittelgebirgen an Klimawandel

Mittwoch 6. Januar 2010 von birdfish



Das Geografische Institut der RWTH Aachen forscht zum Schneefall in den Wintern der nächsten 40 Jahre.

Schnee im Wald
Verschneite Wälder werden zunehmend ein seltenerer Anblick – (c) Dagmar Struß

Zwar kletterten ausgerechnet zwei Tage vor dem Heiligen Abend die Temperaturen deutlich über die Null-Grad-Grenze und von der weißen Pracht und der damit verbundenen Hoffnung auf weiße Weihnacht in Nordrhein-Westfalen blieb lediglich dreckiger Matsch zurück. Jetzt aber ist der Schnee wieder da und beschert den Kindern noch ein paar schöne Ferientage.
Wie sieht es in den nächsten 40 Jahren mit dem Winter in Deutschland aus? Welche Folgen wird der Klimawandel für den Wintersport in den Mittelgebirgen haben? Wird die Wahrscheinlichkeit, weiße Weihnachtstage zu erleben, zukünftig gegen Null gehen? Lohnen sich überhaupt in den deutschen Mittelgebirgen noch Investitionen in den Wintersport? Fragen, die Klimatologen am Geographischen Institut der RWTH Aachen im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten “klimazwei-Projekts” mit dem Namen “GIS-KliSchEE” (Geografisches InformationsSystem für KLImavariabilität und SCHnEEverfügbarkeit in deutschen Mittelgebirgen) zusammen mit Kollegen der Deutschen Sporthochschule Köln und dem Meteorologischen Institut der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn beantworten.

Dass schwierige Zeiten für die Skigebiete der Mittelgebirge bevor stehen, prognostizieren die Wissenschaftler mit großer Sicherheit. Denn mit dem Klimawandel sei ein Verlust an Schneesicherheit verbunden, so Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Christoph Schneider vom Lehr- und Forschungsgebiet Physische Geographie und Klimatologie der RWTH Aachen. “Noch lohnen sich aber touristische Investitionen in den Hochlagen deutscher Mittelgebirge”, schränkt der Klimatologe die schlechten Prognosen ein. Denn diese Klimaprojektionen beziehen sich nicht auf die Winter der nächsten Jahre, sondern auf die der nächsten Jahrzehnte. Es sei grundsätzlich viel schwieriger, eine kurzfristige gesicherte Witterungsprognose aufzustellen als eine für die fernere Zukunft. Und so können die Klimatologen mit großer Sicherheit sagen, dass es ab Mitte des Jahrhunderts in Deutschlands Mittelgebirgslagen im Gegensatz zu den alpinen Skigebieten eng wird für den kommerziellen Wintersport. Die Forschungsergebnisse der RWTH-Wissenschaftler dienen den Investoren des Skitourismus als wichtige Anhaltspunkte für die zukünftige Planung. Denn im GIS-KliSchEE-Projekt werden regionalisierte Klimadaten sowie naturräumliche und sozioökonomische Rahmenbedingungen im Bereich des Wintersporttourismus analysiert. Die Ergebnisse gehen in ein im Internet frei zugängliches so genanntes Entscheidungsunterstützungssystem ein. Ganz konkret haben die Klimatologen und Geographen untersucht, welche Veränderungen der Schneesicherheit in welchen Zeiträumen zu erwarten sind und welche Flächen dem Skisport in bestimmten Zeitabschnitten zur Verfügung stehen. Mit diesem Wissen sollen Fehlinvestitionen zukünftig vermieden werden und alternative Anpassungsstrategien für die deutschen Mittelgebirge entwickelt werden.

Grundlage für die Untersuchung sind zum einen Daten des Deutschen Wetterdienstes (WD) zum anderen aus Satellitenbildzeitreihen abgeleitete Schneebedeckungsmuster mehrerer Winter. Mithilfe eines neuronalen Netzwerks werden aus den klimatologischen Parametern die Schneehöhen für jede Wetterstation modelliert und anschließend die Anzahl der Schneetage ausgezählt.
Darüber hinaus werden die lokale Schneeverteilung und das lokale Beschneiungspotenzial bis zum Jahr 2050 mithilfe einer Zeitreihe vom Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK) prognostiziert. Dabei werden zwei potenzielle Szenarien für die Prognosen berechnet: In Deutschland dominieren im Winter die Westwetterlagen, das bedeutet, die Luftmassen erreichen Mitteleuropa vom Atlantik kommend relativ warm und mit hoher Luftfeuchtigkeit, also mit mehr Niederschlag. Die Ostströmungen hingegen sind im Winter sehr kalt, dafür aber trocken; sie bringen folglich weniger Niederschlag mit sich. Die Klimatologen haben nun die Schneewahrscheinlichkeit der kommenden Jahrzehnte für zwei Szenarien, in denen je eine der beiden möglichen Wetterlagen dominiert, berechnet, obschon eher mit einer Verstärkung der Westwindzone gerechnet wird. Dabei spielen aber auch noch andere Faktoren wie der Abstand zum Meer – also die Maritimität – und die Höhenlage eines Ortes eine wichtige Rolle. “Aus Nordwesten vorstoßende Luftmassen treffen beispielsweise ungehindert auf die Eifel, während der Feldberg im Schwarzwald im Windschatten einiger, weiter westlich befindlicher Mittelgebirgsrücken liegt, an denen die Luft an Feuchtigkeit verliert”, erläutert Professor Schneider. Dies erkläre unter anderem, warum zum Beispiel auf dem Brocken im Harz, der eine Höhe von 1142 Metern hat, mit durchschnittlich mehr Schnee zu rechnen ist, als auf dem Feldberg im Schwarzwald, obschon dieser etwa 350 Meter höher ist.

Die Untersuchungen haben nun ergeben, dass im Zeitraum von 2021 bis 2030 im Schwarzwald besonders die mittleren und tieferen Lagen vom Temperaturanstieg, der mit dem Klimawandel verbunden ist, betroffen sind. Die Rückgänge der Anzahl an Schneetagen liegen im Vergleich zu den Jahren 1994 bis 2003 je nach Szenario bei mehr als 18 und rund 23 Prozent in Höhenlagen zwischen 500 und 1.000 Metern. Für die Jahre 2041 bis 2050 werden sogar 25 bis 44 Prozent weniger Schneetage für die Gipfellagen des Schwarzwalds prognostiziert; für die tieferen Lagen dort wird mit einem Rückgang von bis zu 65 Prozent gerechnet. Im Sauerland sind bis zur Dekade 2021 bis 2030 in allen Höhenlagen ab 400 Metern Rückgänge der Schneetage zwischen drei und 20 Prozent zu erwarten. Im Zeitraum von 2041 bis 2050 werden es in allen Höhenlagen zwischen 38 und 45 Prozent weniger Schneetage geben als im Mittel der Jahre 1994 bis 2003.

Für die Eifel, deren Erhebungen zwischen 400 und 800 Meter hoch sind, ergeben die klimatologischen Untersuchungen zukünftig ebenfalls weniger Schneetage; zurzeit gibt es dort pro Wintersaison zwischen 20 und 30 Tage mit einer Mindestschneehöhe von zehn Zentimetern. Der Wintersport in Form von Skisport spielt in der Eifel aber auch jetzt eine eher bescheidene Rolle. Wer Glück hat, findet bei ausreichenden Schneemengen gespurte Loipen für den Skilanglauf und an einigen Tagen im Jahr auch den einen oder anderen Skilift in Betrieb. Dennoch empfiehlt Professor Schneider, die Skier nicht zu verkaufen, denn die Möglichkeit, dass es trotz globaler Erwärmung zwischendurch noch kalte und schneereiche Winter in Deutschland geben wird, besteht in auch Zukunft. Im Naherholungsgebiet Eifel wird es in einigen Jahren noch kalte Winter mit Schnee geben, wenn auch nicht für den Skitourismus. Als Naturerlebnis im Schnee wird sie auch zukünftig noch ein Anziehungspunkt für die Menschen aus der Region sein.

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