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Traktoren und Mähdrescher ohne Rußfilter kratzen an dem Image gesunder Landluft

Montag 25. Januar 2010 von birdfish



Anlässlich der Grünen Woche, der weltgrößten Landwirtschaftsmesse, kritisierten Umweltverbände, dass immer noch sämtliche neuen Land- und Forstwirtschaftsmaschinen ohne Rußfilter verkauft werden.

Trecker im Schnee
Auch so erspart der Trecker uns den Dieselruß – (c)segovax / Pixelio

Während der Großteil der Pkw-Diesel-Flotte nunmehr mit Rußfiltern ausgeliefert würde und für immer mehr Lkw und Busse Filtersysteme vorlägen, verunreinigten hingegen Traktoren, Mähdrescher und Holz-Erntemaschinen die Luft immer noch unnötig stark mit Rußpartikeln.

Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen eindeutig die Gesundheitsgefährdung insbesondere auch der Traktor fahrenden Landwirte und die Verschärfung des Klimawandels durch Dieselrußemissionen. Gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Forderungen von Agrarministerin Ilse Aigner nach mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft, müssten vor allem auch die klimaschädlichen Rußemissionen aus Landmaschinen drastisch reduziert werden.

Die Verbände fordern daher die Hersteller landwirtschaftlicher Fahrzeuge dazu auf, in alle Neufahrzeuge Filtersysteme einzubauen. Bereits ab 2012 werden die zulässigen EU-Partikelgrenzwerte erheblich abgesenkt. Jedoch könnten die Fahrzeuge diese Werte nur einhalten, wenn die nötigen Filtersysteme bis dahin für alle Fahrzeugtypen vorhanden seien. „Wir appellieren an die Hersteller, die dringend erforderlichen technischen Lösungen bereitzustellen, um eine zügige und vollständige Nachrüstung der Nutzfahrzeuge sicherzustellen“, so Ulrike Bickel, stellvertretende Leiterin Verkehr der Deutschen Umwelthilfe.

Dietmar Oeliger, NABU-Verkehrsexperte sieht auch die Politik in der Verantwortung: „Die Bundesregierung müsse die Zulassung entsprechender Filtersysteme vorantreiben und die geplante Förderung für die Nachrüstung von Rußfiltern bei leichten Nutzfahrzeugen auch auf Land- und Forstmaschinen ausdehnen. Es reicht nicht aus nur auf die Neufahrzeuge zu setzen. Aufgrund jährlicher Neubeschaffungen nur im unteren einstelligen Prozentbereich dauert es einfach viel zu lange, bis die bestehende Traktorenflotte erneuert ist.“ Diese Fahrzeuge seien über einen langen Zeitraum und dazu oftmals in ökologisch sensiblen Räumen im Einsatz, so dass sich für viele Modelle eine Nachrüstung lohne.

Auch die Kommunen könnten dem Rußfilter im Bereich der Land- und Forstmaschinen zum Durchbruch verhelfen. „Städte und Gemeinden sollten Lohnunternehmer und Landwirte bei kommunalen Aufträgen dazu verpflichten, ihre Fahrzeuge mit Filter auszurüsten, so wie es die Schweizer Luftreinhalteverordnung bereits seit 2002 vorschreibt“, so Oeliger.

Dr. Werner Reh, Verkehrsexperte des BUND, unterstreicht die Notwendigkeit, die Bauern vor den gefährlichen Rußpartikeln zu schützen: „Das Risiko, an Krebs zu erkranken, ist bei den Bauern wegen der erhöhten Ruß-Emissionen an ihrem Arbeitsplatz um bis zu sechsmal höher als im Durchschnitt der Bevölkerung.“ Dies habe eine Untersuchung des Helmholtz-Zentrums München bereits vor Jahren gezeigt. Er forderte, die Bundesregierung sollte zusammen mit der EU-Kommission in Brüssel eine Lösung für die Nachrüstung der Traktoren mit Rußfiltern ausarbeiten.

Ähnlich wie bei Baumaschinen sei die Schweiz auch bei Landmaschinen in Sachen Luftreinhaltung weiter. Prüfstandmessungen hätten eine sehr hohe Wirksamkeit der Partikelfilter auch bei Traktoren gezeigt. So würden über 99 Prozent der vom Motor ausgestoßenen Partikel zurückgehalten. Mit Filtern ausgerüstete Traktoren funktionierten bisher ohne größere Störungen. Auf die Nachrüstung gewähren verschiedene Kantone auch Zuschüsse von umgerechnet bis zu 2700 Euro.

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