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Ergebnisse der Waldzustandserhebung – Umweltverbände mahnen Konsequenzen an

Mittwoch 27. Januar 2010 von birdfish



Das Bundeslandwirtschaftsministerium legt den Waldzustandsbericht 2009 vor und berichtet, dass es – beinahe – allen deutschen Bäumen etwas besser geht.

Wald
Buchen in schlechterem Zustand – (c) Dagmar Struß

Leider hat sich gerade der Kronenzustand vieler Buchen stark verschlechtert. Dies sei vor allem auf den Fruchtbehang zurückzuführen.

NABU Bundesgeschäftsführer Leif Miller erklärte zur Veröffentlichung des Waldzustandsberichts 2009:
„Es ist erfreulich, dass sich der Zustand unserer Waldbäume offenbar langsam erholt. Die Schadstoffeinträge mit Schwefel und flüchtigen Kohlenwasserstoffen sind in den letzten 20 Jahren deutlich zurückgegangen. Dies zeigt, dass die Maßnahmen in der Umwelt- und Luftreinhaltungspolitik der letzten zwei Jahrzehnte durchaus ihre Wirkung hatten. Grund zum Feiern gibt es aber noch lange nicht, denn die Belastung mit Stickoxiden und Ammoniak aus der Landwirtschaft und aus dem Verkehr sind nach wie vor viel zu hoch und führen zu einer weiteren Versauerung der Waldböden.

Wie die Zahlen zeigen, stellt der Klimawandel für den Wald mittlerweile die größere Bedrohung dar, denn trockenere und heißere Sommer wie der Hitzesommer von 2003 machen vor allem Laubbäumen wie Buche und Eiche zu schaffen und beeinträchtigen die Bäume noch über Jahre hinweg. Dem Klimawandel begegnen wir jedoch nicht mit neu eingeführten Baumarten wie der Douglasie oder der Küstentanne, sondern mit mehr Laubbäumen, mehr Totholzanteil und einem zeitgemäßen Wildtiermanagement.“

In diese Kerbe schlug auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Der Waldzustandsbericht sie die “Fortschreibung einer Krankenakte, die jährlich besorgniserregende Diagnosen liefert, aber keine geeignete Therapie empfiehlt”. “Jahr für Jahr veröffentlichen wechselnde Agrarminister nahezu gleichbleibend schlechte Daten zum Zustand der Bäume, dann verschwinden die Akten im Schreibtisch und ein ganzes Jahr geschieht so gut wie nichts”, fügte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger hinzu. Besonders bedenklich sei, dass es gerade für die in deutschen Wäldern so wichtigen Buchen- und Eichenbestände keinerlei Entwarnung gebe. Von Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner forderte Weiger, die Ursachen für die Waldschäden deutlich zu benennen und bei deren Bekämpfung keine falschen Rücksichten auf die Autobranche oder die Agrarindustrie zu nehmen.

Die zu hohen Schadstoffemissionen dieser beiden Wirtschaftszweige seien nach wie vor hauptverantwortlich für den Stress, dem die Wälder ausgesetzt seien. Stickstoffeinträge aus Verkehr und Landwirtschaft führten zur Versauerung der Böden und schädigten die Baumwurzeln. Der Klimawandel habe außerdem dazu geführt, dass es in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts bereits sechs der zehn wärmsten Jahre seit 1890 gegeben habe. Damit könne kein Wald auf Dauer fertig werden. Dass sich die Zahl geschädigter Buchen innerhalb eines Jahres von 30 auf 50 Prozent erhöht habe, sei möglicherweise ebenfalls eine Folge des Klimawandels. Er beschleunige in Hitzesommern das Wachstum von Fruchtständen und schwäche die Widerstandskraft der Buchen.

Der BUND forderte von Agrarministerin Ilse Aigner ein Maßnahmenpaket zur naturverträglichen Waldbewirtschaftung. Mit dem von ihr vorgeschlagenen Waldklimafonds müssten der Laubholzanteil massiv erhöht und die biologische Vielfalt der Wälder gestärkt werden. Mehr Vielfalt schütze auch vor der massiven Vermehrung von Insekten wie dem Borkenkäfer.

“Oberstes Ziel muss eine ökologisch nachhaltige Forstwirtschaft sein, die stabile artenreiche Waldökosysteme vor das Gewinnstreben stellt”, sagte Weiger. Um dies zu erreichen, müsse im Bundeswaldgesetz die gute fachliche Praxis der Bewirtschaftung festgeschrieben werden. Kahlschläge und Entwässerungen seien zu verbieten und es müsse ausreichend Tot- und Altholz im Wald belassen werden.

Inhalte des Waldzustandsberichts 2009 sowie Links zu weiteren Informationen und Materialien finden Sie hier.

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