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Geoengineering: ein Spiel mit unbekannten Gefahren – Eisendüngung fördert Giftblüten

Freitag 19. März 2010 von birdfish



Von einem weiteren Beweis für den Unsinn des Geoengineering berichtet jetzt die Zeitschrift ‘Spektrum der Wissenschaft’.

Gefährliche Alge Pseudonitzschia
Klein und gefährlich: die Alge Pseudonitzschia – Bild: Minami Himemiya / Wikipedia

Zu Beginn des Jahres 2009 (wir berichteten) wurde ein umstrittenes Experiment auf den Weg gebracht. Es sollte untersucht werden, ob die Eisendüngung in Ozeanen zur Klimarettung beitragen könnten. Das Projekt “LOHAFEX” wurde seinerzeit von Alfred-Wegner-Institut durchgeführt. Bereits hier stellte man fest, wie unberechenbar Maßnahmen des Geo-Engineering wirken können. Die Düngung setzte Prozesse in Gang, die das Gleichgewicht der dortigen Organismen aus dem Ruder laufen ließ. Somit war das Experiment weitgehend gescheitert.

Nun gab es einen weiteren Anlauf, Eisendüngung zu testen. Ziel war es, die Algenblüte künstlich herzustellen.

Diesmal fand Charles Trick von der University of Western Ontario im kanadischen London und seine Kollegen heraus, dass die Eisendüngung nicht nur das ökologische Gleichgewicht stört, sondern auch noch Prozesse auslöst, die die Gesundheit von Mensch und Tier gefährden könnten.

Die Eisendüngung fördert in stickstoffreichen Gewässern eine Gruppe an Kieselalgen: die Gattung Pseudonitzschia, die ein Nervengift absondert. Die von ihnen produzierte Domoinsäure wirkt neurotoxisch und kann beim Menschen nach dem Genuss entsprechend kontaminierter Muscheln oder Fische das Kurzzeitgedächtnis beeinträchtigen und Übelkeit, Krämpfe, Durchfall, Kopfschmerz oder Atembeschwerden verursachen.

Bislang galten vor allem Pseudonitzschia-Kieselalgen küstennaher Schelfmeere als kritisch, während ihre Artgenossen auf dem offenen Meer dagegen als harmlos und ungiftig betrachtet wurden. Dieser These widersprechen nun jedoch Trick und Co, nachdem sie ein Düngungsexepriment im Nordostpazifik ausgewertet hatten: Eisengaben auf hoher See förderten dort demnach überdurchschnittlich stark Pseudonitzschia-Gemeinschaften, deren abgesonderte giftige Domoinsäure wiederum andere Arten negativ beeinträchtigte, so dass sich die Kieselalgen noch weiter ausbreiten konnten.

Angesichts der Folgen für die Nahrungsketten, die durch das Neurotoxin kontaminiert werden, warnen die Forscher vor einem allzu sorglosen Umgang mit der vermeintlichen Klimaschutzmaßnahme. Bislang habe man mögliche negative Folgen der Eisendüngung auf die Meere in den Experimenten nicht berücksichtigt, moniert Tricks Team. Die Giftalgenblüten könnten Meeressäuger und Seevögel sowie Meeresfische schädigen, über die das Neurotoxin womöglich auch in die menschliche Nahrung gelangt.

Quelle: klima-media und “Spektrum der Wissenschaft”


  • Originalpublikation der Wissenschaftler
    Trick, C. et al.:Iron enrichment stimulates toxic diatom production in high-nitrate, low-chlorophyll areas. In:
    Proceedings of the National Academy of Sciences 10.1073/pnas.0910579107, 2010.
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