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“Grüne Werbung” in der Automobilbranche – Verbindliche Regeln für Begriffe gefordert

Dienstag 13. April 2010 von birdfish



Klare und verbindliche Regeln für Autowerbung mit Umweltbegriffen fordern der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Verkehrsclub Deutschland (VCD).

VZBV gegen unlautere Werbebegriffe
VZBV-Vorstand Billen kritisiert Irreführung der Verbraucher – (c) VZBV

“Zunehmend werben Autohersteller mit Worten wie ‘umweltfreundlich’ oder ‘klimafreundlich’, die Abgaswerte der Modelle sprechen jedoch oft eine andere Sprache. So werden Verbraucher regelrecht irregeführt”, sagte vzbv-Vorstand Gerd Billen am Freitag auf der Auto Mobil International (AMI) in Leipzig. Der vzbv mahnte bereits Opel und VW wegen unlauterer Werbung ab.

Für die Verbraucher ist beim Kauf eines Neuwagens eine möglichst geringe Klimaschädlichkeit des Modells wichtigstes Kriterium nach den Kosten und dem Spritverbrauch, wie eine Studie im Auftrag des vzbv herausfand. Billen betonte: “Die Verbraucher wollen Autos kaufen, die das Klima weniger als andere belasten. Sie müssen jedoch ehrliche Produktinformation von Etikettenschwindel unterscheiden können. Ansonsten werden Unternehmen, die sich wirklich um Umweltverträglichkeit bemühen, ihre Anstrengungen auf lange Sicht einstellen.”

Billen rief die Bundesregierung auf, sich auf EU-Ebene für eine Ergänzung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UGW) einzusetzen. “Schlagworte wie ‘grün’ oder ‘umweltfreundlich’ dürfen nicht den Eindruck erwecken, das Auto belaste kaum oder gar nicht die Umwelt”, sagte er.

Realistische Grundlagen für Verbrauchstests

Zudem appellierte er an die EU, die Vorgaben für die Verbrauchstests der Autobauer bei Neuwagen der Realität anzupassen und endlich einen Gesetzesentwurf für eine Vergleichsverbrauchskennzeichnung nach dem Vorbild von Waschmaschinen und Kühlschränken vorzulegen. “Die Verbraucher benötigen wahre und klare Angaben, wie viel Sprit ein Auto verbraucht und wie viel CO2 es ausstößt, und keine Idealwerte, die im Alltag nie erreicht werden”, sagte Billen.

Klare Informationen über Elektroautos

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD, kritisierte: “Die Autobranche weckt mit ihrem Hype um die Elektromobilität bei den Verbrauchern unrealistische Erwartungen zur Verfügbarkeit und Umweltverträglichkeit der Elektroautos. Durch Werbung und Öffentlichkeitsarbeit der Hersteller entsteht der Eindruck, die Kunden könnten schon bald alltagstaugliche Modelle kaufen. Doch weit gefehlt: Bislang gibt es fast nur Prototypen, Serienautos werden 10.000 bis 20.000 Euro teurer sein als vergleichbare Benziner. Außerdem sind Elektroautos nicht per se umweltschonend, sondern nur, wenn sie mit regenerativ erzeugtem Strom betankt werden. ”

Laut Lottsiepen fehlt auch ein verbindliches Testverfahren für den Energieverbrauch der Elektroautos. “Die Herstellerangaben sind noch unrealistischer als bei Diesel und Benziner. Es reicht nicht aus, Autos mit Verbrennungsmotor einfach durch Elektroautos zu ersetzen. Wir müssen unsere zukünftige Mobilität grundlegend überdenken, wenn sie klimaverträglich und ressourcenschonend sein soll.”

Abmahnungen an Opel und VW

Unter dem Motto für mich. für dich. fürs klima. geht der vzbv seit 2009 erfolgreich gegen Autowerbung vor, die zu Unrecht Klimaschutzargumente nennt. Der Verband mahnte unter anderem Opel ab, weil der Rüsselsheimer Konzern für seinen “Insignia ecoFlex” mit einem “umweltfreundlichen CO2-Ausstoß” geworben hatte. Auch VW erhielt eine Abmahnung, weil das Unternehmen in einem Katalog für den Phaeton “Fahrspaß mit einem reinen Gewissen” und “höchste Umweltverträglichkeit” versprach. Beide Hersteller versicherten, die Werbeaussagen nicht mehr zu wiederholen.

Autoverkehr und Klimaschutz – mit Fahrrad und E-”Schwalbe”

Unter dem Motto für mich. für dich. fürs klima. informieren der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), die Verbraucherzentrale Sachsen, der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sowie die Umweltschutzinitiative Germanwatch auf der AMI 2010 über Klimaschutz und Mobilität – und laden zum Autorennen der besonderen Art, bei der Fahrräder die Autos einer großen Modell-Rennbahn antreiben. Der Clou: Wer mit einem leistungsstarken Wa-gen an den Start geht, muss kräftiger in die Pedale treten als der Konkurrent mit dem sparsamen Modell.

Die Verbraucherzentrale Sachsen stellt außerdem eine umgebaute “Schwalbe” vor: Zehn Jugendliche verwandelten in der Leipziger Projektwerkstatt GaraGe das DDR-Moped in einen sparsamen Elektro-Flitzer, der auf der Messe getestet werden kann. Der Geschäfts-führer der Verbraucherzentrale Sachsen, Joachim Betz, betonte: “Die Verbraucherzentrale setzt ebenfalls auf Elektromobilität. Mit dem Umbau der Schwalbe machen wir erlebbar, wo die Chancen und Grenzen dieser Technologien zurzeit liegen. Wir können ja nicht immer auf die Automobilhersteller warten.”

Autowerbung mit Umweltargumenten – Forderungspapier 2010 (PDF)

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