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Bundesprogramm Wiedervernetzung will Querungshilfen zum Tierschutz errichten

Freitag 16. April 2010 von birdfish



Die Bundesregierung wird mit einem “Bundesprogramm Wiedervernetzung” an den wichtigsten Stellen der Wanderstrecken wilder Tiere Querungshilfen über Verkehrswege errichten.

Querungshilfen gegen Beeinträchtigung der Tierwelt
Querungshilfen sind hilfreich zum Schutz der Biodiversität trotz zerschnittener Lebensräume – (c) V. Seifert

Das kündigte Bundesumweltminister Norbert Röttgen auf einer gemeinsamen Tagung von Bundesumweltministerium und ADAC in Berlin an. “Verkehrswege zerschneiden zunehmend die Lebensräume von Tieren. Das ist einerseits eine Bedrohung für wilde Tiere und damit für die biologische Vielfalt. Das ist auch zunehmend eine Gefährdung von Menschenleben, denn damit steigt im Straßenverkehr das Risiko von Wildunfällen. Mit dem Bundesprogramm Wiedervernetzung führen wir die Anliegen des Naturschutzes und der Verkehrssicherheit zusammen”, sagte Röttgen.

Das deutsche Straßennetz gehört zu den dichtesten in Europa. Entsprechend stark ist die Zerschneidung der Lebensräume wilder Tiere und das wiederum hat ein vergleichsweise hohes Unfallrisiko durch Wildwechsel zur Folge. Mehr als 3000 Menschen werden in Deutschland in jedem Jahr bei Wildunfällen verletzt, mehr als 20 Menschen kommen dabei ums Leben. Der Deutsche Jagdschutz-Verband rechnet mit mindestens 250.000 Kollisionen mit Tieren in jedem Jahr. Wildunfälle verursachen jährlich einen Sachschaden von rund 500 Millionen Euro.

Aber auch die biologische Vielfalt ist durch die zunehmende Zerstückelung von Lebensräumen in hohem Maße bedroht. Auf der Tagung von Bundesumweltministerium und ADAC wurden aktuelle Forschungsergebnisse im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz zu den Lebensraumkorridoren in Deutschland vorgestellt. Erstmals liegen damit Informationen über die wichtigsten Lebensraumkorridore wildlebender Tiere in Deutschland vor. Sie bilden die wissenschaftliche Grundlage für das im Koalitionsvertrag vereinbarte Bundesprogramm Wiedervernetzung, das derzeit gemeinsam von Bundesumweltministerium und Bundesverkehrsministerium entwickelt wird.

Das Bundesprogramm Wiedervernetzung wird die unterschiedlichen Aspekte der Vernetzung der biologischen Vielfalt in Deutschland und in Europa behandeln, so beispielsweise bei Verkehrsplanung und -investitionen, Naturschutz, Raumordnung, Forschung, Bewusstseinsbildung sowie bei der internationalen Zusammenarbeit.

Die Investitionen für Querungshilfen sollen auf der Grundlage einer Prioritätenliste, die aus bundesweiter Sicht die wichtigsten Wiedervernetzungspunkte umfasst, durchgeführt werden. Im Verkehrsetat für das Jahr 2010 sind für solche Maßnahmen bereits die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen worden. Im Vorgriff auf das Bundesprogramm ist geplant, bis 2011 im Rahmen des Konjunkturpakets II in 17 Maßnahmen, vorwiegend so genannte Grünbrücken, rund 69 Millionen Euro zu investieren.

NABU-Präsident Olaf Tschimpke erklärte anlässlich der Tagung:

„Das von Bundesumweltministerium und Bundesverkehrsministerium geplante nationale Programm für die Wiedervernetzung von Lebensräumen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Wirksamkeit von Grünbrücken, Durchlässen und Wanderkorridoren für Wildtiere ist erwiesen. Schnell müssen jetzt mindestens 125 der wichtigsten Konfliktpunkte entschärft und mit Querungshilfen für wandernde Tierarten durchlässig gemacht werden. Die Finanzierung kann durch die Streichung unrentabler Straßenbauprojekte erreicht werden.“ Unnötige Bauvorhaben, wie zum Beispiel die Fehmarnbeltquerung, seien in Zeiten knapper Kassen ohnehin nicht zu verantworten.

„Der Bau eines durchschnittlichen Autobahnkilometers kostet 26 Millionen Euro. Dafür lassen sich zehn Querungshilfen wie zum Beispiel Grünbrücken und ihre Einbindung in die umliegenden Biotope finanzieren. Wir brauchen keine neuen Straßen, sondern müssen die Schäden der Vergangenheit minimieren. Wer biologische Vielfalt und Lebensqualität für Menschen erhalten will, muss die Wiedervernetzung von Lebensräumen über Deutschlands Infrastruktur hinweg voranbringen“, so Tschimpke. Der NABU hatte bereits 2007 mit seinem Bundeswildwegeplan eine erste Liste der 125 notwendigsten Querungshilfen vorgestellt.

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