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Bestehende Produktsiegel sollten mit neuen Gütekriterien weiter entwickelt werden

Freitag 23. April 2010 von birdfish



Verbraucher wollen sich heutzutage vor dem Kauf immer öfter darüber informieren, ob der Teppich ohne Kinderarbeit gefertigt wurde oder das Spielzeug keine giftigen Stoffe enthält.

Nachhaltig einkaufen
Viele Aspekte gehören zu einem nachhaltigen Einkauf – Foto: Thorben Wengert / Pixelio

Unterschiedliche Label und Siegel helfen dabei, hier eine gute Wahl zu treffen. Doch bisher gibt es kein Label, das ökologische und ökonomische Kriterien sowie soziale Aspekte gleichermaßen abdeckt. Eine neue Studie vom Öko-Institut und dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung kommt zu dem Schluss, dass ein einheitliches “Nachhaltigkeitslabel” über alle Produktgruppen hinweg nicht sinnvoll ist. Stattdessen schlagen die WissenschaftlerInnen vor, die bestehenden Umwelt- und Sozialsiegel in Richtung Nachhaltigkeit weiterzuentwickeln.

“Wenn Verbraucher rundherum nachhaltig konsumieren wollen, fehlt ihnen bisher eine einfache orientierende Signalanlage”, sagt Projektleiterin Dr. Jennifer Teufel vom Öko-Institut. Die zahlreichen Produktlabel bilden in der Regel nur Teilaspekte der Nachhaltigkeit ab, zumeist ökologische, selten soziale. Viele existierende Label sind auf bestimmte Produktgruppen beschränkt. “Es wäre sehr aufwändig und teuer, ein einheitliches Nachhaltigkeitslabel auf dem Markt einzuführen. Zudem besteht die Gefahr, dass die renommierten und bekannten Siegel durch ein neues Nachhaltigkeitslabel relativiert würden. Deshalb raten wir von diesem Weg ab”, so die Öko-Instituts-Expertin.

Die Studie schlägt stattdessen vor, die bestehenden Siegel in mehreren Stufen weiterzuentwickeln. “Aus unserer Sicht ist es zunächst wichtig, gemeinsam mit den Beteiligten aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik informelle Gütekriterien für Produktkennzeichen zu erarbeiten, die aufzeigen, was Nachhaltigkeit in Kennzeichen erfordert”, sagt Dr. Frieder Rubik vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung. “Daraus könnten sich gemeinsame Nachhaltigkeitsstandards ergeben. Am Ende des Diskussionsprozesses sollen dann die bestehenden Zeichen diese Standards für sich selbst umsetzen.” Aus Sicht der Experten könnte dieser Prozess in rund drei Jahren umgesetzt werden.

Wie sind die WissenschaftlerInnen vorgegangen?
Im Rahmen des Forschungsvorhabens haben sich die WissenschaftlerInnen rund 70 Label genauer angeschaut und die Vor- beziehungsweise Nachteile der Kennzeichen aufgelistet. Darunter waren so bekannte Siegel wie der “Blaue Engel” und das FSC-Zeichen, aber auch verschiedene Textilsiegel und Siegel für Bauprodukte. Häufigstes Defizit: Es gibt beim ökologischen und sozialen Nachweis über den gesamten Lebensweg vor allem Lücken bei den Rohstoffen und bei den Vorprodukten, die oft unter sozial schwierigen Bedingungen in Entwicklungs-ländern produziert werden. Hier müssen die neu zu entwickelnden Gütekriterien ansetzen. Aufbauend auf einer Literaturanalyse und Experteninterviews wurden mögliche konzeptionelle Ansatzpunkte für ein allgemeines produktübergreifendes Nachhaltigkeitslabel skizziert und im Rahmen einer Stärken-Schwächen-Analyse die Vor- und Nachteile dieser konzeptionellen Varianten gegeneinander abgewogen.

Vorteil für den Verbraucher – einfache Info, gute Orientierung
Welchen Vorteil hätte der Verbraucher von der Anwendung neuer Nachhaltigkeitsstandards durch einzelne Zeichensysteme? Er wäre beim Kauf eines Teppichs künftig sicher, dass dieser ohne Kinderarbeit produziert worden ist, die verwendete Baumwolle zudem ökologisch und fair angebaut wurde und der Teppich auch keine schädlichen Gifte enthält. Und diese Information würde ihm ein bereits renommiertes Label, wie beispielsweise der Blaue Engel geben, das die entwickelten Standards in sein Zertifizierungssystem aufgenommen hat.

Hier gibt es die vollständige Studie (PDF)

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