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Für Erarbeitung einer niedersächsischen Anpassungsstrategie neue Wege gegangen

Montag 28. Juni 2010 von birdfish



Umweltstaatssekretär Dr. Stefan Birkner und dem Vorsitzenden der Regierungskommission „Klimaschutz“, Prof. Dr. Uwe Schneidewind, wurden jetzt im Hanse-Wissenschaftskolleg die „Hanse-Thesen“ überreicht.

Klimawandel schreitet auch in Deutschland voran
Der Klimawandel schreitet auch in Deutschland voran – Fotobox / Pixelio

Birkner lobte, dass mit der interdisziplinären Diskussion ein neuer, auch bundesweit einzigartiger Weg in der Anpassungsdiskussion eingeschlagen worden sei. Klimapolitik und insbesondere Klimaanpassungspolitik seien komplexe Handlungsfelder, die politische Entscheider vor große Herausforderungen stellen. Erkenntnisse aus unterschiedlichen Disziplinen müssten berücksichtigt werden, um zielgerichtet agieren zu können. Insbesondere die Übersetzung aktueller natur-, wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse in den politischen Prozess erforderten innovative Ansätze.

Wie lassen sich die Ergebnisse und Perspektiven unterschiedlicher Disziplinen zusammenbringen und so formulieren, dass sie im politischen Prozess geeignet verwendet werden können?
Für die Erarbeitung einer niedersächsischen Klimaanpassungsstrategie sind die niedersächsische Landesregierung in Kooperation mit dem Hanse-Wissenschaftskolleg und der im Jahr 2008 eingesetzten Regierungskommission „Klimaschutz“ einen neuen Weg gegangen. Ein unabhängiges, interdisziplinär zusammengesetztes Wissenschaftsgremium aus den Natur-, Ingenieur-, und Wirtschaftswissenschaften sowie den Sozial- und Rechtswissenschaften diskutierte im Hanse-Wissenschaftskolleg über mögliche Eckpunkte einer niedersächsischen Klimaanpassungsstrategie. An dem Workshop nahmen auch der niedersächsische Umweltstaatssekretär Dr. Stefan Birkner sowie acht weitere Vertreter aus den Niedersächsischen Ministerien für Umwelt und Klimaschutz, für Wissenschaft und Kultur sowie für den Ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz teil. Die Einbindung der Ministerien sollte gewährleisten, die entwickelten Thesen so zu formulieren, dass sie möglichst effektiv in den politischen Prozess integriert werden können.

Das Ergebnis dieses Workshops zur Klimaanpassungsstrategie sind zwölf „Hanse-Thesen“, die eine aus wissenschaftlicher Perspektive wünschenswerte zukünftige niedersächsische Klimaanpassungspolitik beschreiben. „Die Hanse-Thesen liefern wertvolle Hinweise, um unser Land auf den Klimawandel angemessen vorbereiten zu können“ betonte Staatssekretär Dr. Birkner. „Sie sind vor allem aber auch Ergebnis einer bemerkenswerten neuen Form der Zusammenarbeit von Wissenschaft, Politik und Verwaltung: sie schaffen eine Brücke, um wissenschaftliche Erkenntnisse für die Politik entscheidungs- und umsetzungsfähig zu machen“, hob der Staatssekretär hervor.
Die „Hanse-Thesen“ sollen der Landesregierung und der sie unterstützenden Regierungskommission „Klimaschutz“ Anstöße für ihre weitere Arbeit geben – insbesondere für die Formulierung eines umfassenden Klimaprogrammes der Landesregierung im Jahr 2012. Der Vorsitzende der Regierungskommission „Klimaschutz“, Prof. Dr. Uwe Schneidewind, führte aus, „dass Klimawandel insofern auch eine neue politische Aufgabe darstellt, als die damit einhergehenden Veränderungen in alle gesellschaftlichen Bereiche hineinwirken wie z.B. Tourismus, Landwirtschaft und -für ein Küstenland wie Niedersachsen besonders wichtig – in den Hochwasser- und Küstenschutz. Für diese Aufgabe wird die Regierungskommission wichtige Impulse liefern. Die Hanse-Thesen bilden für unsere Arbeit eine entscheidende Grundlage“. Dies sah auch der Mitautor der Hanse-Thesen, Prof. Dr. Bernd Siebenhüner so, und ergänzte mit dem Hinweis auf den zu erwartenden weiteren Anstieg des Meeresspiegels, „dass die Klimaanpassung eine in Zukunft immer dringlicher werdende Aufgabe für die Gesellschaft und damit auch für politisches Handeln in Niedersachsen darstellt“.

Prof. Dr. Andreas Ernst, ebenfalls Mitautor der Hanse-Thesen, wies bei der Vorstellung darauf hin, dass die Klimaanpassungsstrategien einerseits eine enorme Herausforderung für bestehende Politik bedeuten, weil unter sehr hoher Unsicherheit belastbare Entscheidungen zu treffen sind und andererseits diese Politik alle Politikfelder betrifft, man also sektorenübergreifend tätig werden muss.

Prof. Dr. Reto Weiler, Rektor des Hanse-Wissenschaftskollegs und Moderator des Prozesses bot an, dass sich das Gremium in absehbarer Zeit wieder trifft, um die Nachhaltigkeit und Umsetzung der formulierten Thesen zu überprüfen. Für Staatssekretär Dr. Birkner ist dieser neu eingeschlagene Weg der Prüfung und Übernahme wissenschaftlicher Erkenntnisse in politisches Handeln eine sehr effektive Form der Zusammenarbeit: „Der Prozess, der am Hanse-Wissenschaftskolleg begonnen hat, soll auch Vorbild für die weitere Zusammenarbeit von Politik, Wissenschaft und Verwaltung sein. Wir werden im Zuge der weiteren Erarbeitung der Anpassungsstrategien in absehbarer Zeit einen vergleichbaren Austausch mit der Wissenschaft suchen, um unsere Überlegungen für die Anpassungsstrategien vor dem Hintergrund der sich stetig erweiternden Erkenntnisse über den Klimawandel kontinuierlich zu überprüfen und zu konkretisieren. Hierfür ist das Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst genau der richtige Ort.“

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