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Heimliches Geschacher mit Energiebossen – NABU kritisiert die längeren Atomlaufzeiten

Dienstag 31. August 2010 von birdfish



Der NABU hat die Festlegung von Bundeskanzlerin Merkel und der Bundesregierung auf längere Atomlaufzeiten kritisiert.

Biblis: Risiken wachsen
Auch im AKW Biblis ist ein großes Sicherheitsproblem vorhanden – Foto: setcookie / Pixelio

„Was heute von Bundesumweltminister Röttgen und Bundeswirtschaftsminister Brüderle verkündet wurde, ist letztlich nicht das Ergebnis von seriösen wissenschaftlichen Analysen sondern eines heimlichen Geschachers mit den Energiebossen“, kritisierte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Wer den Atomkraftwerken in Deutschland jetzt eine Bestandsgarantie für weitere vier, zwölf oder 20 Jahre gebe, zementiere die Monopolstrukturen in der Energiewirtschaft.

„Dass die Atomkonzerne ihre Extragewinne aus Laufzeitverlängerungen in erneuerbare Energien investieren, glaubt doch kein Mensch. Die haben doch gar kein Interesse an Konkurrenz zu ihrem Atomstrom“, so Tschimpke. Schließlich verstopften die unflexiblen Atomkraftwerke mit ihrem Strom bereits jetzt die Netze, so dass kaum Platz für erneuerbare Energien bleibe.

Der NABU hält es zudem für unverantwortlich, falls die Bundesregierung die Sicherheitsauflagen für Atomkraftwerke zum Gegenstand der Gespräche mit den Energiekonzernen machen wolle. „Über die Sicherheit der Bevölkerung verhandelt man nicht. Man schreibt sie den Atomkonzernen vor“, forderte der NABU-Präsident. Wenn alte Meiler vor einem terroristischen Flugzeugabsturz nicht geschützt seien, gehörten sie eben sofort abgeschaltet.

Der NABU wies darauf hin, dass die Energiekonzerne durch geschenkte Verschmutzungsrechte und die Bevorzugung von Atomstrom im Emissionshandel allein zwischen 2005 und 2012 ungerechtfertigte Profite von bis zu 35 Milliarden Euro anhäufen. „Schon jetzt sind Atommeiler eine Lizenz zum Gelddrucken. Diese Gelder sollte die Bundesregierung mit einer Brennelementesteuer abschöpfen – und zwar ohne die Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verlängern“, so NABU-Energieexperte Elmar Große Ruse.

Angesichts der Politik der Bundesregierung ruft der NABU die Bevölkerung auf, sich an der bundesweiten Demonstration gegen Atomkraft am 18. September in Berlin zu beteiligen.

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2 Kommentare über “Heimliches Geschacher mit Energiebossen – NABU kritisiert die längeren Atomlaufzeiten”

  1. birdfish schrieb:

    Mogelpackung CCS-Gesetzentwurf

    Im Jahr 2009 ist sie damit gescheitert, jetzt nimmt die Bundesregierung erneut Anlauf für ein CCS-Gesetz, ein Gesetz zu Abscheidung, Transport und Lagerung von CO2. Doch auch der neue Entwurf ist in wichtigen Fragen unzulänglich, die angebliche Beschränkung auf Demonstration und Forschung reine Augenwischerei. Dahinter steht der Wunsch, die klimaschädliche Kohlekraft salonfähig zu halten. [...]

    Kompletter Beitrag Greenpeace-Pressemeldung vom 30.08.2010

  2. birdfish schrieb:

    Energieszenarien der Bundesregierung sind wertlos und irreführend

    Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) kritisiert massiv die von der Bundesregierung vorgestellten Szenarien für ein Energiekonzept. „Das Szenario ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt ist“, sagte BEE-Präsident Dietmar Schütz. „Bei diesem Auftragsgutachten hatte die Bundesregierung von Anfang an die Ergebnisse vorgegeben. Unter allen Umständen will sie Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke durchsetzen. [...]

    Komplette Meldung des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) vom 30.08.2010

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