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Laufzeitverlängerung bringt zusätzlich 54 bis 94 Mrd. Euro für Betreiber deutscher AKWs

Donnerstag 16. September 2010 von birdfish



Die Kurzanalyse zu den Zusatzeinnahmen der deutschen Kernkraftwerke ist jetzt aktualisiert worden.

Biblis: Risiken wachsen
Alte AKWs: Risiken wachsen, betreiber scheffeln Milliarden – Foto: setcookie / Pixelio

Das Öko-Institut hat berechnet, dass den Betreibern von Kernkraftwerken bei den derzeit ausgehandelten Laufzeitverlängerungen Zusatzeinnahmen zwischen 58 bis etwa 94 Milliarden Euro entstehen. Die Analyse dokumentiert und modelliert darüber hinaus die zwischenzeitlich bekannt gewordenen, weiteren Details der geplanten Regelungen zur geplanten Abschöpfung dieser Gewinne zum Zwecke der Budgetsanierung sowie für Energieeffizienz und Klimaschutz.

Das Öko-Institut weist die am Wochenende von Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender der E.ON AG, erhobenen Vorwürfe unglaubwürdiger Berechnungen sowie der Unterschlagung wesentlicher Kostenfaktoren energisch zurück.

Drei Fragen an Dr. Felix Chr. Matthes, Forschungskoordinator Energie und Klimapolitik am Öko-Institut zur Laufzeitverlängerung für die deutschen Kernkraftwerke und zur Berechnung der Zusatzeinnahmen für die Kernkraftwerksbetreiber:

E.ON-Chef Teyssen hat Ihnen unglaubwürdige Zahlen zu den Gewinnen aus Laufzeitverlängerungen vorgeworfen. Was ist dran an diesem Vorwurf?

„Es bleibt dabei: E.ON wird je nach Strompreisentwicklung zwischen 25 und 50 Milliarden Euro Zusatzerträge haben, damit der größte Gewinner von Laufzeitverlängerungen sein und von den Zusatzerträgen wohl weniger als die Hälfte an den Staat abgeben. Die Berechnungen sind nicht sehr kompliziert und die Ausgangsparameter von uns sehr transparent dargelegt worden. Fachlich konnte Herr Teyssen seinen Vorwurf mit keinem einzigen stichhaltigen Argument belegen. Auch andere, aktuelle Berechnungen wie beispielsweise die der Landesbank Baden-Württemberg kommen zu sehr ähnlichen Ergebnissen.“

Hat das Öko-Institut die Produktionskosten für die Erzeugung von Strom in Kernkraftwerken zu niedrig angesetzt?

„Unseren Berechnungen liegen die Kosten zu Grunde, die in einer Reihe von Studien für die Stromversorger angenommen wurden.
Sollten die etwa in den vergangenen Jahren die Kosten der Kernstromerzeugung massiv schön gerechnet haben …? Zum Glück gibt es ja auch den Markttest: Von 2000 bis 2003 lagen die Strompreise an der Börse bei 2 Cent je Kilowattstunde und 2004 deutlich unter 3 Cent. Wenn die Erzeugungskosten so hoch wären, wie von E.ON jetzt behauptet, hätten in diesen Jahren alle deutschen Kernkraftwerke wegen Unwirtschaftlichkeit stillgelegt werden müssen, was bekanntermaßen nicht der Fall war.“

Haben Sie die Kosten für die Nachrüstung alter Kraftwerke unterschlagen?

„Bislang gibt es keine Festlegungen zu Nachrüstverpflichtungen durch die Bundesregierung. Deshalb kann man die Kosten nicht wirklich belastbar beziffern – und das haben wir in unserer Analyse sehr explizit ausgeführt. Aber wir kennen inzwischen den Deckel von 500 Millionen Euro, der für die Betreiber von nachzurüstenden Kernkraftwerken kostenwirksam werden könnte. Wenn man den zugrunde legt, ergibt sich allenfalls ein mittlerer einstelliger Milliardenbetrag für alle deutschen Kernkraftwerke. Selbst bei dieser Höchstsumme verändern sich die Gesamtergebnisse letztlich nur wenig. Die Kernkraftwerksbetreiber machen unter dem Strich einen massiven Gewinn und sichern sich damit einen enormen Wettbewerbsvorteil.“

Was bleibt also von Laufzeitverlängerungen?

„Kein Effekt für den Klimaschutz, das europäische Emissionshandelssystem hat die Gesamtsumme der Emissionen langfristig festgelegt. Die Effekte für die Strompreise werden bei realistischer Analyse allenfalls marginal sein. Und von den Zusatzprofiten der KKW-Betreibern würden – auf weitgehend freiwilliger Basis – spürbare Beträge für Klimaschutz und Energieeffizienz erst in der nächsten Dekade abgeführt, viel zu spät und viel zu vage. Der Laufzeitverlängerung für diese Hoch-Risiko-Technologie stehen also nicht einmal ansatzweise nennenswerte Vorteile gegenüber.“

Die aktualisierte Kurzanalyse (pdf)

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