KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Hohe See muss besser geschützt werden – OSPAR-Staaten können Zeichen setzen

Donnerstag 23. September 2010 von birdfish



Der NABU hat an die Vertragstaaten der Konvention zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks (OSPAR) appelliert, die biologische Vielfalt und die marinen Ökosysteme des Atlantiks besser und effektiv zu schützen.

Hoffnungen lasten auf dem Umweltminister
Wird Umweltminister Röttgen Wort halten? – Foto: Greenpeace / Uli Baatz

Die fünfzehn Vertragsstaaten und die Europäische Kommission diskutieren und verhandeln vom 20. bis 24. September im norwegischen Bergen insbesondere über die Einrichtung von Meeresschutzgebieten auf der Hohen See und den Schutz bedrohter mariner Arten und Lebensräume.

Im Mittelpunkt des Treffens steht die Frage, ob die OSPAR-Vertragstaaten erstmalig Meeresschutzgebiete auf der so genannten Hohen See, jenseits nationaler Rechtsprechung, ausweisen. In den vergangenen Jahren sind unter maßgeblicher Unterstützung Deutschlands insgesamt sechs Gebietsvorschläge wissenschaftlich erarbeitet worden. Das Ziel ist, ökologisch bedeutsame Ökosysteme wie Kaltwasserkorallenriffe und Felder von Tiefseeschwämmen sowie gefährdete Arten der Tiefsee durch ein Netz von Schutzgebieten vor schädigenden menschlichen Eingriffen zu bewahren. Die Gebietsvorschläge umfassen große Flächen des Mittelatlantischen Rückens, einschließlich der sogenannten Charlie-Gibbs-Bruchzone, sowie abgelegene Seeberge im Nordostatlantik. Die zur Abstimmung vorliegenden Meeresschutzgebiete übersteigen dabei mit insgesamt 460.000 Quadratkilometern die Fläche Deutschlands.

„Die OSPAR-Vertragstaaten müssen jetzt Farbe bekennen, ob sie es tatsächlich ernst mit dem Meeresschutz meinen oder weiter wirtschaftlichen und politischen Interessen den Vorrang einräumen“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Insbesondere Island, Dänemark, Norwegen und Großbritannien wollen ihre Hoheitsgebiete und den Abbau mariner Bodenschätze ausweiten und gefährden jetzt die Unterschutzstellung dieser ökologisch bedeutenden Gebiete.

„Vom OSPAR-Treffen muss ein Signal für andere Meeresregionen und Staaten ausgehen. Mittelozeanische Rücken und Seeberge gehören zu den vielfältigsten Gebieten unserer Ozeane. Sie sind die Oasen der Meere und unverzichtbare Refugien für bedrohte Arten und Lebensräume“, erläuterte NABU-Meeresschutzexperte Kim Detloff.

Neben der Diskussion um die Schutzgebiete veröffentlichen die Vertragsstaaten in Bergen auch den neuen Zustandsbericht über die Meeresumwelt des Nordostatlantiks und verhandeln konkrete Maßnahmen zum Schutz von Haien, Rochen oder dem stark bedrohten Kaiserbarsch. Desweiteren geht es um die Reduktion von Meeresmüll durch nationale Fishing for Litter Programme und um die verbesserten Raumplanung im Meer. Abschließend soll eine Zehnjahresstrategie mitsamt Zielen zum verbesserten Schutz des Nordostatlantiks verabschiedet werden.

Die Organisation Greenpeace setzt sich vorrangig dafür ein, dass Tiefseebohrungen nicht mehr stattfinden. Hier setzt man insbesondere den deutschen Umweltminister Röttgen unter Druck, der am 22. Juli 2010 in der ZDF-Talksendung “Maybrit Illner” noch vollmundig gefordert hatte, dass es “ohne Sicherheit von Bohrungen keine neuen Bohrungen” geben dürfe.  Da wurde er von seinem Kollegen Brüderle und dem Wirtschaftsministerium wohl gründlich zurück gepfiffen, denn nun denkt er nicht mehr daran, sich im Rahmen der OSPAR-Verhandlungen für das einzusetzen, was er mal öffentlich vertreten hat.

NABU-Website zum Meeresschutz

Greenpeace-Website zu Tiefseebohrungen

Am 22. Juli 2010 forderte Umweltminister Röttgen in der ZDF-Talksendung Maybrit Illner, dass es ohne Sicherheit von Bohrungen keine neuen Bohrungen geben dürfe.
Schlagworte:
, , , , , , , , , , , ,

Verwandte Artikel

Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 23. September 2010. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Kommentar schreiben