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Bekämpfung von Armut, Unterentwicklung und Klimawandel nicht ohne Naturschutz

Montag 27. September 2010 von birdfish



Knapp vier Wochen vor Beginn der Weltnaturschutzkonferenz in Nagoya (18. bis 29. Oktober) hat der NABU an Merkel und Röttgen appelliert, sich für ehrgeizige Beschlüsse zur Rettung der biologischen Vielfalt einzusetzen.

Zerstörtes Ökosystem treibt Armut voran
Zerstörtes Ökosystem treibt Armut zusätzlich voran – Foto: Lothar Henke / Pixelio

Beide Politiker nehmen an der Sitzung der UN-Vollversammlung zur Entwicklungs- und Umweltpolitik in New York teil. Im „Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt“ wird der Naturschutz bei den Beratungen am morgigen Mittwoch eine besondere Rolle spielen.

Die Staats- und Regierungschefs tagen unter dem Dach der Vereinten Nationen, um eine Zwischenbewertung der „Millennium-Entwicklungsziele (MDG)“ vorzunehmen, die 2000 in New York verabschiedet wurden. Danach sollte bis 2015 eine Trendwende bei der Bekämpfung von Hunger, Armut und Umweltzerstörung erreicht werden. Fast in allen Bereichen fällt die Zwischenbilanz ernüchternd aus.

„Armut und Unterentwicklung, aber auch der Klimawandel lassen sich nur wirksam bekämpfen, wenn gleichzeitig die Natur geschützt wird. Zum Beispiel ist das Schicksal von einer halben Milliarde Menschen eng mit intakten Korallenriffen verknüpft, die nicht nur Sturmfluten abmildern, sondern auch Kinderstube für viele Fischbestände sind. Wälder und Moore binden Kohlendioxid, Sümpfe reinigen Abwasser, und viele tropische Pflanzen werden noch wertvolle medizinische Stoffe liefern, wenn sie nicht aussterben, bevor sie entdeckt werden“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Die globalen wirtschaftlichen Verluste durch das ungebremste Artensterben werden seit dem Jahr 2000 auf 500 Milliarden US-Dollar beziffert. Ohne deutliche Mehranstrengungen werde sich der Schaden bis 2050 auf sieben Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung belaufen.

Von dem Treffen in New York erhofft sich der NABU entscheidende Impulse für die anstehenden schwierigen Verhandlungen auf der Weltnaturschutzkonferenz in Nagoya. „Nur wenn sich die Staatschefs eindeutig dazu bekennen, die Vielfalt des Lebens auf unserem Planeten retten zu wollen – und dafür auch Geld in die Hand zu nehmen, kann vermieden werden, dass nach dem Klimagipfel in Kopenhagen auch der Naturschutzgipfel in Nagoya scheitert“, so Miller.

In einem Brief hatte NABU-Bundesgeschäftsführer Miller die Bundeskanzlerin vor ihrer Abreise gebeten, bei den Vereinten Nationen ihr ganzes internationales Ansehen in die Waagschale zu werfen, um die Vollversammlung zum Erfolg zu führen. Es müsse neben einem Rettungsplan, um die Millennium-Entwicklungsziele doch noch bis 2015 zu erreichen, gleichzeitig ein weltweiter Rettungsschirm für die biologische Vielfalt gespannt werden. Ferner müsste das Treffen der Staatenlenker für die Einrichtung eines Weltnaturschutzrates (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES) grünes Licht geben. Dieses wissenschaftliche Gremium soll (wie der Weltklimarat, IPCC) zu einer weltweiten, regierungsunabhängigen Autorität in Fragen des Naturschutzes werden.

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