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Hamburger Umweltbehörde will den Energiekonzern Vattenfall verklagen

Dienstag 2. November 2010 von birdfish



Es scheint ernst zu werden. Medienberichten zufolge will die Hamburger Umweltbehörde den Energiekonzern Vattenfall verklagen.

Brunsbüttel ist eines der ältesten und anfälligsten Atomkraftwerke in Deutschland
Brunsbüttel ist eines der ältesten und anfälligsten Atomkraftwerke in Deutschland. Betreiber ist Energiekonzern Vattenfall. – Foto: Dagmar Struß

Das Unternehmen weigert sich, nähere Informationen über sein Versorgungsnetz in der Hansestadt herauszugeben.

Die Hamburger Versorgungsnetze für Strom, Gas und Fernwärme sind durch den Verkauf der städtischen Versorger HEW und Hein Gas in Unternehmenshände übergegangen. So erlangte der schwedische Staatskonzern Vattenfall das Strom- und Fernwärmenetz.

Ende 2014 laufen die Verträge aus. Die Hansestadt will sie zurückkaufen, braucht dafür aber konkrete Angaben des Konzerns über Zustand und Leitungskapazität der Netze. Diese Daten liegen der Stadt nur bis 2002 vor. Die neueren Daten will Vattenfall offenbar aus Wettbewerbsgründen nicht herausrücken. Dies müsse das Unternehmen erst tun, wenn die Bürgerschaft beschließe, die Konzessionen auszuschreiben.

Die Hamburger Regierung befindet sich nun zwischen zwei Fronten. Sie steht durch eine Volksinitiative unter Druck, die sich im Sommer 2010 gegründet hat und den Rückerwerb der Netze fordert. Und steht einem Konzern gegenüber, der mauert.

Dass Hamburg sich seine Netze zurückerobern müsse, sagt auch Klimaexperte Karsten Smid von Greenpeace. “Nur wer die Netze hat, kann Hamburgs zukünftige Energiepolitik gestalten.” Smid hält eine härtere Gangart der Hamburger Umweltbehörde für überfällig. “Hamburg ist schon im Fall Moorburg eingeknickt und hat sich über den Tisch ziehen lassen. Es zeigt sich, dass Klima- und Energiepolitik in Hamburg nur gegen Vattenfall möglich ist.”

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3 Kommentare über “Hamburger Umweltbehörde will den Energiekonzern Vattenfall verklagen”

  1. Huber schrieb:

    Ich finde es fantastisch, dass sich eine Kommune mal traut, was gegen die Energieriesen zu unternehmen. Endlich weiß ich warum ich diese Regierung gewählt habe. Die großen wollen doch nur das Maximum an Einnahmen und fürchten jetzt durch die Abgabe ihres Netzes um Millionen, die sie gar nicht verdienen. Die sollen gefälligst nicht mit juristischen Spitzfindigkeiten durchkommen und so die Daten für sich behalten. Moralisch ist der Stand doch ganz klar. Ich wünsche mir mehr kleine Stromanbieter, wie sie ja langsam wieder auf dem Markt erscheinen. Jeder Stromanbieter Vergleich zeigt doch, dass für uns Kunden solche kleinen unternehmen oder Stadtwerke viel besser sind. Ich will doch bitte nur soviel zahlen wie nötig ist und nicht soviel, wie die Unternehmen gerne hätten.

  2. Wulfling schrieb:

    Ich glaube ja nicht, dass sich für uns Kunden, da viel ändern wird. Die Strompreise sind hoch und werden das vermutlich auch weiterhin bleiben und bei den großen Investitionen die da anstehen, muss auch die Kommune viel Geld einnehmen um es auszugeben.

  3. Mayer schrieb:

    Wenn die Stadt sich das leisten kann und will, wird si zwar einen höheren Einfluss haben, aber nicht unbedingt zu Strompreissenkungen beitragen können. Wirkungsvoll ist tatsächlich immer noch ein Strom Anbieter Vergleich. Da bekommt man oft günstige Alterenativen zu Vattenfall. Wenn alle Hamburger mitziehen würden, wär das im sinnvollsten und dazu kostet es nichts.

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