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Experten warnen vor Wohlstandsverlusten wegen des zögerlichen Klimaschutzes

Freitag 3. Dezember 2010 von birdfish



Wenn wir die dramatischen Folgen des Klimawandels verhindern und gleichzeitig unseren hohen Lebensstandard halten wollen, bleibt nicht mehr viel Zeit zu Handeln.

Klimawandel hat regionale Folgen
Klimawandel hat regionale Auswirkungen – Foto: Rainer Sturm / Pixelio

So lautet die zentrale Botschaft des Nachhaltigkeitsbeirats Baden-Württemberg (NBBW). In seinem neuen Gutachten mit dem Titel „Weiterentwicklung der baden-württembergischen Klimadoppelstrategie: Neue Konzepte für einen global wirksamen Klimaschutz” weist der Beirat darauf hin, dass jetzt die Politik gefordert ist, den CO2-Ausstoß weltweit drastisch zu reduzieren und gleichzeitig über einen Zeitraum von 20 Jahren ein Weltaufforstungsprogramm für fünf Millionen Quadratkilometer Wald in die Wege zu leiten, um etwa 200 Milliarden Tonnen CO2 zu binden. Nur so lassen sich nach Auffassung des Beirates größere ökologische und ökonomische Verluste vermeiden.

Der Vorsitzende des NBBW und Lehrstuhlinhaber am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart, Prof. Dr. Ortwin Renn, wies bei der Übergabe des Gutachtens an Ministerialdirigent Martin Eggstein vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Baden-Württemberg auf die Dringlichkeit des Klimathemas hin: „Die Zeit läuft ab. Insbesondere mit Blick auf die begrenzten Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Kopenhagen fordern wir die Landesregierung dazu auf, durch vorbildliche Klimapolitik im Lande mit gutem Beispiel voranzugehen und parallel dazu global wirksame Klimaschutzkonzepte auf nationaler und internationaler Ebene in die politische Diskussion einzubringen“.

Das Klimagutachten gibt der Landesregierung hierzu zwei alternative Pläne zum Klimaschutz an die Hand. Beide Optionen verfolgen dasselbe Ziel: Die globalen CO2-Emissionen müssen auf eine noch verträgliche Gesamtmenge (englisch: Cap) begrenzt werden, die dazu führt, dass die weltweite Erwärmung nach dem Stand der heutigen Wissenschaft unter 2 °C gehalten wird. Die Nationen erhalten eine bestimmte Anzahl Emissionsrechte. Fehlende Zertifikate können durch den Handel (englisch: Trade) mit anderen Nationen ausgeglichen werden. Für ein solches Cap-and-Trade-System sieht die Option „Global Cap and Trade“ eine prinzipielle Pro-Kopf-Gleichverteilung der Emissionsrechte auf Basis der aktuellen Bevölkerungszahlen vor. Dies ist für die Entwicklungsländer attraktiv, da ihnen bei dieser Art der Aufteilung deutlich mehr Zertifikate zufallen, als sie für ihre momentanen wirtschaftlichen Aktivitäten benötigen. Bei der alternativen Option „Nation-based Cap and Trade“ können sich die Staaten hingegen selbst Rechte zuordnen. Das bedeutet: Je mehr Emissionsrechte sich ein Staat einräumt, desto mehr Rechte entfallen auf jeden seiner Bürger. Durch Anreize aus Fördertöpfen und Sanktionen (WTO) sollen die Staaten dazu gebracht werden, ihre Rechte in einem klimaverträglichen Rahmen zu vereinbaren. Die Akzeptanz souveräner Staaten, insbesondere jedoch der Industrieländer, wäre bei einem solchen Ansatz vermutlich höher. Der NBBW spricht sich aufgrund der tendenziell höheren Effektivität und Gerechtigkeit für die Option „Global Cap and Trade“ aus. Sollte dieser Plan politisch nicht realisierbar sein, hätte die Landesregierung wie die Staatengemeinschaft mit dem Modell „Nation-based Cap and Trade“ eine Alternative.

Der NBBW empfiehlt der Landesregierung, ihren politischen Einfluss im Bund, in Europa und in anderen internationalen Gremien zu nutzen, um das angestrebte globale Reduktionsziel international zu verankern und politisch umzusetzen. Hierfür könnten z. B. die Umweltministerkonferenz, der Umweltausschuss des Deutschen Städtetages und des Deutschen Gemeindetages sowie die EU-Kommission angesprochen werden.

Darüber hinaus sollte sie die landesweiten Aktivitäten im Klimaschutz (z. B. Klimaschutzkonzept 2020PLUS) weiterführen bzw. ausbauen. Für den Fall, dass alle Bemühungen um einen weltweit wirksamen Klimaschutz nur teilweise erfolgreich sind oder sogar scheitern, sollte sich Baden-Württemberg schon jetzt auf die Folgen eines Klimawandels einstellen. Denn eine globale Erwärmung um mehr als 2 °C wird aller Voraussicht nach auch negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft, auf die Häufigkeit von extremen Wetterereignissen wie Überflutungen oder Starkstürme, auf die Umweltqualität sowie auf die wirtschaftlichen Wachstumschancen im Lande haben.

Website des Nachhaltigkeitsbeirates Baden-Württemberg

Gutachten “Weiterentwicklung der baden-württembergischen Klimadoppelstrategie: Neue Konzepte für einen global wirksamen Klimaschutz” (PDF)

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