KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

NABU, AbL und Bioland fordern zur Grünen Woche in Berlin eine neue Agrarpolitik

Montag 24. Januar 2011 von birdfish



AbL, Bioland und der NABU haben Bundesagrarministerin Ilse Aigner und die Minister der Bundesländer aufgefordert, die anstehende Reform der europäischen Agrarpolitik für einen echten Politikwechsel zu nutzen.

Neue Agrarpolitik gefordert
Landwirtschaft muss umdenken – Foto: Bernd Boscolo / Pixelio

Die von der Landwirtschaft verursachten ökologischen und sozialen Probleme ließen sich nur lösen, wenn das bisherige System der EU-Agrarsubventionen grundlegend verändert werde.

Die Vertreter der Verbände kritisierten, dass die derzeit 56 Milliarden Euro EU-Agrarsubventionen pro Jahr nicht an wirksame ökologische und soziale Kriterien gebunden seien und vor allem wenigen Großbetrieben der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie zu Gute kämen. Die gegenwärtige Agrarpolitik treibe eine große Anzahl bäuerlich wirtschaftender Betriebe zur Aufgabe, kalkuliere Qualen vieler Nutztiere mit ein und vernichte Arbeitsplätze in ländlichen Regionen. Die Verbände fordern daher eine Abkehr vom bisherigen Gießkannenprinzip pauschaler Agrarsubventionen und eine Neuausrichtung der Agrarpolitik nach dem Prinzip „Geld gegen gesellschaftlich geforderte Leistung“.

„Landwirte dürfen in Zukunft nur noch Fördergelder bekommen, wenn sie auch konkrete Leistungen für Natur und Umwelt erbringen. Mit einer leistungsgerechten Bezahlung für eine bessere Wasserqualität, mehr Klimaschutz und den Erhalt der Artenvielfalt würde die Landwirtschaft zugleich den Ruf des reinen Subventionsempfängers verlieren“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke. „Das aktuelle Fördersystem führt immer noch dazu, dass große Agrarbetriebe in ausgeräumten Landschaften Millionenbeträge vom Steuerzahler für eine nicht nachhaltige Wirtschaftsweise erhalten.“

Thomas Dosch, Präsident von Bioland: „Die Bundesregierung hat zwar zahlreiche Umweltziele verabschiedet, Agrarministerin Aigner richtet ihre Agrarpolitik aber nur ungenügend danach aus. Die Potentiale, die der Biolandbau als Beitrag zum Klima- und Umweltschutz bietet, werden bisher von der Politik negiert. Der ökologische Landbau ist ein Landwirtschaftsmodell für die Zukunft, das umfassende Lösungen zur Bewältigung der Herausforderungen im Klima- und Umweltschutz sowie in der Entwicklung ländlicher Räume ermöglicht. Aigner muss die positiven Ansätze von EU-Agrarkommissar Ciolos konstruktiv aufgreifen.“

Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) betonte, dass die Forderungen der Organisationen starkt in der Gesellschaft verankert seien. Dies zeigte sich auch auf der großen Demonstration am vergangenen Samstag in Berlin, wo die Menschen für eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft auf die Straße gegangen sind. Auch die öffentlichen Diskussionen über den aktuellen Dioxin-Skandal zeigen das Interesse der Bevölkerung. Der EU-Agrarkommissar habe das erkannt und einige der zentralen Forderungen der Organisationen übernommen. Dazu gehört die Staffelung der Direktzahlungen an die Betriebe unter Berücksichtung der Arbeitskräfte ebenso wie die Forderung, dass Monokulturen nicht mehr gefördert werden sollen. Bislang stellt sich die Bundesregierung vehement dagegen. “Frau Aigner wird die Position des ‚Weiter so’ nicht aufrechterhalten können.“ meinte zu Baringdorf.

Die Verbände verweisen darauf, dass die industrielle Landwirtschaft Hauptverursacher des Artenschwundes und der Nitratbelastung von Gewässern ist. Verfehlt wurden zudem die Ziele der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, die Überdüngung der Felder deutlich zu reduzieren und den ökologischen Landbau bis 2010 auf 20 Prozent der Agrarfläche auszudehnen.

Forderungen von AbL, Bioland und NABU für einen Wechsel in der Agrarpolitik (PDF)

Schlagworte:
, , , , , , ,

Verwandte Artikel

Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 24. Januar 2011. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Kommentar schreiben