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EEG-Fehlanreize fördern Maiswüsten und treiben die Pachtpreise in die Höhe

Mittwoch 23. Februar 2011 von birdfish



Deutschland wird immer mehr zur Mais-Wüste. Zwischen 2005 und 2010 ist die Maisanbaufläche von 70.000 Hektar auf 600.000 Hektar hochgeschnellt, mit fatalen Folgen für Umwelt und Landwirtschaft, so eine WWF-Studie.

Deutschland wird zur Mais-Wüste
Deutschland wird zur Mais-Wüste – Foto: creative-collection

Grund dafür sind falsche Förderanreize für Strom aus Biomasse im Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG). Das EEG belohnt Strom aus Biogas mit umgerechnet jährlich rund 3000 Euro pro Hektar. Das ist fast das Zehnfache dessen, was Bauern sonst pro Hektar durchschnittlich an EU-Förderungen erhalten.

Die Folge: Investoren pachten oder kaufen im großen Stil Ackerflächen. Angebaut wird darauf hauptsächlich Energie-Mais. Ein für die Investoren lukratives Geschäft, das die Pachtpreise in die Höhe treibt und ganze Landstriche in Mais-Monokulturen verwandelt.

„Das Erneuerbare Energien-Gesetz muss in dieser Hinsicht schnell und umfassend geändert werden“, fordert WWF-Agrarreferentin Tanja Dräger de Teran. „Es ist unsinnig, das halbe Land in Maisfelder zu verwandeln. So, wie er heute angebaut wird, vernichtet Mais die Artenvielfalt, belastet die Gewässer und trägt wertvollen Mutterboden ab.“ Die dramatische Ausweitung des Maisanbaus gefährde die nationalen Ziele zum Schutz der Biodiversität.

Besonders irritierend: Für die Erzeugung von Bioethanol muss Mais Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, für Biogas hingegen nicht. „Das ist vollkommen unlogisch und muss sich umgehend ändern“, so die WWF-Expertin. Nach WWF-Angaben ist die Zahl der Biogasanlagen in Deutschland von etwa 2000 im Jahr 2005 auf heute 6000 gestiegen.

Der Biogas-Boom lässt die Pachtpreise in vielen Regionen Deutschlands anziehen. In Ostdeutschland haben sich die Pachtpreise für Agrarflächen laut WWF in den vergangenen drei Jahren beinahe verdreifacht. Landwirte haben beim Auslaufen ihrer Pachtverträge häufig das Nachsehen, weil die Anlagenbetreiber höhere Preise pro Hektar bieten. Rund 60 Prozent der deutschen Landwirte pachten Land.

„Die derzeitige Situation zeigt, dass Bioenergie nicht per se umweltfreundlich oder nachhaltig ist. Es kommt sehr darauf an, woher die Rohstoffe stammen und wie sie angebaut werden“, sagt WWF-Expertin Dräger. Die Bundesregierung müsse nun schnell das EEG verbessern. Die geltenden Nachhaltigkeitskriterien für Biokraftstoffe müssten auch für Energiepflanzen gelten, die zum Betrieb von Biogasanlagen angebaut werden.

Die WWF-Forderungen zu Biogas in Kürze:

  1. Die derzeit geltenden Nachhaltigkeitskriterien für Biokraftstoffe und flüssige Brennstoffe müssen auf den gesamten Anbau von Biomasse zur Erzeugung von Bioenergie ausgeweitet werden.
  2. Die Vergütungsstruktur des EEG ist auf den Einsatz von Reststoffen aus der Landwirtschaft auszurichten (zum Beispiel Wirtschaftsdünger, biogene Reststoffe)
  3. Die Vergütungssätze sollen kommunale Anlagen verstärkt fördern.
  4. Eine ausgeglichene Stickstoffbilanz muss Voraussetzung für den Erhalt von Fördergeldern sein.
  5. Biomasse sollte statt für Strom- und Wärmeerzeugung prioritär für Emissionsminderungen im Verkehrssektor eingesetzt werden (Biokraftstoffe), wo es z.B. im Güterverkehr keine vergleichbaren Alternativen gibt.

WWF-Studie “Energie im großen Stiel” (PDF)

Filmbeitrag “Biogasboom – Bauern in Bedrängnis” aus der ARD-Sendung ‘report’ vom 21.02.11

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Ein Kommentar über “EEG-Fehlanreize fördern Maiswüsten und treiben die Pachtpreise in die Höhe”

  1. Harald von Canstein schrieb:

    Jetzt auch noch der WWF…
    Die WWF-Studie zitiert falsch; statt “Biogas zur Bereitstellung von Strom, Wärme und Kraftstoff schneidet dann sehr ungünstig ab, wenn Silomais als Gärsubstrat zum Einsatz kommt.” (WWF) heisst es in der Quelle “Biogas zur Bereitstellung von Strom, Wärme und Kraftstoff schneidet dann sehr ungünstig ab, wenn bei dem zum Zeitpunkt (2007) der Erstellung des WBA-Gutachtens vorherrschenden hohen Agrarpreisniveaus Silomais als Gärsubstrat zum Einsatz kommt.” (Butterbach-Bahl et al.) Das bedeutet, dass bei höheren Agrarpreisen die CO2-Vermeidungskosten steigen würden. Butterbach-Bahl et al. sagen weiterhin, dass die Klimabilanz von Biogas nur dann schlecht sei, wenn u.a. Cross Compliance nicht beachtet und in veralteten Biogasanlagen (mit offenen Gärrestlagern) produziert wird. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass bei Anwendung guter Praxis die Klimabilanz von Biogas gut ist. Dies wird auch vom Wuppertal-Institut (Arnold, Vetter 2010 Klima- und Umwelteffekte von Biomethan) bestätigt.
    Ich persönlich bezweifle allerdings, dass die CO2-Vermeidungskosten von Biogas von den Substratpreisen abhängen, denn die Kosten der kWh (elektrisch) sind ja per EEG fixiert. Wenn die Maispreise steigen, dann sinkt der Gewinn der Anlagenbetreiber, aber die CO2-Vermeidungskosten bleiben gleich.

    Ausserdem stützt die WWF-Studie sich im Bereich Humuszehrung auf uralte Daten, in der Mais noch als Hackfrucht angesehen wird. Es gibt meines Wissens noch gar keine Humuszehrungs-Daten zu Energiemais, der mit Gärresten gedüngt wird, aber es sieht ganz danach aus, dass die Humusbilanz von Energiemais und Gärresten ausgeglichen ist.

    Die Aussage, dass Biogas die Pachtpreise in die Höhe treibt, stimmt so auch nicht. Laut Dr. Gerd Höher vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft “führt der aktuelle agrastrukturelle Wachstumsdruck zwischen den Landwirten bereits unabhängig von der Bioenergieerzeugung zu einem intensiven Wettbewerb um Pachtflächen”. (Höher 2010 in „Sündenbock Biogas?“, energiepflanzen 2010.4)

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