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Mangelnder Energiewende-Willen jüngst von Umweltverbänden kritisiert – nach Wahlen überholen sich nun die Parteien darin

Mittwoch 30. März 2011 von birdfish



Der Deutsche Naturschutzring (DNR) forderte vergangene Woche noch den Systemwechsel in der Energieversorgung.

Erneuerbare Energien sind die Zukunft
Erneuerbare Energien sind die Zukunft – Foto: Dagmar Struß

“Mit dem überfälligen Ausstieg aus der Atomenergie kommt der Windkraft und Energieeffizienz in Deutschland ein viel höherer Stellenwert zu”, erklärte DNR-Generalsekretär Helmut Röscheisen heute in Berlin. “Es ist doch kein Zufall, dass die bisher ausgesprochen atomfreundlichen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern bei der Nutzung der Windkraft Schlusslicht aller Flächenstaaten sind!”, kritisierte er.

So deckte die Windenergie in Baden-Württemberg mit 467 MW installierter Leistung Ende 2010 gerade einmal 0,9 Prozent des dortigen Stromverbrauchs ab und in Bayern mit 521 MW erst 1 %. Wie es stattdessen gehen kann, zeigt nach Ansicht des DNR die neue Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Sie will den Stromanteil der Windenergie von bisher 3 Prozent auf mindestens 15 Prozent bis 2020 erhöhen. “Auch in Baden-Württemberg und Bayern ist ein Anteil der Windenergie am Stromverbrauch von 15 Prozent bis 2020 möglich”, betonte Röscheisen.

Bei der Ausweisung und dem Betrieb von Windkraftanlagen müssen nach Auffassung des DNR allerdings Belange des Naturschutzes berücksichtigt werden. Das gelte vor allem für den Schutz von Vögeln, Fledermäusen und Insekten. Der DNR hat dazu im Rahmen seiner Kampagne „Umwelt- und naturverträgliche Windenergienutzung“ Positionspapiere zu „Windenergie im Wald“ sowie „Windenergie und Biodiversität“ erstellt.

Großen Nachholbedarf sieht der DNR auch in der Energieeffizienz. Die bisherigen Maßnahmen hätten nicht zu einer nennenswerten Verminderung des Energieverbrauchs geführt, kritisierte der energiepolitische Berater des DNR, Prof. Klaus Traube. Die erst kürzlich vom Bundesumweltministerium veröffentlichte Leitstudie 2010 geht davon aus, dass der deutsche (Primär-)Energieverbrauch im Zeitraum von 2008 bis 2050 nahezu halbiert wird. Für eine derartige Trendwende im Energieverbrauch bedürfe es durchgreifender ordnungs- und finanzpolitischer Maßnahmen. “Es ist aber nicht zu erkennen, dass die Bundesregierung derartiges vorbereitet”, so Prof. Traube.

Nach der Wahl nun sprechen alle Parteien nur noch von der Energie-Wende. Es fragt sich, ob die Politik tatsächlich bereit ist, sich aus den Fesseln der großen Energieversorger zu befreien und die bisherigen Atom-Subventionen in eine zukunftsweisende Richtung zu lenken. Die Verklappung von CO2 in die Erde und das Legen der nächsten Zeitbomben mit Propagieren einer vermeintlich sicheren aber nicht erprobten Technologie wäre allerdings wenig zukunftsweisend.

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