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Nachhaltige Produktions- und Konsummuster könnten dem Klimawandel entgegenwirken

Montag 11. Juli 2011 von birdfish



Treibhausgase, die durch die Ernährung entstehen, machen rund ein Fünftel der gesamten Treibhausgasbilanz der Europäischen Union aus, wenn alle Vorleistungen wie Dünger, Importe usw. einbezogen werden.

Nachhaltig einkaufen
Nachhaltiger Konsum wäre Klimaschutz dienlich – Foto: Thorben Wengert / Pixelio

Unnötiges Wegwerfen von Lebensmitteln vermeiden, eine fleischarme Ernährung, der Griff zu vegetarischem Essen und ein Mehr an biologisch erzeugten Lebensmitteln können bis zu 25 Prozent der klimaschädlichen Gase in der EU bis 2030 einsparen. Zu diesen Ergebnissen kommen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Öko-Instituts bei der Vorstellung der Ergebnisse des Projekts EUPOPP zum nachhaltigen Konsum in Brüssel.

Auf der UNCED Konferenz 1992 in Rio de Janeiro wurde die Förderung nachhaltiger Produktions- und Konsummuster zu einem Politik- und Forschungsgegenstand von hoher internationaler Bedeutung erklärt. Seitdem sind zahlreiche Untersuchungen zum Thema in der Nachhaltigkeitsforschung durchgeführt worden. Zumeist konzentrierten sich diese auf die Analyse von Hemmnissen für einen nachhaltigen Konsum und auf die Entwicklung geeigneter politischer Instrumente zu deren Überwindung.

Wie aber wirken die empfohlenen und beschlossenen politischen Instrumente? Tragen sie wirklich zu nachhaltigeren Konsummustern im Alltag bei? Wie können politische Strategien und Instrumente so verbessert werden, dass sich auch das Konsumverhalten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Alltag nennenswert verändert und welche Wirkungen auf Umwelt und Kosten hätte dies?

Im Forschungsprojekt „EUPOPP – Policies to Promote Sustainable Consumption Patterns“ suchten die ExpertInnen mit Förderung der Europäischen Kommission nach Antworten auf diese Fragen. Zugleich entwickelten sie Lösungen und Strategien für den Konsum mit Blick auf Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz. Gemeinsam mit sechs europäischen Forschungspartnern analysierten sie Auswirkungen und Effektivität von politischen Maßnahmen, die den nachhaltigen Konsum privater Verbraucher in den Bereichen „Ernährung“ und „Bauen/Wohnen“ fördern sollen.

Forschungsfokus Ernährung

Die Herstellung und Verarbeitung, der Verzehr und die Entsorgung von Nahrungsmitteln führen zu hohen Treibhausgasemissionen, dem Verlust von natürlichem Lebensraum und anderen negativen Umwelteffekten. Gezielte politische Maßnahmen können dazu beitragen, diese negativen Auswirkungen zu reduzieren, so das Fazit des EUPOPP-Projekts. Eine Empfehlung der WissenschaftlerInnen ist: Durch gezielten Einkauf Abfall vermeiden und damit die Umwelt entlasten.

„Heute werden circa 38 Millionen Tonnen Lebensmittel aus den europäischen Einkaufsregalen verbannt und weggeworfen, die zwar schon abgelaufen, aber durchaus noch essbar sind“, kritisiert Dr. Bettina Brohmann, Projektleiterin von EUPOPP am Öko-Institut. „Wir schätzen, dass zehn bis 30 Prozent davon noch sehr gut genießbar wären. Unsere Studie zeigt außerdem, dass mehr als 110 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart werden könnten, wenn wir zusätzlich unsere Ernährungsgewohnheiten in moderatem Maße ändern. Das sind mehr als 16 Prozent der Treibhausgasemissionen des Ernährungssektors der EU.“

Politik in der EU, so die Empfehlung des Öko-Instituts, soll die Konsumentinnen und Konsumenten dabei unterstützen, wieder mehr über das Planen des eigenen Einkaufs, aber auch die Lagerung und Konservierung von Lebensmitteln nachzudenken. So verderben Lebensmittel weniger schnell, die Menge des Abfalls und der sogenannte „CO2-Fußabdruck“ sinken. Aber auch der Einzelhandel und die Hersteller müssen auf dem Weg der Nachhaltigkeit aktiv werden. Eine Verlängerung der Daten zum Ablaufen von Lebensmitteln, die heute eher zu kurz ausgezeichnet werden, wäre dafür ein erster wichtiger Schritt.

Darüber hinaus empfiehlt das Öko-Institut weitere Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz. Biologisch erzeugtes Essen in öffentlichen Kantinen und Schulspeisungen und ein „Veggie-Day“ – ein Wochentag mit ausschließlich vegetarischer Essensausgabe – zeigen direkte Klimaschutzwirkungen und wären Vorbild für Bürgerinnen und Bürger. Sie können EU-weit rund 29 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente einsparen. Weitere Maßnahmen liegen in der Anpassung der Mehrwertsteuern auf Produkte mit negativer Wirkung auf Umwelt und Klima sowie in der Aufklärung und Förderung von nachhaltigem Konsum in Schulen.

Informationen zum Forschungsprojekt “EUPOPP– Policies to Promote Sustainable Consumption Patterns“

„Das Neue an EUPOPP ist, dass wir erstmals politikwissenschaftliche mit naturwissenschaftlichen Bewertungsmethoden verschränken, um zu überprüfen, welche politischen Instrumente wirklich dabei helfen können, Konsumenten beim Einkaufen und Verbrauchen zu mehr Nachhaltigkeit zu motivieren“, erklärt Dr. Brohmann die Bedeutung des Projekts. Schwerpunkt der Analysen bilden dabei der bereits gut erforschte Bereich Bauen/Wohnen sowie der Bereich Ernährung. Hier untersuchten die WissenschaftlerInnen schwerpunktmäßig innovative Politikinstrumente und deren Nachhaltigkeitspotentiale.

In der Studie werden alle EU-Mitgliedsstaaten abgedeckt mit Schwerpunkt auf den Ländern Spanien, Finnland, Deutschland und dem Baltikum. Projektpartner von EUPOPP sind: National Consumer Research Center (Finnland), University College London, Baltic Environmental Forum, ecoinstitut Barcelona, Institut für sozial-ökologische Forschung (Deutschland) und ICLEI – Local Governments for Sustainability.

Weitere Informationen und Forschungsergebnisse finden Sie in der Broschüre zum Abschlussbericht (PDF, engl.)

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Ein Kommentar über “Nachhaltige Produktions- und Konsummuster könnten dem Klimawandel entgegenwirken”

  1. Heinz Pütter schrieb:

    “Der Hunger in der Welt nimmt zu. Aus den aktuellsten Schätzungen der FAO geht hervor, dass 923 Millionen Menschen Hunger leiden…““Hohe Nahrungspreise sind die wichtigste Ursache. Die FAO schätzt, dass zwischen 2003 und 2007 die Anzahl unterernährter Menschen um 75 Millionen gestiegen ist.“ Eine wachsende Zahl von Menschen hungert, weil die Wohlhabenden in den Industrieländern und die Neureichen in den Schwellenländern immer mehr Nahrungsmittel für ihren industriellen Wirtschafts- und Lebensstil beanspruchen.

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