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Wird die Nachhaltigkeit von Biotreibstoffen durch Zertifikationssysteme garantiert?

Freitag 12. August 2011 von birdfish



Die EU-Kommission hat die ersten sieben EU-Systeme zum Nachweis der Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen anerkannt.

Bioenergie nicht zulasten der Umwelt
Bioenergie nicht zulasten der Umwelt – Foto: Thorben Wengert / Pixelio

Zu den zertifizierten Programmen gehören unter anderem das deutsche, staatlich finanzierte System ISCC für alle Arten von Biokraftstoffen sowie spezielle Programme für die Zertifizierung von Kraftstoffen auf der Grundlage von Rohrzucker, Soja, oder Ethanol. Diese Anerkennung gilt unmittelbar in den 27 EU-Mitgliedstaaten.

Biokraftstoffe gelangen immer mehr unter Kritik, da der Anbau der Pflanzen mit der Lebensmittelproduktion konkurriert und ökologisch wertvolle Gebiete dafür gerodet werden. Die Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen soll jetzt von den Mitgliedstaaten oder durch von der Europäischen Kommission anerkannte freiwillige Zertifizierungssysteme überprüft werden.

Die EU-Kommission erörtert derzeit mit den Betreibern anderer freiwilliger Systeme, wie diese ihre Standards verbessern können, um die Nachhaltigkeitsanforderungen für Biokraftstoffe zu erreichen. Sie prüft momentan weitere 18 Zertifizierungssysteme. Laut ENDS Europe Daily hat die Kommission die Anerkennung von weiteren Systemen für den Oktober angekündigt.

Bis zum Jahr 2020 will die EU im Verkehrssektor den Anteil an erneuerbaren Energien auf mindestens zehn Prozent erhöhen. Der Einsatz von Biokraftstoffen spielt dabei eine maßgebliche Rolle. Durch die Einführung eines Prüfsystems für Anbauflächen von Pflanzen zur Gewinnung von Biotreibstoffen will die EU erreichen, dass diese Kraftstoffe gewisse Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Unter anderem dürfen ehemalige Regenwald-Flächen nicht als nachhaltig zertifiziert werden, um der Rodung des Regenwaldes zur Gewinnung von Biokraftstoffen entgegenzuwirken.

Eine im Auftrag der Umweltschutzorganisationen RSPB, ActionAid und Nature Kenya veröffentlichte Studie über den Anbau von Pflanzen zur Gewinnung von Biotreibstoffen in den Dakatacha Woodlands in Kenia zeigt, dass Biotreibstoffe bis zu sechsmal höhere Schadstoffemissionen als fossile Treibstoffe haben können.

Die umstrittenen indirekten Landnutzungsänderungen sind bisher noch nicht in die Bewertung der Systeme eingeflossen. Dieses Phänomen tritt auf, wenn zwar der Agrosprit künftig auf zertifizierten Flächen angebaut wird, dafür jedoch Flächen für den Anbau von Nahrungsmitteln oder Ölpflanzen für die Kosmetikindustrie gerodet werden. Nach der Sommerpause will sich die Kommission Oettinger zufolge zwar dieser Frage widmen. Ob deren Berücksichtigung Einfluss auf die bisherige Anerkennung der Zertifzierungssteme haben wird, ließ der Kommissar allerdings offen. Die Brüsseler Umweltverbände BirdLife International, Europäisches Umweltbüro (EEB) und Transport & Environment (T&E) hatten die Kommission in den letzten Monaten massiv für den Umgang mit indirekten Landnutzungsänderungen kritisiert.

Die Umweltorganisation Greenpeace forderte die Kommission dringend auf, nachzubessern und die indirekten Landnutzungsänderungen mit in die Kriterien aufzunehmen. Außerdem forderte Greenpeace, dass Biotreibstolle, die im Vergleich zu fossilem Sprit keine oder nur geringfügig Treibhausgasemissionen reduzieren, weder als erneuerbare Energien noch für Bonuszahlungen angerechnet werden dürften.

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