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Weniger Widerstandsfähigkeit bei Korallen und Mollusken wegen Mittelmeerversauerung

Dienstag 6. September 2011 von birdfish



Die Weltmeere absorbieren rund ein Viertel der Kohlendioxid-Emissionen (CO2), die bei der Nutzung fossiler Brennstoffe und der Entwaldung entstehen.

Schnecke im Mittelmeer
Schnecke im Mittelmeer – Foto: Rolf Handke / Pixelio

Das entspricht ungefähr 1 Million Tonnen CO2 pro Stunde. Dies führt zu einer Veränderung der chemischen Zusammensetzung der Meere, insbesondere zu einer Erhöhung des Säuregehalts. Diese Erhöhung stellt eine Bedrohung für die Organismen dar, die Gerüste oder Muschelkalk bilden, wie Korallen und Mollusken (Weichtiere).
Jean-Pierre Gattuso vom Labor für Ozeanographie in Villefranche-sur-mer (CNRS/UPMC) hat zu diesem Thema eine internationale Studie durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht.

Im Rahmen dieser Studie haben die Forscher Korallen, Schalentiere und Muscheln um die Insel Ischia (Golf von Neapel, Italien) ausgesetzt, da das Wasser dort bereits auf natürliche Weise durch CO2 – Quellen, die auf die Vulkanaktivität des Vesuvs zurückzuführen sind, übersäuert ist. Mit radioaktiven Isotopen konnten sie aufzeigen, dass die Kalkproduktion dieser Organismen selbst bei dem für 2100 erwarteten Säuregehalt (pH von 7,8 im Jahr 2100, verglichen mit pH von 8,1 heute) möglich ist. Das Gewebe und die organischen Schichten, mit denen die Gerüste und Schalen dieser Organismen überzogen sind, spielen eine wichtige Rolle beim Schutz ihrer Kalziumkarbonatstrukturen. Die Teile der Schalen bzw. Gerüste, die nicht durch Gewebe oder organische Moleküle geschützt werden, sind wesentlich gefährdeter und lösen sich je nach Säuregehalt des Wassers schnell auf. Die Forscher konnten außerdem nachweisen, dass sich die Widerstandsfähigkeit deutlich verringert, je länger diese Organismen ungewöhnlich hohen Temperaturen (28,5°C) ausgesetzt sind. Die Sterblichkeit dieser Organismen steigt demzufolge mit dem Säuregehalt.

Einige wirbellose Meerestiere leben bereits jetzt bei Temperaturen, die sie nah an ihre Toleranzgrenze bringen, was zu zeitweisem Massensterben führt. Die Kombination aus der Erwärmung des Mittelmeers und der Versauerung der Gewässer wird zu einem weiteren Anstieg dieses Phänomens führen.

Quelle:
Pressemitteilung des CNRS

CNRS = Französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung

UPMC = Universität Pierre und Marie Curie

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