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Sachverständigenrat: Erneuerbare Energien bis 2050 kostengünstigster Energieträger

Freitag 11. November 2011 von birdfish



Einzelberechnungen für 36 Länder Europas und Nord-Afrikas ergeben, dass eine vollständig regenerative Stromversorgung bis 2050 schon zu Durchschnittskosten von 65 €t/MWh erreichbar ist.

Offshore-Windpark
Offshore-Windpark – Foto: Rebel – Fotolia.com

„Damit werden die erneuerbaren Energien auch europaweit der kostengünstigste Energieträger in der EU“, meint Prof. Dr. Hohmeyer. Die Zahlen liegen sehr deutlich unter den zu pessimistischen Berechnungen für die geplante „Energy Road Map 2050“, die kürzlich aus der Europäischen Kommission öffentlich bekannt wurden.
Mit der englischen Übersetzung seines Sondergutachtens „Wege zur 100% erneuerbaren Energieversorgung“ veröffentlicht der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) erstmals die Szenarienergebnisse für 36 Länder Europas und Nordafrikas. Für jedes einzelne Land wurde ein kostenoptimierter Mix aus erneuerbaren Energien kalkuliert und ein hoher Selbstversorgungsanteil angenommen.
Die Windenergie ist für die meisten europäischen Länder die kostengünstigste Technik, im Mittelmeerraum setzen sich aber auch hohe Anteile von Sonnenergie durch. Inklusive der Kosten für Netzausbau- und Speicher kann eine vollständig regenerative und zur jeder Zeit verfügbare Stromversorgung zu Kosten von durchschnittlich 65 €/MWh erreicht werden – in einigen Ländern sogar für weniger. Das Pumpspeicherpotential Norwegens reicht aus, um europaweit als „grüne Batterie“ zu dienen.

Ein Entwurf des Energiefahrplans 2050 der Europäischen Kommission ist vor Kurzem der Fachöffentlichkeit bekannt gemacht und in den Medien besprochen worden. Bei einem Vergleich verschiedener Szenarien kommt die Europäische Kommission zu dem Ergebnis, dass die erneuerbaren Energien zur Erreichung seiner Klimaziele bis 2050 einen Anteil von 59 – 86% an der Stromversorgung erreichen müssenund damit in jedem Falle die wichtigste Energiequelle werden. Das Szenario mit dem höchsten Anteil an erneuerbaren Energien erscheint aber als das teuerste mit Kosten, die sehr deutlich über den Berechnungen des SRU für eine regenerative Vollversorgung auf der Basis des ReMix-Modells des DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrtforschung) liegen. „Die Europäische Kommission unterschätzt systematisch das Potential der erneuerbaren Energien für eine kostengünstige und nachhaltige Stromversorgung“ meint hierzu Prof. Dr. Hohmeyer heute bei der Präsentation der Ergebnisse im House of Commons, in London. „Der Kostenpessimismus der Europäischen Kommission ist fachlich nicht nachvollziehbar“. Überzogene Kostenprognosen können die politische Akzeptanz für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in der EU behindern.

In seinem Sondergutachten hat der SRU deutlich gemacht, wie wichtig es ist, dass der nationale Ausbau der erneuerbaren Energien europäisch flankiert wird. Er empfiehlt, dass die EU verbindliche Ausbauziele für die erneuerbaren Energien für 2030 formuliert und den Ausbau der europäischen Stromnetze systematisch auf den Bedarf der wachsenden erneuerbaren Energien ausrichtet. Die Harmonisierung der Förderinstrumente erachtet er jedoch nicht als „sachgerecht“, weil die Bedingungen in den Mitgliedsstaaten zu unterschiedlich sind.

Sondergutachten „Wege zur 100% erneuerbaren Stromversorgung“ (engl.)

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2 Kommentare über “Sachverständigenrat: Erneuerbare Energien bis 2050 kostengünstigster Energieträger”

  1. Rudolf K. schrieb:

    Diese Zahlen des SRU sind m.E. völlig aus der Luft gegriffen. Wenn man Zugriff zu aktuellen Zahlen und Prognosen für die einzelnen Technologien hat (die von den Herstellern nur sehr versteckt publiziert werden), dann wird man feststellen, dass z.B. die so gepriesene Solarthermie in Spanien oder in Marokko mit Kosten von um die 100 €/MWh als optimistische Zukunftsperspektive rechnet – ohne Speicher wohlgemerkt. Als mit großem Abstand günstigste Speichertechnologie sind Pumpspeicherkraftwerke anzusetzen – zu Preisen von >50 €/MWh für Kurzzeitspeicher und >100 €/MWh für Langzeitspeicher. Wobei die Speicherkosten immer “on top” auf die Erzeugungskosten zu setzen sind. Andere Speicher (z.B. Batterien) sind weitaus teuerer und haben schlechtere Wirkungsgrade.
    Und mit der “europäischen Batterie Norwegen” – sind wir denn da so sicher, dass die Norweger das auch so wollen? Schließlich ist der Umbau mit erheblichen ökologischen Belastungen verbunden!

  2. birdfish schrieb:

    Energy Roadmap 2050 in der Kritik

    Der deutsche Sachverständigenrat für Umweltfragen, das wissenschaftliche Beratungsgremium der deutschen Bundesregierung in Umweltfragen, übt in seiner jüngsten Studie massive Kritik an den von der Europäischen Kommission veröffentlichten Berechnungen für die geplante Energy Roadmap 2050.

    „Die Europäische Kommission unterschätzt systematisch das Potential der erneuerbaren Energien für eine kostengünstige und nachhaltige Stromversorgung“, kritisiert Professor Dr. Hohmeyer, einer der Autoren der Studie. „Der Kostenpessimismus der Europäischen Kommission ist fachlich nicht nachvollziehbar.“

    In der erweiterten Fassung des Sondergutachtens „Wege zur 100% erneuerbaren Stromversorgung“ wurden Einzelberechnungen für 36 Länder Europas und Nord-Afrikas berücksichtigt. Die Studie zeigt, dass eine vollständig regenerative Stromversorgung bis 2050 schon zu Durchschnittskosten von 65 Euro pro Megawattstunde erreichbar sei. „Damit werden die erneuerbaren Energien auch europaweit der kostengünstigste Energieträger in der EU“, meint Hohmeyer.

    Der Sachverständigenrat kritisiert, dass überzogene Kostenprognosen die politische Akzeptanz für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in der EU behindern würden, und empfiehlt der Europäischen Union, verbindliche Ausbauziele für die erneuerbaren Energien bis 2030 zu formulieren und den Ausbau der europäischen Stromnetze systematisch auf den wachsenden Bedarf dieser Energien auszurichten.

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