KLIMA-MEDIA.de Pressespiegel & Infoblog

Welche Auswirkungen hat der Sahara-Staub aus Afrika auf das Klima in der Karibik?

Montag 13. August 2012 von birdfish



Dringt Saharastaub aus Afrika über den Atlantik bis in die Karibik vor, dann verändert sich die chemische Zusammensetzung und Größe der Tropfen der dortigen Passatwindwolken.

Saharastaub über dem Atlantik
Saharastaub über dem Atlantik. Das Satellitenbild vom 26. Februar 2000 zeigt einen gewaltigen Sandsturm, der sich von Nordafrika über die Kanarischen Inseln Richtung Karibik bewegt. Foto: SeaWiFS Project, NASA/Goddard Space Flight Center and ORBIMAGE

Das berichten Forscher der Universität Puerto Rico, des Max-Planck-Instituts für Chemie und des Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (IfT) auf der Internationalen Konferenz zu Wolken und Niederschlag (ICCP 2012).
Das Projekt PRADACS (Puerto Rico African Dust Study) untersucht den Einfluss von Saharastaub, der über den Atlantischen Ozean transportiert wird, auf die Wolkenmikrophysik der Passatwindwolken (Flüssigwassergehalt, Anzahl und Größe der Tropfen) und deren Niederschlagsverhalten (Stärke, Häufigkeit) in der Karibik, letzteres insbesondere für den tropischen Regenwald Puerto Ricos. Mit dem selben Ziel werden auch die Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung der Wolkentropfen und des Niederschlags studiert.
PRADACS wird von der Universität von Puerto Rico koordiniert, wobei mehrere amerikanische Universitäten und Forschungsinstitute (u. a. University of California San Diego, NOAA Boulder, Colorado State University) über eine Finanzierung durch die National Science Foundation (NSF) vertreten sind. Aus Europa nehmen die ETH Zürich, das Max- Planck-Institut für Chemie aus Mainz und das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung aus Leipzig an PRADACS teil.

Die PRADACS-Studien werden in Puerto Rico durchgeführt – unter anderem auf dem Pico del Este, dessen Gipfel in der Region der Wolkenbildung liegt. Dieser Standort ermöglicht die Untersuchung tropischer Wolken, ohne dass Flugzeuge eingesetzt werden müssen, was die Kosten reduziert und längerfristige Beobachtungen innerhalb einer einzigen Wolke ermöglicht. Gleichzeitig wurde auch am Kap San Juan in der Nähe des Meeresspiegels gemessen. Dieses Projekt soll dazu beitragen, die Wissenslücken zu schließen zu den potenziellen Auswirkungen des Staubtransportes aus Afrika auf die Karibik-Region. Häufigerer und intensiverer Staub aus Afrika könnte die Sommertrockenheit erhöhen – mit möglicherweise spürbaren Konsequenzen für endemische Arten in den tropischen Bergnebelwäldern und für die Wasserversorgung in der Karibik.

Die Haupt-Messkampagne fand im Sommer 2011 statt. Dabei betrieb das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung eines seiner Spezialsammelsysteme für Aerosolpartikel auf dem 1051 Meter hohen Pico del Este innerhalb des tropischen Regenwalds Puerto Ricos. „Wenn sich der Berg in einer Passatwindwolke befand, wurden mit diesem System direkt aus der Wolke Tropfen und nicht zu Tropfen aktivierten Aerosolpartikel (Interstitielle Partikel) getrennt gesammelt. Die Tropfen wurden im CVI-INT (Counterflow Virtual Impactor-Interstitial Inlet) verdunstet und auf diese Weise die sogenannten Wolkenresidualpartikel gewonnen, die den ursprünglichen atmosphärischen Wolkenkondensationskeimen entsprechen, welche die entsprechende Wolke haben entstehen lassen“, erklärt Dr. Stephan Mertes vom IfT, Experte für diese Art von Spezialgeräten. In Zusammenarbeit vor allem mit dem Max-Planck-Institut für Chemie wurden die Proben mikrophysikalisch und chemisch analysiert, um den Einfluss des Saharastaubs auf die Passatwindwolken besser zu verstehen.

Original-Publikationen:
S. Mertes, L. Schenk, J. Schneider, J. Schmale, A. Roth, F. Zurcher, O. Mayol-Bracero (2012): Aerosol particle activation and cloud drop charges observed inside trade wind cumuli during the Puerto Rican African Dust And Cloud Study (PRADACS). ICCP-2012, Leipzig. (#64)

L. Schenk, S. Mertes, M. Schäfer, F. Stratmann (2012): Size dependent CCNC measurements of cloud drop residues and interstitial particles of trade wind cumuli. ICCP-2012, Leipzig. (#787)

C. J. Valle Diaz, O. Mayol-Bracero, E. Torres Delgado, F. Zurcher, A. Gioda, T. Lee, J. Collett, P. DeMott, G. McMeeking, T. Hill, G. Franc, M. Díaz Martínez, E. M. M. Fitzgerald, M. D. Zauscher, L. A. Cuadra Rodríguez, K. Prather, J. K. Spiegel, W. Eugster, S. Mertes (2012): The Puerto Rico African Dust and Clouds Study (PRADACS) – Aerosol and Cloud Measurements at a Caribbean Tropical Montane Cloud Forest. ICCP-2012, Leipzig. (#890)

Schlagworte:
, , , , , , , , , ,

Verwandte Artikel

Dieser Beitrag wurde erstellt am Montag 13. August 2012. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können zum Ende springen und ein Kommentar hinterlassen. Pings sind im Augenblick nicht erlaubt.

Kommentar schreiben