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Santiago de Chile wird trockener und heißer – Anstieg durch Wachstum und Klimawandel

Donnerstag 24. Januar 2013 von birdfish



Bereits heute sind mehr als ein Zehntel der Bevölkerung in der Metropolregion Santiago de Chile durch extreme Hitze oder Überflutungen gefährdet.

Santiago de ChileSantiago ist zunehmend von Hitze und Überflutungen betroffen – Foto: André Künzelmann / UFZ

Diese Gefahren werden durch die anhaltende Expansion der Hauptstadt Chiles, damit einhergehende Landnutzungsänderungen und durch den Einfluss des Klimawandels weiter ansteigen. Deshalb hat das internationale Forschungsprojekt ClimateAdaptationSantiago (CAS) in den vergangenen drei Jahren einen Anpassungsplan an den Klimawandel für die Metropolregion entwickelt und der Regionalregierung und dem Regionalsekretariat des Umweltministeriums übergeben.

Dieser Plan wurde von deutschen und chilenischen Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), der Universidad de Chile und der Pontificia Universidad Católica de Chile im Rahmen eines intensiven Beteiligungsprozesses gemeinsam mit einer Reihe von lokalen Akteuren erstellt.

Der Anpassungsplan ist die Antwort auf die ebenfalls im Rahmen des Projektes abgeschätzten Klimaveränderungen und deren Auswirkungen in der Metropolregion. Die Wissenschaftler des CAS-Projektes erwarten bis zum Jahr 2050 deutliche Veränderungen. So rechnen sie damit, dass die Jahres-Minimum- und Maximum-Temperaturen um ein bis zwei Grad steigen und damit auch die Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius zunehmen werden. Die Niederschläge dagegen könnten um bis zu 20 Prozent zurückgehen. Allerdings wird sich der Niederschlag dann auf weniger Tage als bisher konzentrieren und damit das Überflutungsrisiko ansteigen, so die Szenarien. Durch die wachsende Bevölkerung und eine weitere Stadtexpansion in Zusammenhang mit den prognostizierten Klimaveränderungen erwarten die Wissenschaftler Probleme in der Wasser- und Energieversorgung sowie mehr Menschen, die von Hitze- und Überflutungen betroffen sind.

Zu den 14 konkreten Maßnahmen, die die Wissenschaftler gemeinsam mit den involvierten Stakeholdern vorschlagen, gehören unter anderem: Der Aufbau eines Monitoringsystems für z.B. Landnutzungs- und Überflutungsdaten , die Schaffung von mehr Grünflächen in der Stadt und die Nutzung existierende Wasserkanäle am Andenfuß, um die Gefahren durch Fluten zu verringern. Daneben werden Maßnahmen zur stärkeren Beteiligung und Information der Bürger sowie ein Programm zur Errichtung „kühler Dächer“ für sozial schwache Haushalte empfohlen, das die Auswirkungen der Hitze mildern soll, indem die Dächer weiß angestrichen oder begrünt werden. Sowohl seitens der Regionalregierung (GORE) als auch des Regionalsekretariat des Umweltministeriums (SEREMI MA) wird die Umsetzung des Plans und der Maßnahmen intensiv gefördert. So ist für die kommenden Monate eine öffentliche Auslegung des Plans geplant, weitere konkrete Schritte zur Implementierung sind ebenfalls vorgesehen.
Im Rahmen des CAS-Projektes wurde in enger Zusammenarbeit mit der UN-Kommission für die ökonomische Entwicklung Lateinamerikas und der Karibik (UN CEPAL/ECLAC) außerdem ein regionales Lernnetzwerk mit Wissenschaftlern und Entscheidungsträgern aufgebaut. Dieses Netzwerk umfasst sechs Megastädte Lateinamerikas (Buenos Aires, Bogotá, Lima, México, Santiago de Chile, Sao Paulo). Ziel war es, den “Stand der Praxis” in der städtischen Anpassung an den Klimawandel zu erfassen und zu diskutieren sowie insbesondere den Austausch zwischen den Städten in der lateinamerikanischen Region zu fördern. Im Rahmen von CAS wurden dazu drei Workshops organisiert. „Der erste Workshop widmete sich dem wissenschaftlichen Austausch, im zweiten Workshop wurde diskutiert, wie der Austausch zwischen Entscheidungsträgern verschiedener Verwaltungsebenen der jeweiligen Städte gestärkt werden kann und der dritte Workshop führte beide Gruppen zusammen“, berichtet Dr. Kerstin Krellenberg vom UFZ, die das CAS-Projekt koordiniert hat.
Die Arbeiten im Rahmen des CAS-Projektes wurden durch die finanzielle Unterstützung der Internationalen Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) ermöglicht. Der Anpassungsplan ist das gemeinsame Ergebnis einer engen Kooperation zwischen Politik, Praxis und Wissenschaft. Zehn Runde Tische, die im Verlauf der dreijährigen Projektlaufzeit in Santiago durch das Projekt organisiert wurden, bildeten das Kernstück der Zusammenarbeit.
Die Arbeit in Santiago ist damit aber noch nicht beendet: Eine internationale Kooperation von Wissenschaftlern des UFZ-Departments Stadt- und Umweltsoziologie mit Wissenschaftlern der Pontificia Universidad Católica de Chile war im Januar 2013 in der ersten Förderrunde der Helmholtz International Research Groups erfolgreich. Die deutsch-chilenische Forschergruppe wird damit in den nächsten drei Jahren die Verwundbarkeit der städtischen Bevölkerung in lateinamerikanischen Städten wie Santiago de Chile weiter untersuchen und zusätzliche Optionen für lokale Anpassungsoptionen an den Klimawandel entwerfen.

Artikel von Kerstin Krellenberg und Tilo Arnhold

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